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„Sobald wir registrieren, dass ein neuer Werkstoff auf den Markt kommt, beschaffen wir ihn uns“, erläutert Dipl.-Ing. Josef Giessler, Leiter Entwicklung „Round Tools“ innerhalb der Walter AG. Dann werden Zerspanversuche durchgeführt, bis ein geeigneter Vorschlag für die Bearbeitung dieses Materials vorliegt.
Beschichtungszentren halten Beschichtungen für jeden Werkstoff parat
Andererseits kann es sein, dass dem Kunden ein neuer Werkstoff vorliegt, den er nicht optimal bearbeiten kann. Auch dann kommen die Beschichtungszentren zum Einsatz. „Das Schwierige ist, dass man manchmal gar nicht weiß, welches das Material des Kunden ist, weil es gewisse Geheimhaltungsvereinbarungen gibt,“ erklärt Martin Bieber.
„Wir bekommen zum Teil gar nicht die Spezifikationen, sondern der Zulieferer hat ein Material von seinem Kunden und muss hier die Bearbeitung durchführen“, berichtet Bieber weiter. Gerade bei hochlegierten Werkstoffen können wenige Prozent Differenz in der Zusammensetzung der Legierungsbestandteile einen großen Unterschied in der Bearbeitung ausmachen.
Und dann beginnen die Versuche, denn die Werkzeughersteller brauchen Informationen über die Zusammensetzung, die Festigkeit, die Spanbildung und das Verschleißverhalten eines Werkstoffes, um optimale Werkzeuge für die Bearbeitung entwickeln zu können. „Wenn der Kunde es wünscht, kann er sich das Ergebnis bei uns anschauen“, erklärt Josef Giessler.
Kunden erhalten Informationen zum Werkstoff vom Werkzeughersteller
Der Kunde bekommt alle Informationen über die Erfahrungen, die der Werkzeughersteller mit dem Material und dessen Bearbeitung gemacht hat. Er erhält auch alle Schnittparameter, womit und wie er das Werkzeug zur Bearbeitung einsetzen kann.
„Mein Wunsch wäre“, hofft Giessler für die Zukunft, „dass der Kunde den Prozess von der Werkzeugauswahl bis hin zu den Einstellungen an der Maschine und dem Gewindeschneidfutter als Einheit betrachtet und nicht jeden Vorgang gesondert, dann hat er beim Gewindeschneiden ziemlich gute Voraussetzungen, um Fehler zu vermeiden.“
Denn Hersteller von Werkzeugen sehen den Herstellprozess von Innengewinden nicht als separaten Vorgang an und somit auch nicht die Beratung als losgelöst von dem Endprodukt, in das das Innengewinde eingefügt werden soll.
Auch Werkzeuge zum Gewindeformen und Gewindefräsen
„Generell verkaufen wir dem Kunden keine Produkte, sondern eine Lösung“, erklärt Martin Bieber. „Die kann auch mal so ausschauen, dass wir nicht nur das Gewindebohren favorisieren, sondern auch das Gewindeformen oder das Gewindefräsen. Aber es kommt immer auf die Hardware des Kunden an und dann können wir hier die Auswahl treffen.“
Fast eine technische Revolution bahnt sich momentan im Bereich des Materials an. Immer häufiger werden Vollhartmetall-Gewindebohrer für weiche Stähle eingesetzt, die normalerweise dem Bereich Aluminium- und Gussbearbeitung vorbehalten waren.
Damit erreicht der Anwender eine vierfache Schnittgeschwindigkeit und einen vierfachen Standweg gegenüber HSS-Werkzeugen. Neben dieser höheren Zerspanleistung erhält er außerdem einen verbesserten Spanfluss und somit einen prozesssichereren Gewindebohrer und eine schneidstoffgerechtere Werkzeugkonstruktion.
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