Was Insolvenzen angeht, sind der Anlagenbau und die Metallwarenhersteller 2022 ganz gut davongekommen – nicht so der Maschinenbau. Ein Überblick über die Zahlen und Hintergründe.
Wir geben einen Überblick über die Insolvenzen des Jahres 2022.
(Bild: Birgit Reitz-Hofmann - stock.adobe.com)
Insgesamt 53 Großunternehmen aus den Branchen Maschinenbau, Anlagenbau und Metallwaren mussten 2022 einen Insolvenzantrag stellen. Das zeigt eine exklusive Auswertung der Restrukturierungsberatung Falkensteg für MM Maschinenmarkt. Im Vergleich zum Vorjahr (2021: 54) ist das sogar ein minimaler Rückgang. Für die Maschinenbauer ist das jedoch nur auf den ersten Blick eine gute Nachricht.
Sieht man sich die verschiedenen Bereiche getrennt an, zeigt sich ein anderes Bild: Während die Anträge sowohl im Anlagenbau als auch bei den Metallwarenherstellern zurückgingen, nahmen die Insolvenzen bei den Großunternehmen im Maschinenbau um mehr als 50 Prozent zu. Damit sind sie nicht nur stärker betroffen als Anlagenbauer und Metallwarenhersteller, sie schneiden auch deutlich schlechter ab als der deutsche Branchendurchschnitt insgesamt. Hier sind die Insolvenzen 2022 um immerhin 33,1 Prozent gestiegen.
Betrachtet man die Insolvenzen über alle Unternehmensgrößen hinweg, zeigt sich schon ein weitaus weniger starker Anstieg. Hier gab es 2022 lediglich vier Insolvenzen mehr als im Vorjahr (2022: 252; 2021: 248) – eine Zunahme von gerade einmal 1,6 Prozent. Sowohl die Anlagenbauer (- 38,7 %) als auch die Metallwarenhersteller (-16,6 %) dürfen sich auch hier über einen Rückgang der Insolvenzen im Vergleich zum Vorjahr freuen.
Ausblick: Diese Herausforderungen erwarten uns 2023
„Die Chipkrise, die Lieferkettenabrisse durch die chinesische Null-Covid-Politik und die explodierenden Energiepreise waren laut der Krisenunternehmen die Hauptursache der wirtschaftlichen Schieflagen im vergangenen Jahr“, sagt Falkensteg-Partner Sebastian Wilde. Der Experte warnt: „In diesem Jahr werden neue Krisen für weiteren Druck sorgen: Insbesondere Facharbeitermangel, weitere Kostensteigerungen und die deutlich erschwerten Finanzierungsbedingungen. Die derzeitige Konsumzurückhaltung dürfte sich frühestens in einem Jahr im Maschinenbau niederschlagen.“
Wer trotz operativ stabiler Zahlen nah an der Liquiditätskante wirtschaftet, wird es laut Wilde 2023 kaum schaffen. Dafür nennt er die folgenden Gründe:
Laut VDMA wird die Produktion in diesem Jahr um zwei Prozent zurückgehen.
Eine Erholung der Beschaffungspreise auch Vorkrisenniveau ist nicht in Sicht.
Die steigenden Kosten müssen erst einmal vorfinanziert werden.
Dabei ist das Thema Finanzierung nochmal eine Herausforderung ganz eigene Herausforderung. Denn zum einen steigen durch die Erhöhung des Leitzins auch die Kosten für die Finanzierung. Zum anderen werden Banken und Kreditversicherer Wilde zufolge wieder restriktiver bei der Kreditvergabe. „Es gibt zwar keine Vollbremsung, aber Risiken werden wieder strenger bewertet und auch eingepreist, schon weil gesamtwirtschaftlich gesehen die Unternehmen auf ein schlechteres Ergebnis zulaufen“, so der Experte.
Staatliche Hilfen und KfW-Kredite werden zum Bumerang
Die Unternehmensberatung Falkensteg warnt zudem davor, dass wohlgemeinte staatliche Hilfen aus Pandemiezeiten die Unternehmen nun wieder einholen können. Denn: Bis Mitte dieses Jahres müssen die Unternehmen die Schlussabrechnungen für die gewährten Überbrückungshilfen einreichen. Gleiches gilt für das bewilligte Kurzarbeitergeld. „Allein in den vergangenen zwei Jahren hat die Bundesagentur für Arbeit rund eine Mrd. Euro für Kurzarbeitergeldzahlungen ausgegeben“, sagt Wilde. „Inzwischen überprüfen die Arbeitsämter die Zahlungen. Wer zu viel erhalten hat, muss Gelder zurücküberweisen.“ Für die Unternehmen sei das ein hohes Risiko, denn die Rückzahlungen müssen aus dem laufenden Geschäft generiert werden.
Haben Unternehmen in der Pandemie auf die günstigen KfW-Kredite zurückgegriffen, werden in diesem Jahr darüberhinaus die ersten Zahlungen für Zins und Tilgung beginnen. Rund 140.000 Unternehmen will die Förderbank von März 2020 bis Ende 2021 unterstützt haben, darunter vorwiegend kleine und mittelständische Betriebe.
Kosten an die Kunden weitergeben
„Die Überlebensfähigkeit hängt natürlich auch von der Marktmacht des Unternehmens ab“, so Wilde. „Wer die gestiegenen Kosten nicht an die Kunden weitergeben kann, wird es schwer haben.“ Das träfe vor allem Hersteller von Standardprodukten oder Produkten, die im Ausland günstiger einzukaufen sind. „In der Automobilindustrie laufen derzeit viele Preisanpassungsgespräche“, stellt der Experte fest. „Allerdings ziehen sich diese teilweise über mehrere Monate. Diese lange Zeitspanne für die Preisanpassungen kann dazu führen, dass Zulieferer in die Insolvenzantragspflicht rutschen.“
Stand: 08.12.2025
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Mit einer Insolvenzwelle rechnet der Falkensteg-Partner jedoch nicht. Die Prognose: „Es handelt sich mehr um eine Trendwende und es wird ein langsamer Anstieg sein.“