Biegetechnik

Automatisiertes Biegezentrum für kleine und komplizierte Biegeteile

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Seine Finessen gibt das Mini-Bend-Center jedoch erst auf den zweiten Blick preis. So haben die RAS-Entwickler nicht nur die großen Stückzahlen vor Augen, sondern zielen auch auf mittlere und kleine Stückzahlen und Losgrößen ab. Dies kann jedoch nur funktionieren, wenn hinter der Maschine ein leistungsfähiges Programmiersystem steckt, mit dem auch komplexe Biegeteile in weniger als 30 min programmierbar sind. Hintergrund für diesen optimistischen Ansatz ist ein eigens entwickeltes und auf einer 3D-Plattform basierendes CAM-System (Bild 1). Damit ermittelt der Programmierer aus dem 3D-Modell die Abwicklung des Blechteils.

Er bestimmt die Ablegeposition auf einer Werkstückträgerpalette, legt die Referenz und Messpunkte am Teil fest und generiert den Biegeablauf. Auf dem Programmiersystem erscheint 3D simuliert die Biege-Abfolge – Schritt für Schritt. Ist das Biegeprogramm am Rechner erzeugt, hat das Mini-Bend-Center alle Informationen, um daraus den maschinenspezifischen Ablauf zu generieren. Und schon kann es losgehen. Der Maschinenbediener bereitet die Werkstück-Trägerpalette vor. Das Programm gibt ihm an, auf welchen Positionen im Koordinatenraster des Werkstück-Trägerpalette er die Zentrierstifte einstecken soll. Ist diese Arbeit getan, legt er die Laserzuschnitte ein (Bild 2). Dies erfolgt sinnvollerweise direkt an der Lasermaschine, so dass bereits die Trägerpalette als Baustein im Logistikprozess Blechteilefertigung zu sehen ist.

Palettenzuführung manuell oder über Palettenbahnhof

Die Palette kann manuell oder in Ausbaustufen auch über einen Palettenbahnhof der Maschine zugeführt werden. Der Verschiebetisch in der Aufnahmestation zentriert die Palette automatisch, so dass auf ein besonders akkurates Zuführen verzichtet werden kann. Ein Saugersystem greift sich die oberste Platine und bringt sie zum Übergabetisch, wo ein Manipulator den Zuschnitt übernimmt.

Im ersten Schritt führt der Manipulator das Blech an einer optischen Messstation vorbei. Hier verwendet das Mini-Bend-Center die vom RAS-Biegezentrum bekannte Technik des optischen Vermessens der Platine (Bild 3). Nachdem drei Punkte der Platine vermessen sind, kennt das System die exakte Aufnahmeposition der Platine und korrigiert auf dem Weg zur ersten Biegestation alle Abweichungen zur theoretischen Greifposition des Manipulators. Mit dem Manipulator setzt RAS ein weiteres bewährtes Element der Biegezentren ein.

Anders als bei anderen automatisierten Systemen hält der Manipulator den Zuschnitt nicht durch Sauger – die bei Kleinteilen schnell an ihre Grenzen stoßen – und auch nicht mit Greiferzangen von außen – die ein häufiges Umgreifen und damit verbunden einen Verlust an Produktivität und Genauigkeit mit sich bringen. RAS setzt vielmehr auf einen Manipulator, der den Zuschnitt mittels eines oberen und unteren Spannfußes im Teil spannt. Ein Umgreifen kommt nur in seltenen Fällen vor. Der Manipulator muss auch keine Schwenkbewegung ausführen, da der horizontal gegriffene Blechschenkel beim Biegeablauf immer in der Horizontalen bleibt.

Blech wird ohne Auflagetisch durch die Maschine bewegt

Auf das Biegeresultat bezogen heißt das: hohe Präzision, schnelle Biegeabläufe und kurze Zykluszeiten. Sollte das Umgreifen doch einmal notwendig werden, kann der Manipulator seinen oberen und unteren Spannfuß unabhängig voneinander drehen und somit zeitsparend im Biegeteil stehen bleiben. Anders als bei Biegezentren für Großteile wird das Blech ohne Auflagetisch durch die Maschine bewegt. Damit hat der Manipulator alle Freiheitsgrade.

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