Azubi-Recruiting Ist der Maschinenbau cool genug für Azubis?

Von Manja Wühr 5 min Lesedauer

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Wie lässt sich die duale Ausbildung im Maschinen- und Anlagenbau attraktiver machen? Eine aktuelle Studie zeigt: Nicht nur das Unternehmen, sondern auch die Branche muss Schüler und Azubis gewinnen.

(Bild:  industrieblick - stock.adobe.com)
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Nur 40 Prozent der befragten Maschinenbauer konnten alle Ausbildungsstellen im Ausbildungsjahr 2022/2023 besetzen. Das ist eine von vielen Erkenntnissen der aktuellen „Azubi-Recruiting Trends“. Seit mehreren Jahren untersuchen Experten des Bewerbermanagement-Dienstleisters U-Form Testsysteme, wie Unternehmen ihr Recruiting besser auf die Bedürfnisse der jungen Generation abstimmen können. In einer neuen Studie haben die Spezialisten exklusiv für MM Maschinenmarkt ausgewertet, wie junge Schüler und Azubis ihre Entscheidungen treffen und welche Bewerbungsprozesse sie bevorzugen.

Mit diesen Tipps gelingt de Schnuppertag

1. Werben Sie offensiv für Ihre Schnuppertage – machen Sie Ausbildung erlebbar.

2. Machen Sie Schnuppertage einfach zugänglich, zum Beispiel durch eine Online-Buchung auf Ihrer Homepage.

3. Achten Sie darauf, dass die wirklich netten Kollegen den jungen Menschen ihre Arbeit zeigen, gerade bei weniger beliebten Ausbildungsberufen.

4. Mit einem kleinen Abschiedsgeschenk bleiben Sie im Kopf und erobern Herzen.

Warum entscheiden sich Azubis für eine Ausbildung?

Entscheiden sich Azubis für ein Unternehmen oder eine Branche? Viele Maschinenbauer haben schon seit längerem erkannt, dass ihr Image als Arbeitgeber wichtig ist, um neue Talente ins Unternehmen zu holen. Sie engagieren sich in regionalen Initiativen und stärken ihre Sichtbarkeit und Wahrnehmung – auch in den sozialen Medien. Doch wie die Befragung zeigt, hat das Image der Branche besonders große Strahlkraft für die Azubis: 39 Prozent gaben an, sie habe die Branche interessiert. Für weitere 25 Prozent war die Zukunftsfähigkeit der Branche entscheidend. Nur elf Prozent haben sich für das Unternehmen und nicht für die Branche entschieden.

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Das wirft die Frage auf: Wie viele der jungen Schulabsolventen kennen die Branche wirklich und wissen, was sie auszeichnet? Nicht zuletzt stehen Branchenverbände in der Verantwortung, die Bekanntheit und die Attraktivität der Branche zu stärken. Aber auch die Berufsbilder einer Branche müssen klar kommuniziert werden. Schließlich haben sich 24 Prozent der Befragten für den Beruf und nicht für die Branche entschieden.

Warum Stellen nicht besetzt werden?

Im Sommer 2022 blieben wieder viele Ausbildungsplätze unbesetzt. Fragt man die Azubis nach den Gründen, stechen zwei hervor: 49 Prozent der Befragten machten eine fehlende Berufsorientierung an den Schulen verantwortlich. 47 Prozent glaubten, dass die Anspruchshaltung der jungen Generation dazu führt, dass viele Stellen nicht besetzt werden.

Das deckt sich nur zum Teil mit den Meinungen der Ausbildungsverantwortlichen. 52 Prozent gaben die fehlende Eignung bei den Jugendlichen an. 48 Prozent meinten, dass eine fehlende Berufsorientierung in den Schulen es schwer macht, die Ausbildungsstellen besetzen zu können.

Die mangelnde Attraktivität von Ausbildungsberufen spielte für immerhin 24 Prozent der Schüler und Azubis eine Rolle. Zudem machten 18 Prozent die mangelnde Bekanntheit von Ausbildungsberufen für die unbesetzten Ausbildungsplätze verantwortlich.

Ausbildungsverantwortliche teilten diese Einschätzung eher nicht: Nur 19 Prozent sahen in der mangelnden Bekanntheit ihrer Ausbildungsberufe eine Ursache für nicht besetzte Stellen. Auch die mangelnde Attraktivität ihrer Ausbildungsberufe war nur für 15 Prozent ein Grund.

Hier lohnt es sich nachzuschärfen. U-Form rät beispielsweise Maschinenbauern, Schüler schnuppern zu lassen. So werden bislang unbekannte Ausbildungsberufe erlebbar. Denn hier wird aus grauer Theorie spannende Praxis.

Wie begeistert man junge Menschen für die Ausbildung?

