Betriebssicherheit Betriebsanleitungen: Der unterschätzte Schlüssel zu mehr Sicherheit und Effizienz

Ein Gastbeitrag von Barbara Knuth 4 min Lesedauer

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Betriebsanleitungen klingen langweilig – sind aber unverzichtbar für Sicherheit, Effizienz und Langlebigkeit von Mensch und Maschine.

Betriebsanleitungen können Leben retten.(Bild:  Knuth)
Betriebsanleitungen können Leben retten.
(Bild: Knuth)

Mal ehrlich, wer liest gern Betriebsanleitungen? Für die meisten sind sie wohl eher ein notwendiges Übel. Doch gerade im technischen Umfeld und insbesondere bei komplexen Maschinen mit hohem Verletzungspotenzial, wie Pressen, Drehmaschinen, Fräsmaschinen oder Sägen sind Betriebsanleitungen weit mehr als das: Sie sind eine unverzichtbare Ressource für Sicherheit, Effizienz und Langlebigkeit. Wir werfen einen genaueren Blick auf die unterschätzten Dokumente.

Gefahren verstehen und vermeiden

Betriebsanleitungen enthalten Warnhinweise, die nach dem SAFE-Prinzip aufgebaut sind. So wird klar signalisiert, welche Risiken bestehen und wie man sich davor schützen kann. Warnhinweise sind nicht nur in den Anleitungen selbst zu finden, sondern oft auch als Aufkleber direkt an der Maschine angebracht. Die Unterscheidung zwischen den Gefahrenstufen – Achtung, Warnung und Gefahr – erleichtert es den Nutzern, die Schwere einer Situation schnell einzuschätzen:

① Signalwort (Gefahrenwarnstufe)

② Art der Gefahr

③ Folgen der Gefahr

④ Entkommen aus der Gefahrensituation

⑤ Das Gefahrensymbol verbildlicht die Art der Gefahr

Beispiel:

⑤ Das Gefahrensymbol verbildlicht die Art der Gefahr.(Bild:  Knuth)
⑤ Das Gefahrensymbol verbildlicht die Art der Gefahr.
(Bild: Knuth)

① Warnung

② Gefahr durch schwebende Lasten

③ Herabfallende schwebende Lasten können schwere bis tödliche Verletzungen verursachen.

④ • Halten Sie sich niemals direkt unterhalb von schwebenden Lasten auf. • Tragen Sie immer ihre persönliche Schutzausrüstung. • Halten Sie ausreichend Sicherheitsabstand zu schwebenden Lasten.

Effizienz und Langlebigkeit steigern

Eine Betriebsanleitung beginnt oft mit Hinweisen zur Inbetriebnahme: Wie wird die Maschine korrekt aufgestellt, welche Parameter müssen eingegeben werden, und welche Sicherheitschecks sind Pflicht? Viele Maschinen erfordern eine spezielle Vorbereitung wie die Überprüfung auf Transportschäden oder die Verankerung auf einem stabilen Fundament. „Das beginnt mit scheinbaren Kleinigkeiten wie dem richtigen Einsatz von Maschinenfüßen, um Maschinen wie die Drehmaschine Basic 170 Super wirklich gerade auszurichten. Einige Maschinen reagieren schon bei kleinsten Abweichungen mit Qualitätseinbußen“, gibt Oliver Bewersdorff, technischer Leiter bei Knuth ein einfaches Beispiel. Die entsprechenden Hinweise sind nicht nur für die Effizienz, sondern auch für die Langlebigkeit der Maschinen entscheidend.

Regelmäßige Pflege und Wartung

Für den täglichen Betrieb gibt es Anleitungen für sichere Start- und Stoppvorgänge, die richtige Bedienung und die Kontrolle wichtiger Funktionen. Doch selbst bei der besten Maschine stellen sich nach und nach Abnutzungserscheinungen ein, die zulasten der Qualität und im schlimmsten Fall zu Sicherheitsmängeln führen können. „Wer die Wartungsintervalle seiner Maschine einhält, hat länger Freude daran, fördert die gleichbleibende Performance der Maschine und verhindert größere Schäden. Das spart am Ende Geld“, empfiehlt Bewersdorff.

