Für Nancy Pieé ist klar: „Niemand von uns kann etwas für diese Situation und wir sitzen alle im selben Boot, das kentern kann, wenn nicht jeder auf sich selbst und die anderen aufpasst.“ Die Geschäftsführerin der Pieé CNC-Blechbearbeitung GmbH sieht darin eine Chance. „Wenn wir das auch weiterhin hinbekommen, wird uns das auch in der Zukunft helfen.“
Nancy Pieé ist gemeinsam mit ihrem Mann Geschäftsführerin der Pieé CNC-Blechbearbeitung GmbH und der Pieé Color Pulverbeschichtung GmbH.
(Bild: Pieé)
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Wir sind ein seit mehr als 90 Jahren in dritter Generation geführtes Familienunternehmen mit 25 Mitarbeitern im Bereich der Lohnfertigung von Blechteilen im Dünnblechbereich für Kunden aus verschiedenen Branchen in der Industrie und dem Handwerk. Dabei liegt unser Fokus bei der Fertigung von Mustern sowie kleinen und mittleren Serien.
Von der Konstruktion über das Lasern, Schweißen, Fräsen, Biegen und Pulverbeschichtung bieten wir eine große Palette an Fertigungsmöglichkeiten an. Das Unternehmen wurde 1929 vom Großvater meines Mannes als Dorfschmiede gegründet. Sein Vater übernahm 1964 und begann das Unternehmen als Zulieferer für Industrie und Handwerk zu etablieren. Mein Mann und ich führen das Unternehmen seit 1996. Im Jahr 2015 sind wir aus unseren damaligen zu engen Räumlichkeiten in eine größere Halle, die uns die Möglichkeit gegeben hat mit unserer Produktion zu wachsen, in den Nachbarort umgezogen. Hier konnten wir endlich den Betrieb so aufstellen wie wir uns das vorstellten. Beispielsweise kurze Wege wo, wir vorher auf drei Standorte verteilt waren. Platz an und um die Maschinen um Teile von einem Arbeitsgang zum nächsten zu bringen sowie einen ausreichend großen Büro- und Lagerbereich. Dies wirkte sich natürlich auf die Stimmung der Mitarbeiter, auf die Umsätze sowie die Rentabilität positiv aus.
Welche Probleme/Herausforderungen treten(/traten?) in Ihrem Unternehmen während der Covid-19-Krise auf?
Und dann kam Corona. Am Anfang im März 2020 als das ganze aktuell wurde waren wir alle sehr verunsichert. Wie sollte man sich verhalten? Was passiert wenn sich jemand ansteckt? Was können wir tun um uns, unsere Mitarbeiter und auch unsere Kunden und Lieferanten zu schützen. Wo bekommen wir Desinfektionsmittel her? Wer zahlt was, wenn ein Mitarbeiter in die Quarantäne muss? Wird dann sofort der gesamte Betrieb geschlossen? Wie sollte unser Hygienekonzept aussehen? Dürfen wir überhaupt weiter arbeiten? Und das alles nebenher, wo wir doch in den Monaten März und April 2020 mehr Arbeit hatten als je zuvor. Manche Kunden reagierten fast panisch und hatten wohl Angst, dass Lieferketten zusammenbrechen könnten und bestellten auf Vorrat, um sich Teile auf Lager legen zu können. Das schlug sich natürlich in den nächsten Monaten im Umsatz nieder, denn wenn die Lager voll sind, wurde dann bei uns weniger bestellt. Es fehlte einfach die Kontinuität. Es war ein ständiges Auf und Ab.
Nancy Pieé
„Zur Person“
Seit 1997 Geschäftsführerin der Pieé CNC-Blechbearbeitung GmbH und der Pieé Color Pulverbeschichtung GmbH
Bankfachwirtin IHK, Bankakademie Frankfurt
Wie wirken sich diese Probleme auf Ihre eigene Arbeit aus?
