Keine Bange! Deutscher Werkzeugmaschinenbau ist gut vorbereitet

Quelle: VDW 9 min Lesedauer

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„Die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie ist international sehr gut aufgestellt – trotz der vielen Herausforderungen“, so Franz-Xaver Bernhard, Vorsitzender des VDW, auf der Jahrespressekonferenz.

Es wird schon! Heute hat der VDW seine Jahrespressekonferenz in Frankfurt am Main abgehalten.  Der VDW-Vorsitzende Franz-Xaver Bernhard spricht hier über die Lage der deutschen Maschinenbauer ...(Bild:  VDW)
Es wird schon! Heute hat der VDW seine Jahrespressekonferenz in Frankfurt am Main abgehalten. Der VDW-Vorsitzende Franz-Xaver Bernhard spricht hier über die Lage der deutschen Maschinenbauer ...
(Bild: VDW)

Seit Jahrzehnten sind deutsche Unternehmen führend in Produktion und Export. Und 2024 belegten sie in der Produktion Platz zwei hinter China und im Export teilen sie sich den ersten Platz mit China, so der Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW). Auch in den momentan schwierigen Zeiten investieren sie stabil rund drei Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Und gut 50 international renommierte Forschungsinstitute mit zahlreichen Spitzenkräften stehen an deutschen Hochschulen für gemeinsame Projekte zur Verfügung, wie es weiter heißt. Auch treiben die sehr gut ausgebildeten Spezialisten stets motiviert die Branchenentwicklung voran. Bis November 2024 hat die Industrie ihre Beschäftigung noch leicht ausgebaut (auf rund 65.300 Personen).

Mehr Effizienz im Presswerk

Die Fachtagung von MM MaschinenMarkt und blechnet

Presswerke sind eine Millioneninvestition, entsprechend viel Output erwartet man von ihnen. Wie lassen sich Kosten senken und die Effizienz erhöhen? Vor dem Hintergrund der Herausforderungen von Qualität, Flexibilität, sinkenden Losgrößen und Verfügbarkeiten gilt es die Produktion für den steigenden Kostendruck fit zu machen. Lösungen, die Sie sofort in Ihrem beruflichen Alltag unterstützen, finden Sie als Entscheider auf unserer praxisnahen Fachtagung.

„Auf diesem Fundament können die Unternehmen Nachfrageschwankungen gut bewältigen. Das haben sie in früheren Schwächephasen oft genug bewiesen“, ist sich Bernhard, der auch Vorstand von Hermle ist, sicher. Nun ist es seiner Meinung nach aber auch an der Politik, die Hausaufgaben zu machen und ihre ureigenste Aufgabe wahrzunehmen: Die Wettbewerbsfähigkeit des Industriesandortes Deutschlands zu stärken.

Deutschland braucht mutige Reformen seitens der Politik

Die neue Regierung müsse nach der Bundestagswahl Ende Februar die Weichen mit einem überzeugenden Plan für mehr Wirtschaftswachstum sehr zügig stellen. Es gilt, die Bürokratie abzubauen, die Digitalisierung voranzutreiben, die Energiekosten und Steuern zu senken, die Bildung zu verbessern und nicht zuletzt die Infrastruktur zu sanieren. „Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz, Corporate Social Responsibility Directive (CSRD), Cyber Resilience Act, europäische Entwaldungsverordnung und wer weiß, was noch, überfordert die Unternehmen“, betont Bernhard mit Blick auf die Lage. Je nach Unternehmensgröße müssen sie für die Dokumentation zwischen einem und drei Prozent ihres Umsatzes aufwenden. Das, so Bernhard, ist Geld, das dann für Investitionen fehlt.