Gleiches gilt für eine regelmäßige Pflege. In einer guten Betriebsanleitung ist jede Aufgabe detailliert beschrieben. Ob es um den Wechsel von Schmiermitteln, die Kalibrierung von Messinstrumenten oder die Überprüfung von Sicherheitsfunktionen geht.

Effizienz durch klare Struktur

Oft sind Explosionszeichnungen und Schaltpläne Bestandteil von Betriebsanleitungen. Anhand der übersichtlichen Darstellungen können selbst komplexe Baugruppen leicht nachvollzogen werden. Das erleichtert Reparaturen und die Bestellung von Ersatzteilen. „Hilfreich sind auch Anleitungen zu selbstständigen Fehlerbehebung“, weiß Bewersdorff „unsere Kunden sind dankbar, wenn sie im Fall der Fälle kleinere Probleme selbstständig zu lösen. Dies spart Zeit und Servicekosten.“

In den meisten Fällen werden Bedienungsanleitungen von geschultem Fachpersonal gelesen. Doch auch Auszubildende sollen die wichtigen Informationen verstehen und im besten Fall noch etwas dazulernen. „Unsere CNC-Maschinen für die Ausbildung, wie die Lab Turn 2028 CNC oder die Lab Center 260 CNC liefern wir mit einer ausführlichen Programmieranleitung von Siemens aus, die weit über die Informationen einer herkömmlichen Betriebsanleitung hinausgeht und auch den Lernaspekt berücksichtigt“, erklärt Bewersdorff.

Bestimmungsgemäße Verwendung und technische Grenzen

Ganz klar ist, jede Maschine wird für einen bestimmten Zweck konstruiert und hat damit physikalische und technische Grenzen. Diese sind in der Betriebsanleitung definiert, beispielsweise mit Angaben zur maximalen Belastbarkeit, empfohlenen Betriebsumgebungen und Sicherheitsrichtlinien. Nur wenn diese Vorgaben eingehalten werden, kann die Sicherheit des Bedieners gewährleistet und Schäden an der Maschine vermieden werden. Einige Gefährdungspotentiale liegen jedoch im Maschinenzweck selbst begründet. Bewersdorff gibt ein Beispiel: „Funkenerosionsmaschinen wie die Neospark T 500 arbeiten mit hohen Stromstärken und speziellen Flüssigkeiten, die besondere Vorsichtsmaßnahmen erfordern. Das gilt z. B. für Mitarbeiter mit Herzschrittmachern.“ Über diese Gefährdungspotentiale informiert die Betriebsanleitung und gibt gleichzeitig Hinweise zum sicheren Umgang.

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Die Rolle von Prüfprotokollen und Dokumentation

Betriebsanleitungen bieten darüber hinaus ein hohes Servicepotential. Hersteller und Verkäufer können mit zusätzlichen Dokumenten Punkte sammeln. Praxistaugliche Prüfprotokolle oder Checklisten machen es den Anwendern leicht, Wartungsarbeiten strukturiert durchzuführen und deren Ergebnisse festzuhalten, um insbesondere in industriellen Umgebungen die Einhaltung von Sicherheitsstandards nachzuweisen.

Der Service-Gedanke gilt bei Knuth nicht nur für neue Maschinen. „Sehr oft rufen uns Menschen, die eine ganz alte Knuth-Maschine, z.B. Baujahr 90er-Jahre, erworben oder geerbt haben, an und fragen nach der entsprechenden Betriebsanleitung“, berichtet Bewersdorff Mit einem gut gepflegten Archiv ist das kein Problem und oftmals folgt ein zweiter Anruf, um sich herzlich zu bedanken.

Lesen lohnt sich

Betriebsanleitungen sind also ein wertvolles Werkzeug. Sie sind der Schlüssel zu einer sicheren, effizienten und nachhaltigen Nutzung von Maschinen. Sich die Zeit zu nehmen Betriebsanleitungen zu lesen, ist ein Invest in Sicherheit für Mensch und Maschine.

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