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Nennen Sie doch ein paar besondere Einsatzgebiete für die Servo-Pressen.
Beyer: Wir setzen die Servo-Direkt-Technologie in allen Pressen ein. Angefangen beim Stanzautomaten mit einer Presskraft von 2500 kN beziehungsweise 250 t bis hin zu Kopfpressen für Pressenstraßen zur Fertigung von Karosserieteilen im Presskraftbereich von 25000 kN beziehungsweise 2500 t.
Ergänzen möchte ich, dass zur Nutzung der Möglichkeiten der Servo-Direkt-Technologie auch die Automationskomponenten – also Walzenvorschub, Transfergerät, Crossbarfeeder und Ersatzstapeleinrichtung – in ihrer Leistungsfähigkeit angepasst werden müssen. Zu den bisherigen Einsatzgebieten zählen alle Bauteile aus Blech, die im Auto und auch im Bereich der Haushaltsgeräte sowie in der Möbelindustrie verbaut werden.
Für wen beziehungsweise für welche Anwender ist die Servo-Pressen-Technik besonders interessant?
Beyer: Die Anzahl der Anwender von Maschinen mit Servo-Direkt-Technologie wächst kontinuierlich. Wir kennen keinen Fall, bei dem die neue Technik nicht erheblichen Produktionsfortschritt garantiert. Das heißt, diese Technik ist für alle Hersteller von umgeformten und beschnittenen Blechteilen in großen Stückzahlen von Interesse.
Mit der Servo-Direkt-Technologie soll dem Anwender ja auch eine bisher nie gekannte Flexibilität beschert werden. Wodurch ist die gegeben und wie zeigt sich diese in der Praxis?
Beyer: Durch die freie Programmierbarkeit der Hubhöhe, durch optimale Anpassung der Stößelgeschwindigkeit an die für ein spezifisches Bauteil maximal mögliche Umformgeschwindigkeit kann die Umformmaschine (Presse) flexibel an die jeweilige Aufgabe, die der Produktionsprozess erfordert, angepasst werden.
Die Erklärung dafür liegt in der hohen Dynamik des Pressenantriebs, der es ermöglicht, innerhalb von wenigen Winkelminuten unter Last sehr dynamisch zu beschleunigen beziehungsweise auch zu bremsen. Mit einem Schwungrad ist dies nicht möglich. In der Praxis führt das immer zu einer höheren Ausbringung.
Energieeffizienz wird auch bei Schuler groß geschrieben und sie ist deutlich in der Servo-Pressen-Technik erkennbar. Sagen Sie uns deshalb etwas zum Energiemanagement und was der Anwender davon hat.
Beyer: Bei einem bekannten deutschen Automobilhersteller konnte durch Umstellung auf einen neuen Prozess mit Servo-Direkt-Technologie der Energieverbrauch um 0,31 kWh pro Bauteil reduziert werden. Das entspricht einer Kosteneinsparung in der Größenordnung von 400000 Euro pro Jahr. Die Reduzierung des Energieaufwandes in der Produktion heißt also nicht nur Ressourcen-Schonung, sondern auch Erhöhung der Wirtschaftlichkeit.
Die Servo-Direkt-Technologie macht das Schwungrad, den Riemenantrieb und die Kupplungs-Bremskombinationen überflüssig, also Komponenten, die bei der Betrachtung des Wirkungsgrades eine große Rolle spielen. Pressen mit Servo-Direkt-Technologie haben also grundsätzlich einen besseren Wirkungsgrad als Schwungradmaschinen.
Den kurzfristigen Energiebedarf im Umformprozess und den beim Bremsen entstehenden Rückspeisebedarf von Energie empfehlen wir mit einem elektromechanischen Energiespeicher zu kombinieren. Wir nennen das Energiemanagement. Dadurch werden Stromspitzen im Werksnetz vermieden und die notwendige Anschlussleistung deutlich reduziert. Die Messungen an unseren beiden 1100-t-Maschinen in Erfurt, die wir mit gleichen Werkzeugen zu Testzwecken in einem Serienbetrieb einsetzen, zeigen reproduzierbar die Reduzierung des Energieverbrauchs um 13%.
Wagen Sie mal einen Blick in die Zukunft. Wie wird sich die Servo-Pressen-Technologie künftig weiterentwickeln und welches Potenzial sehen Sie insbesondere für Ihr Unternehmen?
Beyer: In der Servo-Direkt-Technologie se-hen wir einen technologischen Sprung, der die gesamte Produktion von Blechteilen in Großserien verändern wird. Wir kennen kein Beispiel, in dem die neue Technologie nicht den klassischen Pressen mit Schwungradantrieb deutlich überlegen ist.
Aktuell ist unser Vertrieb in allen Segmenten intensiv unterwegs, um Anwender für diesen Technologiesprung zu begeistern. Wir gehen davon aus, dass die Servo-Direkt-Technologie zum Industriestandard wird und alle Schwungradmaschinen ersetzen wird.
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