Suchen

Umformwerkzeuge

„Der Werkzeugbauer braucht eine klare Strategie und Organisation“

| Redakteur: Dietmar Kuhn

Modellvielfalt, neue, hochfeste Werkstoffe und ebenfalls neue Pressengenerationen, wie beispielsweise die Servopressen, stellen hohe Anforderungen an den europäischen Werkzeugbau. Wie der Werkzeugbauer damit im Bereich der Automobilindustrie erfolgreich sein kann, dazu befragten wir mit Prof. Dr. Arndt Birkert einen absoluten Kenner der Branche.

Dr.-Ing. Arndt Rüdiger Birkert ist Professor an der Fachhochschule Heilbronn und durch seine industrielle Erfahrung ein exzellenter Kenner der Werkzeugbauszene der Automobilindustrie: „Dem Werkzeugbau muss es gelingen, dem mit den Veränderungen einhergehenden Druck aus dem Markt gerecht zu werden und trotz zunehmender Komplexität seine Ressourcen effizient einzusetzen.“
Dr.-Ing. Arndt Rüdiger Birkert ist Professor an der Fachhochschule Heilbronn und durch seine industrielle Erfahrung ein exzellenter Kenner der Werkzeugbauszene der Automobilindustrie: „Dem Werkzeugbau muss es gelingen, dem mit den Veränderungen einhergehenden Druck aus dem Markt gerecht zu werden und trotz zunehmender Komplexität seine Ressourcen effizient einzusetzen.“
( Bild: Birkert )

Qualitätsanspruch, hochfeste Werkstoffe, Materialmix und Leichtbau – nur einige Begriffe, die den modernen Karosseriebau bestimmen. Wie ist es dabei um den Werkzeugbau bestellt?

Birkert: Das Ausmaß an Komplexität nimmt damit in den Werkzeugbauten in jeder Hinsicht rasant zu. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang zum Beispiel das Daten-, Wissens- und Projektmanagement. Wirtschaftlicher Erfolg wird jedoch im Allgemeinen nicht durch Komplexitätserhöhung, sondern im Gegenteil durch Komplexitätsreduzierung, das heißt vor allem auch durch Standardisierung im weitesten Sinne erzeugt. Insofern sieht sich gerade der Werkzeugbau in seiner Position zwischen Entwicklung, Planung und Produktion einer sehr schwierigen Situation gegenübergestellt, zumal derzeit kaum abschätzbar ist, wohin materialmäßig die Reise im Karosseriebau geht. Ein grundsätzlicher Trend, der heute feststellbar ist, ist der hin zu größeren Teilen, größeren Werkzeugen, höheren Festigkeiten und damit insgesamt höheren Presskräften. Diese Gegebenheit bietet eine Möglichkeit der strategischen Ausrichtung. Hier haben es die Werkzeugbauer der OEM etwas einfacher, als die Zulieferer. Erstere können sich durch Zusammenstellung geeigneter Portfolios klar ausrichten, während letztere mit einer größeren Bandbreite an Aufgaben und damit an Komplexität klarkommen müssen.

Worauf kommt es im modernen Werkzeugbau besonders an?

Birkert: Dem Werkzeugbau muss es gelingen, dem mit den vielfältigen Veränderungen einhergehenden Druck aus dem Markt gerecht zu werden und trotz zunehmender Komplexität seine Ressourcen effizient einzusetzen. Prozesse und technologische Anwendungen sind zu standardisieren. Aus oft schmerzhaften, weil teuren Erfahrungen im Umgang mit neuen Aufgabenstellungen muss trotz äußerst knapper personeller Ressourcen Prozess-, Material- und Methoden-Know-how in gespeicherter und abrufbarer Form generiert werden.

Was ist unter der Beachtung der oben genannten Kriterien sowie unter Berücksichtigung neuer Pressensysteme, wie beispielsweise Servopressen, für den Werkzeugbauer unumgänglich?

Birkert: Schwierige Frage. Die einen würden Wachstum als Antwort nennen, um so durch ausreichende Größe möglichst allen Anforderungen gerecht zu werden. Wahrscheinlich wird aber für die meisten Marktteilnehmer eher eine Konzentration auf Kernkompetenzen und gegebenenfalls eine Zusammenarbeit mit strategischen Partnern in anderen Bereichen die richtigere Alternative sein. Der Einzelne muss sicherlich nicht jede Entwicklung im Markt mitmachen, zumal eine universale Ausrichtung für den Einzelnen praktisch nicht finanzierbar ist. Da Sie gerade nach Servopressen fragen: Diese Technologie spielt für die Werkzeugbauer keine wesentliche Rolle. Das liegt daran, dass die Vorteile einer Servopresse wie Ausbringung und Energieverbrauch für den Werkzeugbau unwesentlich sind. Die erhöhten Anschaffungskosten lassen sich kaum amortisieren und damit nicht rechtfertigen. Wichtiger wäre es, gerade im Zusammenhang mit großen und komplexen Teilen aus hochfesten Werkstoffen eher in moderne Multicurve-Tryoutpressen zu investieren.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 34188150)

Bild: Schuler; Bild: Fibro; Bild: Log X; Bild: HS Heilbronn; Archiv: Vogel Business Media; Bild: Birkert; Mack Brooks; Roemheld; Schall; BVS; Prima Power; Coherent; Time; LZH; J.Schmalz; Eutect; 3M; Hennecke; Hypertherm; VCG; Arcelor Mittal; Schallenkammer; Hergarten; Thermhex; IKT; Schöller Werk; Vollmer; Fiessler; © momius - Fotolia; Rhodius; Kemppi; Novus; Deutsche Fachpresse; Vogel Communications Group ; MM Maschinenmarkt; Der Entrepreneurs Club e.K.; MPA Stuttgart; Gesellschaft für Wolfram Industrie; BASF