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In Bild 5 sind die Leistungskurven von Walzenvorschüben führender Hersteller und die des kontaktfreien Vorschubes abgebildet. Die Leistungskurven gelten für ein Bandgewicht von 3 kg und einen Vorschubwinkel von 180° ohne Zwischenlüftung.
Metallband erreicht mit neuem Vorschub doppelte Geschwindigkeit
Es ist erkennbar, dass der kontaktfreie Vorschub mit der hohen Vorschubkraft von 800 N deutlich höhere Hubzahlen erreicht als die Walzenvorschübe. Das Metallband wird mit mehr als 266 m/s² beschleunigt und erreicht die doppelte Geschwindigkeit der schnellsten Walzenvorschübe.
Das Metallband wird dabei weder wesentlich erwärmt noch dauerhaft magnetisiert. Die Technik ermöglicht aber auch, das Metallband schnell induktiv zu erwärmen.
Alle elektrisch leitfähigen Metallbänder mit einer Dicke von 0,3 mm bis 3 mm werden gefördert. Die Vorschublänge ist nicht begrenzt.
Wartungsintervalle und Energiekosten deutlich reduziert
Es werden beschichtete, lackierte, texturierte und empfindliche Metallbänder schonend, schnell und hochgenau im Werkzeug positioniert. Der geringere Platzbedarf des kontaktfreien Vorschubes ermöglicht diesen unmittelbar im Arbeitsraum der Presse zu platzieren. Folge ist eine verbesserte Positionierung des Metallbandes im Werkzeug durch die kürzere freie Metallbandlänge.
Die Klemmung erfolgt mit dem Regelverfahren der Wanderwelle, das die Ruhelage des Metallbandes einstellt. Das Lüften erfolgt elektrisch durch ein einfaches Abschalten der Wanderwelle in wenigen Millisekunden. Entsprechend entfallen die bei Walzen- und Zangenvorschüben erforderlichen hydraulischen oder pneumatischen Hilfsantriebe.
Kontaktfreier Vorschub kommt ohne bewegliche Teile aus
Außer dem Metallband sind im kontaktfreien Vorschub keine beweglichen Teile vorhanden. Mit geringem Energieaufwand und erheblich geringerem Verschleiß werden Metallbänder in die Presse gefördert (Bild 6), wodurch Stillstandszeiten, Wartungsintervalle und Energiekosten deutlich reduziert werden.
Die besonderen Eigenschaften von Flexfeed mit der doppelten Geschwindigkeit und Schonung des zu transportierenden Materials zusammen mit dem geringeren Cost of Ownership im Vergleich zu heute gebräuchlichen Vorschüben lassen insbesondere im Hochleistungsbereich die teilweise Verdrängung dieser herkömmlichen Techniken erwarten.
Felderprobung für kontaktfreien Vorschub startet bald
Der erste Prototyp bewies die praktische Umsetzbarkeit des Produktes. Ein weiterentwickelter, zweiter Prototyp befindet sich in der internen Erprobung. Anschließend erfolgt im Sommer 2011 die Felderprobung bei drei Industriepartnern, die hohes Interesse an dieser neuen Technologie erklärt haben.
Die Auslieferung der ersten Exemplare des kontaktfreien Vorschubs ist für Ende 2011 geplant. Basierend auf den Ergebnissen der Felderprobung und der Begleitung der ersten Exemplare im Einsatz erfolgt im Anschluss der Aufbau einer Produktfamilie zur Abdeckung der Marktsegmente mit geringeren und höchsten Leistungsansprüchen sowie für unterschiedliche Materialbreiten.
* Dipl.-Ing. Olaf Marthiens ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Umformtechnik und Umformmaschinen der Leibniz-Universität Hannover
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