Jeder, der mit kleinen bis mittleren Pressen und Stanzautomaten arbeitet, hat schon mal etwas von einer „Richthilfe“ gehört und weiß diese zu schätzen. Speziell für enge Platzverhältnisse bietet GSW Schwabe ein kompaktes Vorschub-Richt-System.
2-t-Doppelhaspel mit großer Dornhöhe für eine Abwicklung von oben und unten.
(Bild: GSW Schwabe)
Richthilfen, oder auch Richtapaparte genannt, sind Geräte, die die Coilkrümmung ohne eigenen Antrieb sondern stattdessen im Durchzug egalisieren können. Sie sind in der Regel mit einem Zangenvorschub oder einem servoelektrischen Walzenvorschub gepaart.
Da Walzrichten durch Wechselbiegungen mit Eintauchen in das Bandmaterial geschieht, entsteht Reibhaftung. Wenn die Maschine über keinen Antrieb verfügt, bedeutet dies eine Bremskraft. Die Kraft steigt mit erhöhtem Materialquerschnitt beziehungsweise tieferem Eintauchen. Diese einfache Physik führt dazu, dass bei vielen Anwendungen auf angetriebene Richtmaschinen nicht verzichtet werden kann. Im Start/Stopp-Betrieb können außerdem leichte Oberflächen-Beeinträchtigungen durch Walzenschlupf beim Anfahren entstehen, sodass nichtangetriebene Richtgeräte für die sog. „Sichtmaterialien“ nur bedingt einsetzbar sind.
Dennoch gibt es eine Vielzahl von Anwendungen, bei denen eine Richthilfe ausreicht. Allein überall da, wo aufgrund geringer Materialdicken oder kurzer Vorschublängen nur wenig Richtleistung abgerufen wird. Elektronikbauteile oder einfache Beschläge und viele Arten kleinerer Stahl-Einbauteile sind passende Produktionsbeispiele dazu.
Hier wird dann das Richtgerät einfach auf den verlängerten Anbauwinkel des Zangen- oder Walzenvorschubes gesetzt, der – wegen der Bremswirkung durch das Richten immer etwas stärker ausgelegt – das Material durchzieht und gleichzeitig auf Länge taktet.
„Wenn der Kunde mit einer C-Gestell-Presse für 150.000 Euro eine Bandzuführline benötigt, fällt es ihm oft schwer, dafür nochmals in ähnliche Preisregionen vorzudringen“, erklärt Heiko Dreier, der im Bereich des Pressenzubehörs bei den Sheet Metal Fans von GSW Schwabe schon fast zwei Jahrzehnte Erfahrung hat. „Mit einer Bandzuführung, bei der wir die nichtangetriebenen Richtapparate einsetzen, bleiben wir trotz Servo-Vorschubtechnik und aktueller Sicherheit mit Schutzzaun et cetera meistens deutlich im 5-stelligen Bereich. Durch Haspeltechnik mit geregelter Schlaufenführung können wir mit diesen Anlagen auch sehr dynamisch fahren und bleiben dennoch äußerst kompakt, denn in der Regel sind solche Anlagen nur um 4 m kurz. Gleichzeitig sind 100 oder 150 Hübe aber kein Thema!“
In einem Fall hat GSW Schwabe nun die Möglichkeiten der einfachen Richtgeräte stark ausgedehnt. Wie so oft im Leben gab praktische Erfahrung den Anstoß: „Wir haben einem guten Kunden im Bergischen für eine neue Linie mit Doppelhaspel und Bandbreiten bis 400 mm geholfen im bewilligten Budget zu bleiben. Da er nicht ganz so komplexe Stanzteile aus normalen Stählen im Portfolio hat, empfahlen wir dafür anstelle einer Langbauform mit angetriebener Richtmaschine im Abzug die kompakte Bauweise mit Richthilfe und Durchzug mit einem starken Walzenvorschub – ein System, das je nach Ausführung der Richtmaschine mehrere Zehntausend Euro günstiger als die klassische Langbauform ist“, wie Dreier berichtet. Die freigegebenen Querschnitte betrugen 400 x 1,5 mm oder 150 x 2,5 mm.