Ich bin im Betrieb für den Bereich Buchhaltung sowie Personalwesen und für die Administration rund um den Betrieb zuständig. Sozusagen, dass Mädchen für Alles. :-) Die Probleme der Corona-Krise für meinen Aufgabenbereich sehe ich vor allem darin, dass viele Dinge, die man heute recherchiert morgen schon nicht mehr stimmen. Ständig ändern sich Bedingungen, keiner weiß über irgendetwas Bescheid und man muss sich viel anlesen und im Internet nachschauen was man vielleicht am nächsten Tag schon wieder vergessen kann. Vorher hatte ich meine Ansprechpartner, ob das mein Bankberater, unser Steuerberater oder der Berater bei der Arbeitsagentur war, bei denen auf meine Fragen immer eine entsprechende Antwort bekam, auf die ich mich dann auch verlassen konnte. Mittlerweile ist die Aussage meistens eher: „Ich glaube zur Zeit ist die Lage so und so, aber das kann sich jederzeit ändern.“ Die Situation ist zur Zeit nicht greifbar und selbst die so genannten Experten in ihrem Fach wissen oft nicht weiter. Das finde ich schon zermürbend und anstrengend. Ich sitze eben mehr in meinem Büro um die Rechtslage im Internet zu recherchieren oder irgendwelche Anträge zu stellen deren Bearbeitung bei den Ämtern dann mehrere Monate braucht. Bei denen man auf Nachfrage keine, unzureichende oder sogar offensichtlich falsche Aussagen über Antragsbedingungen erhält. Ich habe eben oft den Eindruck, dass dort in den Amtsstuben das Chaos herrscht. Jetzt geht es uns zum Glück noch einigermaßen gut, wir haben ausreichend Arbeit und können damit unsere Rechnungen bezahlen und das Unternehmen am Laufen halten. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass einige Firmen und deren Inhaber in den schwer getroffenen Branchen wie zum Beispiel der Gastronomie, dem Einzelhandel oder dem Reisesektor große Existenzängste haben und nicht wissen wie das ganze weitergehen soll.
Werden wir wieder zu einem „Normalzustand“ wie vor der Krise zurückkehren oder werden sich Prozesse und Abläufe künftig dauerhaft ändern? Wenn ja, mit welchen Änderungen rechnen Sie?
Einen „Normalzustand“ wie vor der Pandemie, wird es meines Erachtens auf längere Zeit erst mal nicht geben denn bis genügend Personen geimpft sind – wenn sich denn genügend Personen impfen lassen – wird sicher noch einige Zeit verstreichen und man weiß ja auch noch nicht wie lange diese Immunisierung anhält. Aber es ist ein Lichtblick der hoffen lässt. Auch wenn es schwer fällt, glaube ich nicht, dass wir zum Beispiel auf das Maske tragen in naher Zukunft verzichten können. Was ich aber nicht als schlimm empfinde. Wir haben doch jetzt alle gemerkt, dass man nicht immer überall hinfahren oder auf Geschäftsreise fliegen muss um mit Geschäftspartner irgendwelche Dinge durchzusprechen, die man über Online-Meeting oder sonstiges schneller und meines Erachtens auch effektiver an seinem Schreibtisch, wenn möglich sogar von zu Hause aus erledigen kann. Das spart eigentlich auch Zeit und Energie und hilft sogar noch der Umwelt. Diese Pandemie hat den Prozess der Digitalisierung schon stark in den Fokus gerückt. Wer hätte denn letztes Jahr um diese Zeit gedacht, dass ich zum Beispiel mit meiner 75-jährigen Mutter ein Zoom-Meeting am Laptop mache, damit wir uns mal wieder sehen können. Das war für mich und auch für meine Mutter eine Premiere. Wir sind hier mittlerweile auch mit unseren Kunden dazu übergegangen, viele Dinge, die sonst bei einem Besuch geklärt worden wären, über diese Plattformen zu erörtern und das klappt ganz gut. Natürlich könnte der Ausbau des Netzes noch schneller voranschreiten, denn da hinken wir doch noch sehr hinterher. Im Bereich der Produktion hat sich hier bei uns eigentlich nicht unbedingt viel verändert. Wir können unsere Produktionsmitarbeiter ja nicht ins Home.Office schicken und sagen: „ Nimm mal du diese Woche den Laser zum Arbeiten mit nach Hause.“ Da würde ich dann eher eine Änderung im Bereich der Logistik sehen. Wir fertigen unsere Teile grundsätzlich ab Werk und arbeiten viel mit Kunden im Umkreis von 20 bis 30 km zusammen. Viele Kunden kommen im „Normalzustand“ zu uns, um ihre Teile abzuholen. Hier ist dann doch eher ein Trend zu sehen, wenn möglich Teile zu versenden. Viel eher denke ich an eine Beeinträchtigung der gesamten Wirtschaft durch die, wie ich glaube, unaufhaltsame Welle der Insolvenzen, die auf uns zurollen wird, und einen Normalzustand wohl eher auf längere Zeit verhindert.
Stand: 08.12.2025
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Welche Lerneffekte haben Sie aus der Krisensituation mitgenommen und fühlen Sie sich für die Zukunft gewappnet?
