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Kruscht ist einer, der gerne anpackt. Er sagt von sich selbst, er sei Grobmotoriker. Nach einer Lehre als Schlosser zog es ihn erst einmal weg aus seinem Geburtsort Eggenstein quer durch Europa und er entdeckte seine Kreativität. Deshalb ist sein Blechdosenmuseum nicht einfach eine sterile Ausstellung – nein: hier wird verändert, gewerkelt und installiert.
Patchwork-Küche ergänzt Blechdosensammlung
Das umfasst nicht nur Blechdosen. Zurzeit baut er in den Räumen hinter dem Museum an der ersten „Patchwork-Küche“ Baden-Württembergs, die nur aus Schrott zusammengestellt ist. Das Geschirr stammt beispielsweise von Wohnungsauflösungen oder vom Sperrmüll und die Küche wird aus Bierbänken gebaut. Stolz zeigt er die „Küchenzeile“: „Wenn dann so ein Kunstwerk entsteht, wie hier Kühlschrank und Schrank, und das Sofa passt auch noch genau hinein, dann ist das toll!“ Daneben stellt er eine Dusche auf: die Duschwand – vom Sperrmüll – steht schon, passt aber (noch) nicht richtig.
Durch Kruschts Arbeit als Haushaltsauflöser ist für Nachschub natürlich immer gesorgt. Mit seiner Firma „Alles komplett“ ist er weltweit vernetzt über seine Homepage und vielen Verlinkungen. „Ich habe damals schon die ‚Gelbe-Seiten‘-Leute rausgeschmissen und war eine der ersten Firmen mit einer eigenen Webseite“, erklärt uns Kruscht stolz. Daher ist es keine Seltenheit, dass er auch Aufträge aus dem Ausland erhält.
Fundgrube für Kuriositäten aus Blech
Mit Unterstützung seiner Geschäftspartner und Freunde wird dann ausgeräumt – und aufgehoben. Wir verlassen das Museum, biegen um die Ecke in den Hinterhof und betreten die Lagerräume. Dort hebt er Unzähliges auf; nicht alles, aber Blech natürlich! Ein wahres Sammelsurium, das hier lagert. Und natürlich auch eine Fundgrube für Leute, die bestimmte Kuriositäten suchen. Kein Problem, denn Kruscht hat sich auch die Webseite www.antiquitaeten.de gesichert.
So hat sich Herr Kruscht sein kleines Reich aus Blechdosen und Sperrmüll geschaffen und in Karlsruhe einen Namen als Künstler gemacht. Was nach seinem Tod mit seinem Blechdosenmuseum passieren soll, weiß er auch schon. Auf jeden Fall wird er hier sterben; diese Vision habe er klar im Kopf. Und statt einer Beerdigung gäbe es einen Tag der offenen Tür, dass der Sperrmüll wieder zurück auf die Straße gehe. Wenn sein Tod näher rückt, will er sich aus seinen Blechdosen einen Sarg machen.
Das liegt aber noch in ferner Zukunft, denn Herr Kruscht hat noch viele Ideen, die er realisieren will. Das aber sprengt unseren Rahmen, denn so viel Zeit haben wir nicht. „Sie würden länger leben müssen“, antwortet er uns. Jetzt ist Feierabend, wir verabschieden uns von Michael Böhm.
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