Die 2-t-Doppelhaspel verfügt über hydraulische Spreizung und pneumatisch betätigte Entriegelung; sie wickelt Coils von oben oder unten ab. Der Walzenvorschub taktet schnell und genau und kann automatisch höhenverstellt werden; zusätzlich ist eine Kontaktbefettung integriert. Eine Siemens-Steuerung mit Touch-Visualisierung sorgt für standesgemäßen Bedienkomfort.
Zwischenlüften als Kniff zum Erfolg
Dreier führt aus: „Die Anlage an sich funktionierte klasse; die Zusammenarbeit mit dem Pressenhersteller und die Kommunikation der Steuerungen gestaltete sich wie erwartet reibungslos. Dennoch wurde nach einiger Zeit der Produktion klar, dass wir den Kunden technisch nicht zufriedenstellen konnten; schuld daran war das Zwischenlüften.“ Zwischenlüften wird im Folgeverbund-Stanzprozess benötigt, um den sogenannten Sucherstiften zu ermöglichen, das Band vor dem nächsten Hub wieder zu fangen und neu zu zentrieren. Dafür hebt das Vorschubgerät kurz an, sodass das Band zugfrei wird. In Verbindung mit einer vorgelagerten Richthilfe wird hierbei der Zug allerdings nur abgeschwächt, da ein Anheben des Oberteils nicht möglich ist. Die Profis von GSW haben mit dem Kunden hier nun eine „Grenzerfahrung“ gemacht und herausgefunden, dass bei Querschnitten jenseits von etwa 150 x 1,25 mm die Hemmung im Richtwerk so groß war, dass trotz gelüfteter Vorschubwalzen die Sucherstifte nicht mehr richtig zentrieren konnten.
„Wer sich „Fan fürs Blech“ nennt, diskutiert hier nicht“, erinnert sich Dreier. „Wir haben dem Kunden Abhilfe versprochen und kurzerhand eine neue Maschine entwickelt.“ Und „Maschine“ darf dieses neue Richtgerät durchaus genannt werden, denn es verfügt über gleiche Technik, wie eine Richtmaschine von GSW: Die fünf Richtwalzen sind gehärtet und geschliffen, die Lagerung erfolgt mit hochwertigen Nadellagern, die Walzenverstellung geschieht parallel und ihre Führung ist im hundertstel-Bereich genau.
Stand: 08.12.2025
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Stephan Weißbeck, verantwortlicher Konstrukteur bei GSW, erklärt den Mehrwert dieses Richtapparates: „Wir haben jetzt eine Maschine gebaut, die aktiv zwischenlüften kann. Dafür hängen wir den kompletten oberen Maschinenteil in einem Gelenk auf und heben ihn parallel von links und rechts über eine spezielle Druckfedertechnik an. Die Pneumatikzylinder oben dienen als Gegenkraft zum „Geschlossenhalten“ des Kopfes. Wir haben diesen Weg gewählt, damit wir mit der schnellen Hubfolge des Walzenvorschubes Schritt halten können.“ Der kostenlose Umbau erfolgte im einfachen Austausch – also ohne weiter notwendige Umbauten. Jetzt können alle Querschnitte plangerichtet und mit Zwischenlüften verarbeitet werden. Es musste noch nicht einmal die Pneumatik aufgestockt werden, da man sich einfach in den Kreislauf des Walzenvorschubs integrieren konnte.
Heiko Dreier freut sich: „Das Richtwerk kostet kaum mehr als die herkömmliche Variante und bietet durch das Zwischenlüften dennoch eine vollwertige Lösung für kompakte Bandzuführanlagen. Wir sind schon gespannt auf die Rückmeldung von unseren Kunden“!
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