Die Befragung zeigt, dass 21 Prozent der jungen Menschen, die selbst eine Ausbildung absolvieren, anderen jungen Menschen empfehlen, nach der Schule eine solche zu beginnen. Weitere 34 Prozent würden raten, erst eine Ausbildung und dann ein Studium zu machen. „Jetzt sind die Unternehmen gefragt, genau diese Jugendlichen auch von Ausbildung zu begeistern“, so Felicia Ullrich, U-form-Geschäftsführerin. Sie rät Maschinenbauern, ihre Azubis als Influencer zu nutzen. Wer wäre besser geeignet andere jungen Menschen von einer Ausbildung zu überzeugen. „Lassen Sie Ihre Azubis in der Azubi-Kommunikation zu Wort kommen – in Form von Texten, Bildern, Videos oder Podcasts“, schlägt Ullrich vor.

Ist ein Schüler von einem Beruf, dem Maschinenbau oder – im besten Fall – von dem Unternehmen überzeugt, folgt die Bewerbung. Doch wie gut ist der Bewerbungsprozess des eigenen Unternehmens? „Wer wirklich wissen will wie gut seine eigenen Instrumente und Prozesse sind, der sollte sich bei seinem eigenen Ausbildungsbetrieb einmal bewerben, aber aus der Perspektive eines Jungerwachsenen“, fordert Prof. Dr. Christoph Beck, der die Befragung wissenschaftlich begleitet hat.

Wie glatt läuft der Bewerbungsprozess?

Am Anfang steht die Bewerbung. Bei Schülern und Azubis erfreute sich vor allem das Online-Bewerbungsformular großer Beliebtheit: 82 Prozent gefiel dies gut bis sehr gut. Dicht gefolgt von der Bewerbung per E-Mail, die sich 79 Prozent wünschten. Apps kamen nur bei 35 Prozent der Befragten an. Gleiches galt für die klassische Bewerbungsmappe. Diese boten jedoch noch 64 Prozent der Recruiter an. Dem Trend zum Online-Bewerbungsformular folgten 83 Prozent und die Bewerbung per E-Mail war bei 72 Prozent möglich. Apps oder eine Videobewerbung spielten für Recruiter im Maschinenbau aktuell kaum eine Rolle.

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Die Ausbildungsverantwortlichen aus dem Maschinenbau gaben an, dass für das Ausbildungsjahr 2022/23 65 Prozent der Bewerbungen über ein Online-Bewerbungsformular eingereicht wurden. 32 Prozent wurden per E-Mail versandt. Schriftliche Bewerbungsmappen machten nur drei Prozent der Bewerbungen aus.

Maschinenbauer haben zu einem großen Teil ihre Onlineformulare überarbeitet und optimiert. So waren diese zu 65 Prozent mobil optimiert. Dennoch ist noch Luft nach oben: So ließen sich nur 38 Prozent in 60 Sekunden ausfüllen. U-Form Geschäftsführerin Ullrich weiß: „Eine 60 Sekunden Bewerbung mit anschließendem Online-Tests bietet eine validere Vorauswahl, als die Entscheidung auf Basis von Anschreiben oder Lebenslauf.“

Wie trifft man die richtige Auswahl?

Liegt die Bewerbung erst einmal vor, kommt die Qual der Wahl. Die richtige Entscheidung zu treffen, ist keine leichte Aufgabe. Das weiß auch Ullrich: „Das beste Azubi-Marketing nützt nichts, wenn Sie durch falsche Entscheidungen geeignete Azubis nach Hause schicken.“

Tool Nummer eins ist immer noch das Bewerbungsgespräch. Für ausschließlich alle Ausbildungsverantwortlichen war es wichtig oder sehr wichtig. Das meinten auch 88 Prozent der Schüler und Azubis. Auch von Praktika waren 73 Prozent Betriebe stark überzeugt. Die jungen Bewerber sahen das nur zu 64 Prozent so. Und wie sieht es mit den Noten aus? Nur 17 Prozent der Schüler und Azubis erachteten diese als wichtig. Hingegen 29 Prozent der Ausbildungsverantwortlichen legten darauf großen Wert.

Was müssen junge Leute können und wissen?

„Da die Zukunft unbestimmt ist, sollten dann aber auch die Lernfähigkeit und die Veränderungsfähigkeit eine größere Rolle spielen als gegebenenfalls die Teamfähigkeit, oder?“, gibt Prof. Beck zu bedenken. Doch auch die Industrie hat ihre Hausaufgaben gemacht: 65 Prozent aller befragten Maschinenbauer legten besonders viel Wert auf Lernfähigkeit. Teamfähigkeit stand für sie ebenfalls hoch im Kurs.

Das deckt sich mit der Einschätzung der Schüler und Azubis. Zudem glaubten die jungen Bewerber, dass Kommunikation und Koordination sowie problemlösendes Denken wichtig sind. Verhandlungsgeschick und Führungsqualitäten spielten hingen keine Rolle für die Ausbildungsverantwortlichen.

Doch die junge Generation muss auch liefern. So vermissten viele fertigende Unternehmen bestimmte Fähigkeiten bei ihren Azubis. Ihrer Meinung nach fehlten insbesondere Selbstreflektion und problemlösendes Denken.

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