Werkstoffe

Edelstähle bergen noch viele Geheimnisse

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Bei der Blechumformung von zum Beispiel metastabilem Austenit wie etwa dem Klassiker 1.4301, kommt es in bestimmten Bereichen je nach Beanspruchungsart zu einer Werkstoffveränderung. Durch den Trip-Effekt findet eine Gefügeumwandlung in Umformmartensit statt. Dieser kann in bestimmten Bereichen zur Festigkeitssteigerung erwünscht sein, jedoch in jenem Bereich mit hoher Produktkomplexität ist dieser Effekt unerwünscht.

Durch prozessbedingte Maßnahmen, wie beispielsweise eine lokale Werkzeugbeheizung, kann dieser Effekt minimiert und so können komplexe Geometrien erzeugt werden. Die Vielzahl an umformtechnischen Beeinflussungsmöglichkeiten macht diese Werkstoffe gerade so interessant. Über den Werkstoff hinaus gilt es aber auch die Umformprozesse selbst zu betrachten.

Neue Werkzeugbeschichtungen erhöhen die Standzeiten enorm

„Gemeinsam mit Outokumpu Emea verfolgen wir gerade das Presshärten von nicht rostenden Edelstählen zur Erweiterung der Werkstoffpalette im Segment der ultrahochfesten Stähle“, sagt Koroschetz. Hohe Zugfestigkeiten bei gleichzeitig hohen Restdehnungen ermöglichen einen Einsatz dieser Werkstoffe zum Beispiel in crashrelevanten Bereichen von Straßenfahrzeugen.

Herausforderungen für den Umformer sind beispielsweise auch die hohen Umformtemperaturen hinsichtlich der Wechselwirkungen zwischen dem Halbzeug und dem Werkzeugwerkstoff. „Mithilfe einer Laser-Auftragschweißanlage ist es uns in Graz möglich, Aluminiumbronzen mit eingelagerten Wolframkarbiden als Werkzeugbeschichtung zu generieren, um so die Verschleißbeständigkeit zu erhöhen“, weiß Koroschetz und erzählt weiter: „Ein aktuelles Thema mit dem wir uns gerade sehr intensiv beschäftigen sind neue Methoden zur Rekristallisation von lokal, hohem Umformmartensit als Prozesszwischenschritt bei mehrstufigen Ziehprozessen mit metastabilen Austeniten.“

3. Edelstahlkolloquium greift aktuelle Themen auf

Hintergrund dafür sind die hohen Prozess- und Anschaffungskosten bei den konventionellen Technologien wie Vakuum- oder Durchlauföfen. Die gezielte Einstellung von gewünschten Gefügestrukturen für optimale Weiterverarbeitungsbedingungen wird durch eine schnelle, lokale Erwärmung gewährleistet.

Trends wie die Verarbeitung von Edelstahl-Tailored-Blanks sowie die Verarbeitung von kaltumformbaren hochfesten Edelstahlgüten sind ebenso Themen mit denen man sich am Grazer Institut beschäftigt.

Über weitere Entwicklungen rund um den Edelstahl will das 3. Edelstahlkolloquium am 21. und 22. Februar in Rauenberg bei Heidelberg mit einer Reihe hochkarätiger Referate und Diskussionen Aufschluss geben.

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