Edelstahlkolloquium

Edelstahl – der nicht alltägliche Werkstoff für die Umformtechnik

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Mit den Wechselwirkungen von Schmierstoffen mit Metalloberfläche unter besonderer Berücksichtigung von rostfreien Stählen entführte Dr. Joachim Schulz von Wisura Mineralölwerk in die Geheimnisse der Tribologie- und Schmierungstechnik. Dabei erfuhren die Teilnehmer unter anderem, welcher Schmierstoff bei welcher Kombination von Werkzeug- und Werkstückmaterial ein optimales Umformergebnis erzielen kann.

Spezifische Beizverfahren für Edelstahl

Chemie bestimmte auch den Vortrag von Siegfried Piesslinger-Schweiger zum Thema: „Neues Beizverfahren für Edelstahl – Polinox VA 100“. Er gab einen Einblick in die Entwicklung von spezifischen Beizverfahren für Edelstähle, der mit zahlreichen Praxisbeispielen gespickt war.

Die Ohren spitzten die Zuhörer ganz besonders für den Vortrag von Robert Vollmer, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter von Prof. Kolleck am T-&-F-Institut in Graz über seine Untersuchungen mit der Mikroumformung und das Mikrostanzen von nichtrostenden Edelstahlfolien berichtete. Dabei gab es auch was für die Augen – allerdings half dabei insbesondere das Rastermikroskop, mit dem man die kleinen Löcher von 0,33 bis 0,53 mm Durchmesser auf der 0,04 mm dicken Edelstahlfolie genauestens betrachten konnte.

Die Motivation für die Mikrostanztechnik liegt darin, dass Scherfolien für elektrische Rasierapparate künftig nicht mehr chemisch, sondern mechanisch bearbeitet werden könnten. Dies würde den Anwender vor möglichen Hautirritationen bewahren.

Automobilhersteller setzen ebenfalls auf Edelstahl

Weitere interessante Betrachtungen zum Thema Edelstahl in der Automobilindustrie stellte man beispielsweise bei der Daimler AG an. Ralf Rexhaj erläuterte die Anforderungen, die ein Automobilhersteller heute an sicherheitsrelevante Bauteile stellt beziehungsweise stellen muss. Geeignete Blechwerkstoffe müssen deshalb neben einer hohen Festigkeit gleichzeitig ein duktiles Verhalten im Crashfall aufweisen.

Ein Werkstoff, der dies erfüllt, sei der Blechwerkstoff 1.4310 C1000 von Thyssen-Krupp Nirosta. Im Rahmen umfangreicher Untersuchungen wurden in Umformsimulationen Serienbauteile auf ihre Flächenpressung hin analysiert. Aus diesen Erkenntnissen heraus wurden Streifenziehversuche geplant und durchgeführt und somit die beste Kombination aus Werkzeugbeschichtung und Schmierstoff unter Berücksichtigung unterschiedlicher Temperaturen ermittelt. Nach all den Untersuchungen konnte Daimler eine B-Säule der aktuellen E-Klasse fehlerfrei abpressen.

Rahmenprogramm rundet Edelstahlkolloquium ab

Die Themenliste ließe sich noch weiter fortsetzen. Der Beitrag soll aber nur einen Ausschnitt des ersten Edelstahlkolloquiums reflektieren und er zeigt, warum pötzlich 95 Teilnehmer statt der nur 45 erwarteten nach Rauenberg gekommen waren.

Die Teilnehmer kamen dabei auch bei einem gemütlichen Abend in einem Winzerhof sowie bei der Besichtigung der Schuler SMG im nahegelegenen Waghäusel voll auf ihre Kosten. Die Veranstaltung darf rundum als voller Erfolg für Kolleck, seine Mitarbeitern und die unterstützenden Unternehmen Schuler und Thyssen-Krupp Nirosta gewertet werden. Mit der Veranstaltung 2012 (23./24. Februar) soll die Informations- und Diskussionsreihe deshalb auch fortgesetzt werden.

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