Wir sind ein kleines Unternehmen, in dem jeder jeden kennt und weiß, wer was tut. In der Krise haben wir noch mehr als zuvor gelernt, wie wichtig unser Team ist. Dass jeder bis zu einem gewissen Grad vom anderen abhängig ist und keiner allein alles schaffen kann. Als zum Beispiel eine Kollegin im Büro wochenlang ihre 6 jährige Tochter beaufsichtigen musste, weil der Kindergarten geschlossen war, war es für alle selbstverständlich, ihre Aufgaben mit zu übernehmen. Niemand von uns kann etwas für diese Situation und wir sitzen alle im selben Boot, das kentern kann, wenn nicht jeder auf sich selbst und die anderen aufpasst. Wenn wir das auch weiterhin hinbekommen, wird uns das auch in der Zukunft helfen.
Welchen Herausforderungen abseits von der Covid-19-Krise sehen Sie sich in Ihrem Arbeitsalltag derzeit ausgesetzt?
Die größte Herausforderung sehe ich bei uns zur Zeit trotz steigender Arbeitslosenzahlen geeignetes qualifiziertes Personal zu bekommen und dieses auch zu halten. Wir bilden seit Jahren junge Menschen als Feinwerkmechaniker, sowie als Metallbauer über das Handwerk aus. Wir schaffen es leider nicht jedes Jahr, junge Menschen für unseren Beruf zu begeistern, die dann auch noch schulisch geeignet sind und ins Team passen. Aber zur Zeit haben wir da mit unseren derzeitigen Auszubildenden keine Probleme. Trotzdem steht man dann doch oft in Konkurrenz mit großen Firmen mit großen Namen zu denen es die jungen Leute zieht. Hier werden wir uns verstärkt bemühen müssen die Ausbildung in unserem Unternehmen noch attraktiver zu machen.
Welchen Herausforderungen abseits von der Covid-19-Krise sehen Sie sich in Ihrem Arbeitsalltag derzeit ausgesetzt?
Meine Arbeit hat sich eher dahin geändert, dass ich weniger die alltäglichen Arbeiten wie das Bearbeiten von Kundenaufträgen und das Schreiben von Lieferscheinen erledige oder Telefonate mit Kunden führe. (Obwohl mir das schon manchmal fehlt.) Sondern eher die administrativen Teile der Geschäftsleitung übernommen habe und mich zum Beispiel mit Verträgen und rechtlichen Fragen auseinandersetze. Ich bin ausgebildete Bankfachwirtin und habe in meiner Ausbildung gelernt, mir viele Dinge einfach selbst anzueignen und anzulesen, um immer auf dem neuesten Stand zu bleiben. Denn man muss nicht immer sofort alles wissen, man muss nur wissen, wo es geschrieben steht oder jemanden kennen, den man fragen kann. Mir zum Beispiel hilft dabei auch unsere Mitgliedschaft im VdLB – Verband deutscher Anwender Laseranwender Blechbearbeitung. Sich mit anderen, die sich in der gleichen Situation befinden, auszutauschen und zu hören, wie Neuerungen in anderen Betrieben gehandhabt werden, kann schon sehr hilfreich sein. Oder es kann einen einfach mal wieder auf den Boden der Tatsachen bringen, wenn man sieht, dass andere Unternehmen vielleicht mit genau den gleichen Problemen kämpfen.
Wenn Sie einem/-r Einsteiger*in Ihr Arbeitsgebiet schmackhaft machen wollen, wie machen Sie das?
Ich habe einen vielseitigen Job. Eigentlich gleicht kein Tag dem anderen und es gibt immer Neues zu lernen. Ich kommuniziere mit vielen verschiedenen Menschen aus den verschiedensten Bereichen und das macht mir großen Spaß.
Welche persönlichen Worte möchten Sie Kolleg*innen in Ihrer Branche und Ihrem Unternehmen mit auf den Weg geben?
Mein Motto ist „Gibt dir das Leben Zitronen, nimm Alkohol und Zucker und mach Limoncello draus.“ Egal welche Situation auch kommt, passe dich ihr an und mach daraus das Beste. Für mich ist daher auch das Glas immer halb voll. Wenn du ein Problem oder Fragen hast, bleib hartnäckig und lasse dich nicht mit irgendwelchen allgemeinen Aussagen abspeisen. Frage dich so lange durch bis du die richtige und beste Antwort bekommst, auch auf die Gefahr hin, dass du dem einen oder anderen tierisch auf die Nerven gehst. :-)
Gemeinsam aus der Krise
Durchstarten 2021
In dieser Interviewreihe geben unsere Leser*innen Einblicke in die Herausforderungen und Chancen der Corona-Pandemie. Sie verraten, was sie aus dem Krisenjahr 2020 gelernt haben. Sämtliche Interviews finden Sie unter www.blechnet.com/durchstarten