Zulieferindustrie Open Book Accounting – Ein Weg aus der Kostenfalle?

Redakteur: Jürgen Schreier

Wenn Abnehmer und Zulieferer gegenseitig ihre Kosten offenlegen, können beide davon profitieren. Das so genannte Open Book Accounting erlaubt es Unternehmen, Kostentreiber zu entdecken und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Das Konzept hat zuletzt auch in der Industrie an Bedeutung gewonnen. Prof. Andreas Hoffjan vom Lehrstuhl für Unternehmensrechnung und Controlling an der TU Dortmund hat untersucht, wann der Austausch von Kosteninformationen funktionieren kann.

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Open Book Accounting ist für deutsche Zulieferer ein wichtiges Thema. Die Betriebe haben in den vergangenen Jahren ihre Produktion bereits weitgehend rationalisiert, das Potenzial ist nun ausgeschöpft. Die Kosten aber lassen sich nicht ewig weiter senken. Wenn ein Unternehmen heute seine Wettbewerbsfähigkeit steigern will, muss es den gesamten Wertschöpfungsprozess unter die Lupe nehmen. Das geht aber nur, wenn es genügend Informationen hat – und die müssen ihm andere Unternehmen in der Lieferkette zur Verfügung stellen. Open Book Accouting in der einen oder anderen Form wird daher immer wichtiger.

Eine Ausprägung kann sich dabei auch im Supply Chain Management wiederfinden. Vor allem in der Automobilindustrie ist dies verbreitet, weil dort die Zulieferer einen größeren Anteil an der Wertschöpfung haben, was die Chance von gemeinsamen Einsparungen erhöht. Bei Nissan beispielsweise teilen vier von fünf Lieferanten ihre Kosteninformationen mit dem Abnehmer.

Kostentransparenz allein senkt keine Kosten

Open Book Accounting ist aber kein Selbstläufer. Kostentransparenz allein senkt keine Kosten. Die Zulieferer profitieren von der Kompetenz der größeren Automobilproduzenten. Die schicken ihre Berater zum Zulieferer, um beispielsweise die Einkäufer zu schulen und die Produktion effizienter zu gestalten. Der Abnehmer optimiert so die Abläufe beim Zulieferer. Das wiederum senkt den Druck, selbst die Kosten reduzieren zu müssen. Außerdem kann sich ein kleinerer Zulieferer mit Open Book Accounting vor überzogenen Forderungen eines Abnehmers schützen. Er kann glaubhaft signalisieren: Es geht nicht, ich kann meine Kosten nicht weiter senken.

Aber nicht zwangsläufig kommt es beim Austausch von Kosteninformationen zu einer „Win-Win“-Situation. Vor allem Zulieferer machen sich verwundbar. Der Abnehmer bekommt Informationen, die seine Verhandlungsposition enorm stärken. Wenn er die Kosten beim Zulieferer kennt, kann er dessen Marge ausrechnen. Bei den nächsten Verhandlungen weiß er genau, wie weit er den Preis drücken kann.

Damit nicht genug: Wenn ein Abnehmer die Kosten bei mehreren Zulieferern kennt, kann er diese gegeneinander ausspielen. Manche Abnehmer suchen sich die laut Kalkulation ihrer Zulieferer kostengünstigsten Positionen heraus. Sie basteln sich daraus einen kostenoptimalen fiktiven „Wunsch-Lieferanten“ zusammen. Dieser stellt dann diejenigen Kosten dar, welche die Abnehmer maximal einzugehen bereit sind.

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