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„Der Werkzeugbauer braucht eine klare Strategie und Organisation“

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Wie muss ein Werkzeugbauer künftig aufgestellt sein, um einerseits den Anforderungen der Technik und andererseits den Wünschen der OEM gerecht zu werden?

Birkert: Selbstsicher und klar strukturiert. Das heißt mit einer klaren Strategie und einer Organisation, die exakt an dieser Strategie ausgerichtet ist. Die Strategie muss gewisse Alleinstellungsmerkmale aufweisen, um im Wettbewerb bestehen zu können. Als Beispiel sei hier wieder der anfangs diskutierte Trend hin zu hochfesten Werkstoffen zu nennen. Zwar sind Bauteile aus hoch- und höchstfesten Stahlfeinblechen bei der Werkzeugeinarbeitung und -korrektur aufgrund des Aufsprungverhaltens viel schwieriger ins Ziel zu bekommen. Aber gerade hier bietet sich die Chance der Spezialisierung auf derart komplexe Themen. Dabei ist es gleich, ob es der deutsche Wettbewerber genauso hält. Entscheidend ist es, ob sich der deutsche Werkzeugbau insgesamt gegen seine Wettbewerber aus anderen Regionen wird durchsetzen können. Im Gegenteil, ein engeres Zusammenrücken der deutschen Werkzeugbauer – auch zwischen OEM und Zulieferer – wäre in vielerlei Hinsicht eher förderlich. Weiterhin wird auch der mittelständische Werkzeugbau nicht darum herumkommen, nennenswerte Wertschöpfungsumfänge zukünftig aus Ostasien zu beziehen oder sich gar in Form von Joint Ventures weitere Standbeine zu schaffen. Systemzulieferer im Bereich der Komponentenfertigung müssen das schließlich auch tun.

Mit welchen Argumenten kann ein Werkzeuganbieter bei seinen Kunden in der Automobil- und Zulieferindustrie besonders punkten?

Birkert: Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, dem Kunden im Zusammenhang mit dem Tagesgeschäft Mehrwert zu bieten. Ein Beispiel ist die konsequente Erschließung von Kostensenkungspotenzial durch minimalen Materialeinsatz beim Blechteil. Die diesbezügliche Zusammenarbeit zwischen OEM und Werkzeugbau ist verbesserungsfähig. Wo der Werkzeugbau zusehen muss, dass er mit dem beauftragten Budget klarkommt, besteht nicht unbedingt ein unmittelbares Interesse daran, weitere Baustellen aufzumachen und Verzögerungen im Projektablauf hinnehmen zu müssen. Hier liegt Potenzial brach.

Ist der Werkzeugbau in Deutschland noch etwas Besonderes und mit welchen Strategien kann diese Hightechbranche weltweit ihre führende Position halten oder ausbauen?

Birkert: Ganz sicher ist der Werkzeugbau in Deutschland noch was Besonderes. Das Berufsbild des Werkzeugmachers, wie wir es hier in Deutschland kennen, sucht andernorts vergeblich seinesgleichen. Das Gleiche gilt für unsere erfahrenen Methodenplaner, die geradezu fühlen, wie man ein Blechteil in der Methode und bei der Werkzeugeinarbeitung anpacken muss, damit was Gutes dabei herauskommt. Dazu muss es aber gelingen, qualifiziertes Personal zu bekommen und für eine langjährige Tätigkeit zu begeistern, und das wird gerade für die Zulieferer zunehmend schwieriger. Das hängt sicher auch mit dem hohen finanziellen und organisatorischen Druck zusammen, der mit diesem Geschäft verbunden ist. Die finanzielle Situation hat in der Vergangenheit auch dazu geführt, dass eine zunehmende Zahl an Werkzeugbauern unterfinanziert ist, was Neuinvestitionen angeht. Hier hat beim einen oder anderen bereits ein Substanzverzehr stattgefunden. Gleichzeitig sollte in neuere Technologien investiert werden. Es bedarf wohl der intensiven Abstimmung und gemeinsamen Ausrichtung der OEM und der externen Werkzeuglieferanten untereinander, um die Werkzeuglandschaft, wie wir sie heute in Deutschland haben, zukunftsfähig zu machen und zu erhalten. Für den Werkzeugbau der OEM gilt das nicht. Hier haben wir gerade in Deutschland Vertreter, die sich in den letzten 10 bis 15 Jahren extrem gut aufgestellt und dadurch eine enorme Schlagkraft gewonnen haben. Das ist auch wichtig, weil diese Werkzeugbauer der OEM als Keimzellen für weltweites Wachstum ihrer Konzerne eine ganz wesentliche Rolle spielen und so einen wesentlichen Beitrag zur Zukunftssicherung leisten.

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