So ging es im letzten Jahr abwärts

Die Krise in der Automobilindustrie sowie die Unsicherheiten in den beiden großen Abnehmermärkten USA und China belasten die Branche. Der Verbrauch von Werkzeugmaschinen ist 2024 im Hauptabnehmermarkt Europa um 18 Prozent gesunken, so die Zahlen. Dabei verloren die beiden größten Märkte Deutschland und Italien 12 respektive 28 Prozent. China stagnierte, in den USA schrumpfte der Markt um sieben Prozent. In Deutschland ist die Produktion von Werkzeugmaschinen 2024 nach Schätzung von Oxford Economics, Prognosepartner des VDW, um vier Prozent auf ein Volumen von rund 14,8 Milliarden Euro gesunken. Ein Jahr zuvor konnte man in Deutschland das noch um neun Prozent (auf 15,4 Milliarden) ausweiten. Ergänzend dazu wuchs der Output in den ausländischen Produktionsstätten um 13 Prozent auf 3,8 Milliarden überproportional, so der VDW. Er machte damit ein Viertel der globalen Maschinenproduktion deutscher Hersteller aus. Der Export trudelte bis Oktober 2024 um fünf Prozent nach unten. Innerhalb der Triade war Europa mit 16 Prozent stark rückläufig. Amerika positionierte sich dagegen mit einem Plus von 17 Prozent eindeutig als das Zugpferd. Und die USA überholten jetzt nach 9 Jahren erstmals wieder China als wichtigsten Absatzmarkt und legten um ein Fünftel zu. Die Ausfuhren nach China als zweitgrößtem Abnehmer sanken dagegen um 12 Prozent.

VDW erwartet ein Minus von rund 10 Prozent

Indien positioniert sich mittlerweile auf Platz sechs der größten Absatzmärkte. Die Ausfuhren stiegen dabei um satte 36 Prozent. Auch des gut laufenden Exportgeschäfts mit Südkorea hielt sich Asien als Region damit fast auf Vorjahresniveau. Generell soll sich das konjunkturelle Umfeld 2025 mit sinkenden Zinsen, einer Normalisierung der Inflation und einer Belebung des Privatkonsums aber wieder ein wenig verbessern. Der Auftragseingang – Frühindikator für die weitere Entwicklung – ist im vergangenen Jahr deutlich gesunken – bis November um 22 Prozent. Am aktuellen Rand deute sich allerdings eine Bodenbildung an. Das Inland verlor ein Zehntel, das Ausland hingegen mit 27 Prozent fast dreimal so viel. Der Rückgang verteilt sich auf die gesamte Triade. Auch wenn sich die Nachfrage nach Werkzeugmaschinen stabilisiere und sich die Rahmenbedingungen etwas verbesserten, würde die Produktion deutlich zurückgehen. Der VDW erwartet deshalb ein Minus von 10 Prozent auf dann 13,3 Milliarden Euro.

Diversifizierung von Märkten und Branchen lässt hoffen

Rund 50 Prozent der deutschen Exporte gehen in die europäischen Nachbarländer, heißt es weiter. Mit 450 Millionen kaufkräftigen Konsumenten allein in der EU und einer beginnenden Erholung der Industrieinvestitionen bleibe der Kontinent ein interessanter und attraktiver Absatzmarkt. Dort sind deutsche Hersteller bestens etabliert, genießen einen sehr guten Ruf und sind nahe beim Kunden. „Dieses Potenzial kann in Zukunft noch stärker ausgeschöpft werden“, glaubt der VDW-Vorsitzende. Die EU-Kommission will außerdem den Aufbau wettbewerbsfähiger Industrien unterstützen. Das gilt etwa für den Digitalbereich. Im Mittelpunkt stehe die Entwicklung einer kreislauforientierten und krisenfesten Wirtschaft, die Forschung und Innovation fokussiere. Impulse für die Fertigung entstehen durch Investitionen in Modernisierung und Ersatzbedarf.

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Das europäische Investitionsgeschehen ist breit gefächert

Besonders dynamisch investierten Luftfahrt und Rüstungsindustrie in Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Investitionen in den Ausbau der Solarenergie sowie in die Wasserstoff- und Batteriefertigung sind die Konzentrationen in Spanien, Italien und Portugal. In Skandinavien, Großbritannien und den Niederlanden dominiert das Thema Windenergie. Und ebenfalls in Italien werden weitere Steuergutschriften für Investitionen in der Industrie erwartet. Die Nachfrage sollte aus diesem Grund im laufenden Jahr wieder etwas anziehen.

