MM-Roundtable Systemhäuser

Diese Scheinsicherheit ist völlig uninteressant

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In den Krisenzeiten haben sich die Systemhäuser darauf konzentriert, besonders hoch standardisierte kostengünstige Einführungen anzubieten. Inwieweit kommt das jetzt noch im nachhaltigen Aufschwung den Kunden zugute?

Hausen: Ich kann das so nicht nachvollziehen. In den vergangenen zwei Jahren war es vielmehr so, dass der Kunde von sich aus kleinere Pakete beauftragt hat, statt gleich die Phasen zwei, drei und vier mitzubestellen. Natürlich hat er auch bei den Konditionen härter verhandelt.

Walz: Die Verkürzung der Implementierungszeiten hat ja auch damit zu tun, dass die Standardisierung fortschreitet, weil wir zu den Kunden sagen: „Wenn du Standardprodukte mit Standardfunktionen nimmst, verkürzen sich die Einführungszeiten.“ Das widerspricht übrigens keineswegs der These von den längeren Entscheidungsdauern. Weil IT ein strategisches Thema ist, geht es mit der Frage daher, wie ein Unternehmen seine Prozesse standardisieren kann. Dafür gibt es jetzt die neuen SaaS-Produkte wie SAP Business by Design, das eine enge Standardisierung voraussetzt, aber auch die klassischen All-in-one-Lösungen unterstellen einen Standard.

Franchi: Standardisierte Lösungen sind ja nicht unbedingt die schlechtere Wahl. Ich glaube im Übrigen aber auch nicht, dass Standardisierung zwingend zu kürzeren Implementierungszeiten führt. Unabhängig von Krisen- oder Aufschwungzeiten hat die Beratungsqualität im Vorfeld an Stellenwert gewonnen. IT-Lösungen, die im Vorfeld nicht detailliert besprochen werden, kosten in der Realisierung einfach zu viel Zeit. Damit ist keiner Seite gedient.

Knobe: Bei einem unserer Kunden haben wir in Summe mehrere Jahre gebraucht, um das ERP-System eines gesamten Konzerns rund um den Globus über alle wesentlichen Geschäftsprozesse hinweg zu standardisieren. Trotz des erheblichen Aufwands ermutige ich jedes Unternehmen dazu, diesen Schritt zu gehen, denn der Aufwand macht sich schnell bezahlt, spätestens beim nächsten Releasewechsel. Neben dem Kosteneffekt erhöht sich vor allem aber die Qualität der Prozesse und Informationen. Wenn ich in dem Konzern mit seinen 20.000 Mitarbeitern, in dem ich für Finanzen und Controlling tätig war, an einem Standort irgendwo auf der Welt war und nach dem Operation Profit fragte, erhielt ich jedes Mal eine Zahl, die aber jedes Mal eine andere Bedeutung hatte. Aussagefähige Kennzahlen bekomme ich nur durch Standardisierung, wo DB 1 draufsteht sollte auch DB 1 drin sein.

* Das Gespräch leitete MM-Redakteur Peter Steinmüller

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