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Das Volumen der an Warenterminbörsen gehandelten Terminkontrakte übersteigt laut Kerkhoff „das physische Marktvolumen um ein Vielfaches“. Damit wachse auch das potenzielle Risiko, dass sich die Preisentwicklung an der Börse von den Fundamentaldaten des entsprechenden Rohstoffmarktes abkoppelt. Bei Molybdän wiederum gibt es weltweit nur wenige Produzenten, die den Preis bestimmen. Und die Edelstahlhersteller müssen zahlen, was die Rohstoffproduzenten verlangen, denn so Antony: „Die Edelstahlhersteller haben in dieser Beziehung keine Marktmacht“.
Die Entwicklung führte dazu, dass zum Beispiel für den Legierungszuschlag kaltgewalzter Bleche der Standardgüte 4301, der früher zwischen 0 und 700 Euro pro Tonne schwankte, im letzten Jahr auch schon mal über 3000 Euro veranschlagt wurden (in der Hochphase des Nickelpreises). Dass solche Schwankungen bei den Verbrauchern gar nicht gut ankommen, wissen auch die Produzenten.
Schließlich kann ein plötzlicher starker Preisanstieg zum Beispiel bei einem größeren Projekt die ursprüngliche Kostenkalkulation völlig über den Haufen werfen. Auch sind sie zumeist nicht in der Lage, wie die Edelstahllieferanten die höheren Preise ihrerseits an die Kunden weiter zu geben. Eine Alternative zum Zuschlagsystem sieht aber auch Antony nicht: „An das seit langem etablierte System mit dem Legierungszuschlag haben sich die Marktteilnehmer gewöhnt – und wie sollte man es auch anders machen?“.
Chromstahl ist keine Alternative mehr
Früher konnten die Anwender eventuell noch auf die preislich weniger stark schwankenden Chromstähle ausweichen. Doch ist es mit dem niedrigen Preisniveau auch hier vorbei, nachdem der Chrompreis in die Höhe schoss. Kerkhoff: „Die südafrikanischen Chrom-Produzenten können wegen der Stromabschaltungen aufgrund der dortigen Energiekrise nur 90% der üblichen Menge produzieren“. Da Südafrika mehr als die Hälfte der weltweiten Tonnage von Chrom liefert, haben sich die Preise zwischen Anfang und Mitte des Jahres fast verdoppelt. Und obwohl die Edelstahlwerke die höheren Rohstoffkosten nahezu vollständig an die Kunden weitergeben können, sind sie mit der Lage nicht zufrieden. Antony dazu: „Im Prinzip hoffen alle, dass die Rohstoffpreise wieder sinken, weil das hohe Preisniveau die verarbeitende Industrie vor erhebliche Schwierigkeiten stellt“.
Dass sich die Lagerstätten wesentlicher Rohstoffe auf Entwicklungs- oder Schwellenländer mit zum Teil beträchtlichen politischen und/oder Infrastruktur-Risiken konzentrieren, beruhigt auch nicht gerade. So sieht man in der Branche die Entwicklung der Nachfrage einerseits eher skeptisch, denn wenn die Edelstahlpreise weiter so hoch bleiben, besteht die Gefahr, dass das Wachstum gebremst wird. Wenn der Preisabstand zu Alternativen wie Stahl, beschichtetem Stahl oder Aluminium zu groß ist, wird es schwer, die hohen Wachstumsraten der Vergangenheit beizubehalten.
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