Osteuropa wird zum Mekka für die Elektromobilität

Der Fachkräftemangel und der notwendige Produktivitätsfortschritt treiben die Investitionen im Maschinenbau außerdem voran. Vom Ausbau der Elektromobilität in der Automobil- und Zulieferindustrie profitiere aktuell vor allem Osteuropa. Internationale OEMs bauen beispielsweise Kapazitäten in Polen, Ungarn, Rumänien und der Slowakei auf. Denn Osteuropa ist aufgrund des geringeren Lohnniveaus und der Verfügbarkeit von Arbeitskräften als Industriestandort besonders interessant. Die Region benötigt deshalb zunehmend moderne Fertigungstechnik. „Es ist nicht so, dass wir in Deutschland keine Mitarbeiter bekommen, die hervorragend ausgebildet sind und hochmotiviert an die Arbeit geben. Diese gibt es! Und es ist unsere Aufgabe, diese auch für die Werkzeugmaschine zu begeistern“, merkt Bernhard an. Denn Werkzeugmaschinen werden für die Zukunft gebraucht. „Wir kriegen eine Energiewende nämlich nicht ohne die Werkzeugmaschine hin“, fügt er hinzu. Ähnliches gelte für die Medizintechnik.

So stehen die Aktie für Deutschland in den USA

Die USA sind derzeit der größte Abnehmer mit einem Anteil von rund einem Fünftel. Die Ausfuhren sind in den letzten 24 Monaten um über 30 Prozent angestiegen, heißt es konkret. Mit niedrigeren Energiepreisen und Steuern, weniger Bürokratie und großen Ausgabenprogrammen wie dem Inflation Reduction und dem Chips Act ziehen die USA nicht zuletzt Investitionen ins Land. Das werde sich unter der neuen Regierung Trump mit America first weiter verstärken. Deutsche Hersteller können profitieren, weil sie breit aufgestellt sind und Technologien bieten, die vor Ort nicht hergestellt, zur Reindustrialisierung jedoch dringend benötigt werden, wie Bernhard glaubt. Auch produzieren schon etliche deutsche Hersteller eh in den USA, die dann von den angedrohten Zöllen nicht betroffen wären.

Das kann man derzeit über China sagen

Die aktuelle Nachfrageschwäche im zweitgrößten Markt China (mit einem Anteil von 16 Prozent an den deutschen Exporten) charakterisiert sich durch Überkapazitäten in der Industrie, Deflation, Zurückhaltung im Konsum und sinkende Investitionen in traditionelle Industrien. Der Fokus liege demgegenüber heute stärker auf Elektromobilität, Windkraft und Solarenergie. Die chinesische Regierung hat außerdem den so genannten Large Scale Equipment Renewal Plan aufgesetzt. Mit günstigen Krediten und Subventionen soll die industrielle Ausrüstung erneuert werden. Dazu gehöre auch der Ersatz von Werkzeugmaschinen, die älter als zehn Jahre sind. Zusammen mit Maßnahmen zur Konsumstützung könnten sich deshalb im laufenden Jahr in China daraus wieder erste Impulse ergeben. Für die deutschen Hersteller ist das Land der größte ausländische Produktionsstandort. Bernhard mahnt: „Um bestehen zu können, müssen die deutschen Hersteller ihren technologischen Vorsprung jedoch konsequent durch Innovationen sichern und weiter ausbauen. Große Verwerfungen könnten nicht zuletzt einen Handelskrieg zwischen den USA und China vom Zaun brechen, den die gesamte Weltwirtschaft spüren werde. „Grundsätzlich würde ein stärkerer Protektionismus mit generell höheren Importzöllen auch die europäische und deutsche Industrie und somit unsere Kunden treffen“, sorgt sich der VDW-Vorsitzende. „Angesichts sich verschärfender Handelskonflikte gewinnt local for local weiter an Bedeutung, wie Bernhard sich auf der Pressekonferenz äußerte.

