Frugal Engineering

Wie man neue Produkte für die asiatischen Märkte entwickelt

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Die Herausforderung für die Entwickler ist, ihr im Laufe der Zeit generiertes Wissen und ihre Erfahrungen weitgehend zu ignorieren. Sie müssen das Gelernte und die Erfolgsrezepte der Vergangenheit vergessen. Frugal Engineers machen Tabula Rasa und fangen bei der Entwicklung einfacher Produkte im Zielmarkt mit Bescheidenheit und Neugierde ganz von vorne an.

Dabei lassen sie sich von sechs Grundanforderungen an Frugal-Maschinen leiten:

Die Grundanforderungen an Frugal-Maschinen

  • Functional: Die zu entwickelnde Maschine muss hochgradig funktional sein. Sie darf keine unnötigen Extras (Schnickschnack) haben, sondern muss in den Grundfunktionen top sein. Ihre Leistungsfähigkeit darf deutlich eingeschränkt sein, sie muss aber exakt auf die Kernbedürfnisse lokaler Nutzer zugeschnitten sein.
  • Robust: Eine Maschine, die für den chinesischen Markt oder für andere Schwellenländer entwickelt wird, muss widerstandsfähig, wartungsarm und unempfindlich gegenüber Klima, Staub und schlechter Infrastruktur sein.
  • User-friendly: Die Maschine muss in Aufbau und Funktion verständlich, unkompliziert und einfach zu bedienen sein.
  • Growing: Sie wird für einen stark wachsenden Markt entwickelt, der eine hohe Produktionskapazität und damit preisliche Vorteile durch Skaleneffekte ermöglicht.
  • Affordable: Die Maschine muss ein niedriges Preisniveau, aber ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis haben. Damit wird sie den finanziellen Möglichkeiten der Zielgruppe gerecht. Eine Faustregel lautet 50 % der Leistung für 15 % des Preises.
  • Local: Die Maschine wird auf Basis von lokalem Wissen speziell für das Zielland entwickelt.

Diese für die meisten Unternehmen völlig neuen Herausforderungen können deutsche Maschinenbauer nur dann meistern, wenn sie im Zielland eine funktionsübergreifende Organisationseinheit (Local Growth Teams, LGT) aufbauen, die sich auf ein Frugal-Produkt konzentriert. Die besten Ergebnisse werden oft durch neue Mitarbeiter und nicht durch interne Fortbildung erreicht. Neue Mitarbeiter sollten aber nicht von internationalen Wettbewerbern, sondern von lokalen Rivalen abgeworben werden.

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