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Nutzungsgrad der Pressen steigern
„Im Betrieb fokussieren wir uns auf die weitere Reduzierung von Störungen, Nacharbeit und Ausschussquoten, um den Nutzungsgrad der Pressen kontinuierlich zu erhöhen. Dabei setzen wir insbesondere auf Smart Data Analytics, etwa durch eine verbesserte Feinsteuerung der Pressen“, ergänzte Meinhardt. „So können wir einzelne Parameter der Platine wie die tatsächliche Materialgüte, Oberflächenbeschaffenheit, Blechstärke oder Beölungsgrad in die Pressensteuerung einfließen lassen.“ Dabei mag er allerdings die Pressenbetreiber nicht aus ihrer Pflicht entlassen: „Wenn es darum geht, die Anlagenverfügbarkeit zu steigern, deren Ausstoß zu erhöhen oder Rüstzeiten zu reduzieren, ist eher der OEM gefordert mit seinem Planungs- und Prozess-Know-How.“
Darüber hinaus hängt nach den Worten von Paul auch viel von der Mitarbeiterqualifikation ab. „Der Bediener und Einrichter muss Informationen über das Werkzeug und die Prozess-Grenzwerte erhalten, sonst kann er nicht optimieren“, machte er auf ein Manko in der Kommunikation aufmerksam.
Ähnlich sieht es auch Rodrigues: „Der Pressenbediener muss mit allen Bereichen in Kontakt sein, die ihn unterstützen: Werkzeugbau, Logistik, Instandhaltung und Qualitätssicherung.“ Nach seinen Worten arbeitet Gestamp an verschiedenen digitalen Systemen, um die Kommunikation einzurichten und flexibler zu machen. Audi geht für den Kommunikationsfluss sogar so weit, dass die Gruppen der Werkzeugwartung und der Produktion zusammen organisiert und einem Gruppenleiter unterstellt sind. „Somit können wir zum einen im Fertigungsprozess von Pressteilen bei Abweichungen oder Werkzeugstörungen den Werkzeugbau sofort hinzuziehen. Zum anderen ist die Fertigung bei Veränderungen am Werkzeug, zum Beispiel Oberflächenoptimierungen, sofort und zeitgleich auf demselben Stand“, sagte Jörg Spindler, Leiter Kompetenzcenter Anlagen- und Umformtechnik beim Automobilhersteller. In der Werkzeugwartung sieht er mit dem Shopfloor-Management eine ideale Kommunikationsplattform, die den Fortschritt und Zustand des Werkzeugs optimal visualisiert.
Kommunikation mit dem Bediener ist zentral
In der Kommunikation mit dem Pressenbediener sehen auch die Fachleute von BSH Hausgeräte den ersten Schritt zur Fehlervermeidung, -analyse und -behebung. Wünschenswert seien hier einfache und eindeutige Möglichkeiten zur Kommunikation, beispielsweise mit Video oder geführten Fehlerdialogen.
Aus einer anderen Richtung blickte Jürgen Endress, Senior Manager bei der Unternehmensberatung Staufen, beim Tech-Day auf das Presswerk. In seinem Fokus steht der gesamte Wertstrom, zu dessen Auslegung auch die Führungsleistung durch die Verantwortlichen im Presswerk gehört. „Man sieht wenig das Drumherum um die Presse, wie Planung, Logistik oder Kundenbelieferung“, sagte er, die Afumerksamkeit gelte Hubzahl, Teilequalität oder Anlagenverfügbarkeit. Doch ni einer Wertstromanalyse komme oft nur das letzte Thema vor, daneben spielen das Rüsten, Bestände oder Verschwendung eine Rolle.
Der Instandhaltung widmete sich Fabian Israel, Produktmanager Service Crossbar-Feeder und präventive Wartung bei Schuler. Ziel seiner Aktivitäten ist es, ungeplante Stillstände zu vermeiden. Denn die Produktivität neuer Pressenlinien hat auch Folgen für die Instandhaltung. „Moderne Servopressenlinien schaffen bis zu 5 Mio. Hub pro Jahr, konventionelle Linien häufig nur 1 Mio. Das erfordert auch eine erhöhte Anlagenverfügbarkeit, denn es gibt weniger oder keine parallelen Linien mehr im Presswerk. Die höhere Produktivität bedeutet bei einer Störung auch einen höheren Produktionsausfall“, erläuterte Israel. Bei den Wartungskonzepten sieht er das Optimum in einer Kombination aus präventiver und zustandsorientierter Wartung. Entscheidungsgrundlage sei eine Risikoanalyse: Welches Risiko und welches Schadensausmaß ist mit dem Eintritt eines bestimmten Ereignisses verbunden? Der präventive Wartungsansatz eigne sich bei einer hohen Eintrittswahrscheinlichkeit, ansonsten der zustandsorientierte Ansatz. „Im Lebenszyklus der Anlage rentiert sich die präventive Wartung trotz der höheren Kosten durch eine höhere Verfügbarkeit“, sagte der Produktmanager.
Daten aus den Pressen richtig nutzen
Welche Möglichkeiten es noch bei der Anlagenverfügbarkeit gibt, zeigte Steffen Gottschalk, Leiter Hotline und Remote-Service-Center bei Schuler. Die Aufgaben seiner Mannschaft wandeln sich aktuell vom reaktiven zum präventiven Support. In der weiteren Entwicklung liegt der Fokus auf Predictive Maintenance. „Das geht in Richtung Industrie 4.0, mithilfe von Big Data“, erläuterte Gottschalk. Auf eine andere Möglichkeit für die Datennutzung verweist Meinhardt. „Je besser Störungen durch Materialstreuungen oder Beölungsschwankungen kompensiert werden können, umso näher kommt man der theoretischen Kapazitätsgrenze. Dabei helfen insbesondere Datenanalysen, für noch robustere Prozesse. Aus den Daten die richtigen Schlüsse zu ziehen, sehen wir als eine unserer Kernaufgaben“, sagte er.
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