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Richtmaschine

Gigant bringt auch dicke Bleche in die richtige Richtung

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Rot glühend durchlaufen die zu Platinen geschnittenen Titanbleche die starken Richtwalzen die das Blech sanft in die richtige Richtung biegen. „Durch die Erwärmung des Bleches nimmt man natürlich Einiges an Festigkeit heraus und so wird das Richten eigentlich zum Kinderspiel“, sagt Gröschel und ergänzt: „Wenn die richtige Temperatur eingestellt ist, passt auch das Ergebnis.“

Joystick zur Steuerung der Richtmaschine

In der Demonstration bei G+K konnte das 100 mm dicke Titanblech nur im kalten Zustand gezeigt werden. Dennoch war die Leichtigkeit des Richtens deutlich erkennbar. Dazu bewegte Gröschel den an der Steuerung angebrachten Joystick und konnte so die Zustellung der Walzen wie auch die Durchlaufgeschwindigkeit exakt regeln.

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Der G+K-Kunde ist ein russischer Titanhersteller, der aus den gerichteten Platinen weitere Halbzeuge herstellt, die dann beispielsweise im Flugzeugbau zum Einsatz kommen. Für die Weiterverarbeitung werden demnach Ausgangsmaterialien benötigt, die geometrisch einwandfrei sind, und dies erfordert im vorliegenden Fall einfach eine ausgezeichnete Ebenheit. „Die Platinen“, so Kunkel, „kommen, betrachtet auf eine Länge von etwa 7 m, mit zum Teil großen Beulen von etwa 200 bis 300 mm an. Man muss das Material schon fast wie eine Banane betrachten.“

Richtmaschine erreicht Geradeheit von 1 mm auf 1 m Länge

Auf der G+K-Richtmaschine wird die Titanplatine zur einer fast 100%-igen Ebenheit gerichtet. „Wenn wir uns anstrengen, dann erreichen wir eine Geradheit von 1 mm auf die Länge von 1 m“, sagt Gröschel. Basis für diesen Richterfolg sind die 7 Richtwalzen die jeweils separat und über ein Planetengetriebe angetrieben werden sowie die Anordnung der Walzen, die eine sehr kurze Walzenteilung haben. Von Walzenoberfläche zu Walzenoberfläche sind es nur 57 mm Abstand und das ist wohl mitentscheidend für die Ebenheit beziehungsweise Geradheit.

Gigantisch wie die ganze Richtanlage scheinen auch die Kräfte. Denn während eines Richtvorgangs entsteht innerhalb der Richtpresse, mit rund 6500 t eine enorme Kraft, die nur über 4 spezielle Zuganker aufgefangen werden kann. In diesem Zusammenhang wurden die Richtwalzen auch noch mit entsprechenden Stützrollen versehen die einige der vielen Tonnen auffangen und die Richtwalzen unterstützen.

Lager für die Richtmaschine selbst gebaut

„Die Lager bekommt man nicht von der Stange“, sagt Gröschel, „die haben wir mit entwicklungstechnischer Unterstützung der RWTH in Aachen dann auch selbst gebaut.“ Die Walzen die nach der mechanischen Bearbeitung auch noch gehärtet werden, werden von einem Spezialbetrieb nach Vorgaben von G+K gefertigt.

Seit Auftragseingang für diesen Giganten der Blechbearbeitung sind etwas über zwei Jahre vergangen und es waren doch einige Meetings nötig, um die Richtanlage kunden- und anforderungsgemäß zu entwickeln und zu bauen. Zum augenblicklichen Zeitpunkt dürfte sie die ersten rotglühenden Titanbleche mit 100 mm Dicke beim Anwender in die richtige Form bringen. In diesen 500-t-Koloss haben die G+K-Ingenieure und Mitarbeiter ihr ganzes Können hineingelegt und auch während der Entwicklung und dem Bau ihr Wissen um das Richten von Dickblechen permanent erweitert, das künftigen Riesenrichtanlagen zugutekommt.

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