Diese ausländischen Märkte tragen viel Potenzial in sich

Indien wird schon länger als Markt mit großem Zukunftspotenzial gehandelt, so der VDW-Entscheider. Die deutschen Werkzeugmaschinenexporte sind dabei in den vergangenen beiden Jahren sehr kräftig gewachsen (um über 60 Prozent). Insbesondere die größte Industriebranche – Metallerzeugung- und -bearbeitung – plant bis 2030 hohe Erweiterungsinvestitionen. Im Ausbau befindet sich auch die Automobilindustrie. Indien ist mittlerweile weltweit das viertgrößte Herstellerland. Auch der Maschinenbau spiele als Abnehmer eine wichtige Rolle. Vor Ort würden vor allem Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen, Bau- und Bergbaumaschinen, Kraftwerkstechnik sowie Kunststoffmaschinen hergestellt. Die Energiewirtschaft setzt auch hier zusehends auf regenerative Energien. Die kleineren Märkte Südostasiens, Thailand, Malaysia, Vietnam und Indonesien bieten ebenfalls Potenzial. Sie nehmen zwar nur rund 1,5 Prozent der deutschen Ausfuhren auf, doch verstärkte Anstrengungen lohnen sich dennoch, weil sich internationale Konzerne in diesen Ländern engagieren – auch als Standortalternative zu China. Damit steigt die Nachfrage nach höherwertiger, modernster Fertigungstechnik. Allerdings ist der Wettbewerb mit Japan, China und anderen asiatischen Herstellern in deren Heimatregion groß, muss Bernhard zugeben.

Neue Kunden verlangen neue Möglichkeiten

Der Transformationsprozess in der Automobilindustrie vom Verbrenner zum Elektroantrieb mit der aktuell sehr holprigen Entwicklung bringt die Werkzeugmaschinenhersteller dazu, andere Abnehmerbranchen zu erschließen. „Dass der Transformationsprozess ohne Strukturveränderungen bei den Zulieferern und Ausrüstern abläuft, war nicht zu erwarten“, macht Bernhard dazu klar. Entsprechend hat die Branche den Anteil ihrer Lieferungen in die Automobil- und Zulieferindustrie bereits verringert. In der VDW-Kundenstrukturerhebung für 2023 gingen noch 27,2 Prozent der Produktion in die Fahrzeugindustrie statt 31,1 Prozent zwei Jahre zuvor. Nun steht der Maschinenbau mit 30,1 Prozent an der Spitze der wichtigen Abnehmer. Auch andere Branchen gewinnen an Bedeutung, heißt es weiter. Es entwickeln sich im Zuge dessen neue Geschäftsfelder. Und die Luftfahrtindustrie investiert in verbrauchsärmere Flotten. In einer älter werdenden Gesellschaft spielt die Medizintechnik eine immer größere Rolle. Die Energiewende führt zu Investitionen in Windkraft, Solarenergie, Wasserstofftechnik, Kohlenstoffabscheidung und -lagerung sowie zu Wärmepumpen.

Die deutsche Industrie wird ihre Chancen nutzen

Die Ausgaben für Verteidigung und Rüstung werden in den westlichen Ländern als Folge des Angriffskrieges von Russland in der Ukraine weiter steigen, prognostiziert der VDW. Und die stark zunehmende Digitalisierung und Vernetzung stärkt die Elektronikindustrie – beispielsweise mit der Produktion hochmoderner Chips, oder dem Ausbau von Serverfarmen. Die Diversifizierung in neue Kundengruppen benötigt eine Anpassung des Angebots. Dabei könnten die Unternehmen ihre ganzen Stärken ausspielen. Treiber für die moderne Fertigungstechnik heißen Automatisierung und Digitalisierung, die durch den Arbeitskräftemangel, aber auch durch die Nachhaltigkeit verstärkt werden. Für die deutsche und europäische Industrie bestehen deshalb nach wie vor große Herausforderungen. „Doch unsere Unternehmen werden ihre Hausaufgaben machen! In dieser Hinsicht habe ich keine Sorgen“, konstatiert Bernhard abschließend.