We-Ma Drehen, fräsen, schneiden, biegen und erfinden

Redakteur: Jürgen Schreier

Arbeiten, wo andere Urlaub machen: Mit diesem Slogan wurden von Reiseveranstaltern früher Animateure „geködert“. Arbeiten, wo man normalerweise wohnt, würde ganz gut zur We-Ma Werkzeug- und Maschinenbau GmbH passen. Denn auf dem parkähnlichen Gelände am Rande eines Wohngebiets im beschaulichen Handorf würde man nie und nimmer einen Fertigungsbetrieb dieser Größenordnung vermuten.

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Im früheren Eigenheim des Firmenchefs hat die Verwaltung Platz gefunden, während der Boss heute in einem weitläufigen Anwesen jenseits der Straße residiert. Umsäumt von Blumenrabatten und reichlich Grün schmiegen sich mehrere Pavillons und vertäfelte Hallen in das leicht hügelige Gelände.

Auch wenn man es nicht glauben mag: Darin wird tatsächlich produziert – und keineswegs nur Werkzeuge oder Maschinenbauprodukte, wie der Firmenname suggeriert, sondern auch Gartenmöbel für eine deutsche Spitzenmarke. Die Teakholzkomponenten bekomme man zugeliefert, erläutert Firmenchef Wolfgang Schmidt, und man komplettiere sie dann mit Metallteilen aus eigener Fertigung zu dem edlen Gestühl für zahlungskräftige Gartenfreunde.

Dass Wolfgang Schmidt, gelernter Maschinenbaumeister und vor fast 40 Jahren aus Hessen zugewandert, zwischenzeitlich auch eine eigene Möbelserie aufgelegt und als begeisterter Hobbykoch ein Backofen-Gebläse entwickelt hat, das das leidige Problem löst, dass beim Öffnen des Backofens zunächst einmal die Brille beschlägt, verwundert nicht, wenn man weiß, dass der passionierte Erfinder gut 30 Patente sein Eigen nennt.

Auch eine Profi-Kehrmaschine namens „Flotter Feger“, die zusamengeklappt und an die Wand gehängt werden kann, hat Schmidt entwickelt – außerdem ein vollautomatisches System, das Formel-1-Rennwagen während des Boxenstopps in wenigen Sekunden betankt und parallel dazu die Räder wechselt. Sogar als Innovator in Sachen Brotbacken hat sich der findige Unternehmer versucht. Und so würden Lufthansa-Passagiere heute in den würzigen Doppel-Knust aus Handorf beißen, hätte es beim Catering der Airline nicht einen der „berühmten“ Bedenkenträger gegeben.

Alle gängigen Bearbietungsverfahren aus einer Hand

Folglich bleibt – wie in den letzten 37 Jahren – Metall der Stoff, aus dem die Schmidt‘schen Träume und die seiner Auftraggeber sind. Vom Maschinen- und Werkzeugbau über die Feinblechtechnik nebst Stanzen, Schlossern, CNC-Bearbeiten und Schweißen bis hin zur Komponentenfertigung reichen – sieht man von der Möbelproduktion einmal ab – die Kernkompetenzen von We-Ma. Mal sind es wenige Gramm leichte Winzlinge, mal mehrere Tonnen schwere „Kaventsmänner“ mit einigen Metern Durchmesser, die von Handorf aus ihre Reise zum Kunden antreten. Und diese kommen vorwiegend aus der Automobilindustrie, der Medizintechnik, aus dem allgemeinen Maschinenbau und der Möbelindustrie.

„50 bis 60% meiner Auftraggeber sind von Anfang an dabei, also seit 37 Jahren“, verkündet der Firmenchef stolz und stellt in diesem Zusammenhang ein paar wohlklingende Namen wie Jungheinrich, Bosch, Continental und Daimler in den Raum. So fertige man beispielsweise für das Stuttgarter Oldtimer-Center die Ersatzteile, erklärt Schmidt. Sogar edle Designartikel und Schmuck – vorwiegend rund ums Thema Automobil –, die unter der Marke Eison angeboten werden, sind aus dieser Produktliniebereits „abgefallen“.

Ein Maschinenpark vom Feinsten

Gefertigt wird mit einem Maschinenpark, der so manchen Wettbewerber vor Neid erblassen lassen dürfte. Denn in moderne Technik wurde und wird im Hause Schmidt stets kräftig investiert. So setzt man beim Zerspanen auf CNC-Maschinen von Gildemeister („beste Erfahrungen“) und Mori Seiki, wobei erst kürzlich ein weiteres Bearbeitungszentrum des japanischen Herstellers angeschafft wurde. Technik für die Blechbearbeitung trägt bei We-Ma vorwiegend den Namen Amada. Beim Erodieren kommt „Schweizerisches“ von Agie Charmilles zum Einsatz – und neuerdings ein chinesisches Fabrikat („sehr preisgünstig, probieren wir mal aus“). Auch manch selbst Konstruiertes „robotet“ in den We-Ma-Hallen – denn wozu ist man schließlich Erfinder! Eine Koordinatenmessmaschine und Beschriftungslaser zum Markieren runden den Maschinenpark ab, auf dem We-Ma-Produkte entstehen.

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