Blechbearbeitung

Aluminium statt Stahl – umformen ohne Einschränkungen

Seite: 3/4

Firmen zum Thema

Zur Anwendung kam eine 12.000 kN AP&T-Presse. Die Pressenlinie war so konstruiert, dass die Aufheizung der Zuschnitte in einem Siebenzonen-Ofen erfolgte und mittels eines Robotersystems der Transport und die Positionierung der heißen Rohteile in der Presse vorgenommen werden konnte. Versuche fanden mit zwei verschiedenen Aluminiumlegierungen statt. AA6082 war repräsentativ für die Automobilindustrie und AA7075 für die Luftfahrt. Die 925 x 270 mm Rohteile hatten eine Materialdicke von 1,5 mm beziehungsweise 1,6 mm. Unter Produktionsbedingungen sollte die Blechdicke des Rohteiles streng für die HFQ-Umformung kontrolliert werden, damit eine möglichst große Blechfläche in gutem Kontakt mit dem Werkzeug während des Abschreckens steht.

Mit beiden Legierungen wurden Tests sowohl unter den Bedingungen der Kaltumformung als auch unter HFQ-Bedingungen durchgeführt. Die Kaltumformung hochfester Aluminium- Legierungen (hier AA7075) führt zum Versagen bei der Teilefertigung des komplexen Profils mit sichtbaren Rissen an verschiedenen Stellen des Bauteiles. Im Gegensatz dazu kann mittels HFQ das gleiche Teil aus Aluminium erfolgreich umgeformt werden. Im wiederholten HFQ-Prozess mit Rohteilen aus AA6082 und AA7075 wurden gleich gute Ergebnisse erzielt. Unter Nutzung dieser Erfahrungen, laufen weitere Versuche bei den Locolite-Partnern AP&T, PAB Coventry (UK), der Universität Strathelyde (UK) mit Unterstützung weiterer Partner, um das Verfahren für eine breitere industrielle Anwendung zu entwickeln. Besonderes Augenmerk wird dabei auf eine speziell angepasste Einheit zum definierten Aufheizen der Rohteile gelegt.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 9 Bildern

Entwicklung einer speziellen Simulations-Software

Der Projektpartner ESI integriert HFQ-spezifische Features in die vorhandene Pam-Stamp-Umgebung. Basierend auf der im Imperial College entwickelten neuen Materialmodelle kann der Nutzer dieser Software den komplexeren thermo-mechanischen HFQ-Umformvorgang simulieren. Der griechische Partner Anter automatisiert den Konstruktionsprozess in einem frühen Stadium des Entwicklungsprozesses mit dem Ziel, dass der Konstrukteur basierend auf einem FEM-Feedback (Pam-Stamp) ohne detaillierte Kenntnisse des HFQ-Umformprozesses den teilespezifischen Fertigungsprozess gestalten kann. Dieses weitgehend automatisierte System soll außerdem als Schulungsgrundlage für die Anwendung des HFQ- Prozesses in einer neuen industriellen Umgebung dienen.

Bauteilentwurf und industrielle Anwendungen

Von den Projektpartner CRF (Italien), Lotus (UK) und Hellenic Aerospace Industry (Griechenland) werden Bauteile identifiziert, die gegenwärtig schwierig und nur mit hohem Aufwand herstellbar sind und durch Anwendung der HFQ-Technologie zu Gewichts- und Kosteneinsparungen führen können. Möglichkeiten der Verfahrenssubstitution (Zerspanen durch HFQ) werden geprüft und es ist vorgesehen, dass in obigen Firmen eine HFQ-angepasste Konstruktionsmethodik erprobt wird. Der Projektpartners MAR (Frankreich) bringt seine Erfahrungen bezüglich der Auswahl geeigneter Aluminiumlegierungen bauteilbezogen ein. ITL (UK) und DIAG Group (Italien) unterstützen das Projektkonsortium bei Messe- und Tagungsaktivitäten, um HFQ breiter bekannt zu machen.

(ID:43490761)