VDI-Studie Outsourcing schwächt die Produktivität

Redakteur: Stéphane Itasse

Outsourcing lohnt nicht in jedem Fall. Je mehr Geschäftsprozesse Unternehmen outsourcen, desto geringer ist oft ihre Produktivität. Das ist das Ergebnis einer im Auftrag des VDI erstellten Studie vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung, die der VDI am Dienstag auf der Hannover-Messe vorgestellt hat.

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Die Studie zeigt laut VDI: Betriebe mit einer hohen Fertigungstiefe erreichen im Gegensatz zum Durchschnitt der Industrie eine höhere Produktivität von mehr als 8%. „Für Unternehmen bedeutet dies, dass sie durch Outsourcing nicht zwingend Kosten einsparen“, sagt VDI-Präsident Prof. Bruno O. Braun. Schlanker und schneller sei nicht automatisch besser. Transaktionskosten mit Zulieferern, Abhängigkeiten und Zulieferermargen seien häufig Punkte, die Unternehmen unzureichend berücksichtigen, wobei die Betriebsgröße keine Rolle spielt.

Insourcing kann Produktivität deutlich steigern

„Zurückhaltung beim Outsourcing oder, wo sinnvoll, aktives Insourcing steigert die Produktivität dagegen um teilweise mehr als 10%“, erläutert Braun. Gerade in Zeiten unausgelasteter Kapazitäten wie in der aktuellen Krise könnte damit das Insourcing eine strategische Option werden.

Allein 2008 hatte das gesamte Outsourcing von Geschäftsprozessen in Deutschland ein geschätztes Volumen von 16 Mrd. Euro. „Doch damit erhöhen Unternehmen nicht zwangsläufig ihre Wettbewerbsfähigkeit“, ergänzte Dr. Steffen Kinkel vom Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung.

Als Vorteile für das Insourcing nennt der Wissenschaftler niedrigere Kosten durch verminderte Abstimmungsprozesse, eine erhöhte Flexibilität in Engpasssituationen und dass sich die Kapazitäten dynamischer steuern lassen - eine „atmende“ Struktur wird möglich. Zudem bleiben Kernkompetenzen der Fertigung im Unternehmen.

Mehr Flexibilität durch Insourcing

Gestützt werden diese Aussagen des Wissenschaftlers durch die Motive der Unternehmen, welche Fertigungskapazitäten wieder ingesourct haben. Denn da steht an erster Stelle eine Erhöhung der Flexibilität bei 57% der Betriebe, gleichauf mit einer Verbesserung der Qualität. Auch Kostenaspekte und die Erhöhung der Kompetenz spielen eine deutliche Rolle.

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