Genau 47 Maschinenbauer und Zulieferer mit über 10 Millionen Euro Umsatz mussten im Pandemiejahr 2020 den Insolvenzantrag stellen. Doch es muss nicht das Ende sein, wenn man`s richtig macht.
Wer wegen der Corona-Pandemie den Offenbarungseid leisten musste, muss nicht zwingend am Ende sein. Davon kann die Unternehmensberatung Falkensteg berichten.
(Bild: Pixzelsium)
In diesem Jahr sind von den 47 bereits 29 der insolventen Unternehmen gerettet, so das Ergebnis einer Analyse der Unternehmensberatung Falkensteg, mit Blick auf die Verfahrensausgänge. Überwiegend erfolgt dabei die Sanierung der insolventen Großunternehmen über einen neuen Eigentümer. Die Rettungsquote von rund 62 Prozent kann sich jedoch noch erhöhen, weil derzeit neun Insolvenzverfahren aus dem Vorjahr weiterhin offen sind. Damit liegt der Maschinenbau deutlich über dem deutschen Branchendurchschnitt von 56 Prozent. Lesen Sie jetzt, wie die Lage im Maschinenbau derzeit ist und was man als Unternehmer im Falle eines Falles tun kann.
Sanierungsmaßnahme Insolvenz
„Die Insolvenz hat sich inzwischen zu einem Sanierungsinstrument entwickelt. Insbesondere die Eigenverwaltung führt zum Überleben der Pleiteunternehmen. Aber auch in der Regelinsolvenz sind die Chancen zur Sanierung gut. Die Voraussetzung ist aber, dass sich die Betroffenen frühzeitig mit der Krise befassen“, erklärt Tillmann Peeters, Rechtsanwalt, Sanierungsexperte und Gründungspartner von Falkensteg. Er begleitete als Generalbevollmächtigter das Eigenverwaltungsverfahren des Maschinenbauers Saurer Technologies bis zum Verkauf im August diesen Jahres.
Laut Peeters hat im letzten Jahr die Sanierung über einen Insolvenzplan deutlich zugenommen. So ein Plan zeigt auf, mit welchen Maßnahmen das insolvente Unternehmen erhalten und fortgeführt werden soll. Ein wesentlicher Bestandteil ist aber der Verzicht der Gläubiger auf einen Großteil ihrer Forderungen. Acht Großunternehmen konnten sich mit ihren Gläubigern darauf einigen. Das sind immerhin 25 Prozent mehr, als noch im Jahr davor.
Maschinenbauer setzen auf Asset Deal
Der gebräuchlichste Rettungsanker im Maschinenbau ist jedoch der Asset Deal. Das haben in letzter Zeit 20 Maschinenbauer getan und an einen Investor verkauft. Rund die Hälfte der Geldgeber kam aus dem Ausland. Dabei wird im Prinzip kein Unternehmen verkauft, sondern der Unternehmer verkauft sein Vermögen. Veräußert werden alle zum Unternehmen gehörenden Wirtschaftsgüter, inklusive Arbeits-, Vertrags- und andere Rechtsverhältnisse. Diese Werte werden im Asset-Deal-Kaufvertrag erfasst, wenn der Käufer diese haben möchte. Es findet aber eine Übertragung vom bisherigen Rechtsträger auf den Käufer statt. Damit ist trotz Corona die Entwicklung am Distressed-M&A-Markt (steht für Fusionen und Übernahmen) für deutsche Maschinenbauer fast gleichgeblieben. In den beiden Jahren zuvor wechselten jeweils 18 insolvente Unternehmen ihren Eigentümer.
Deutlich kürzere Verfahrensabwicklung
Egal, ob Asset Deal oder Insolvenzplan, bei beiden Sanierungswegen konnte die Verfahrensdauer erheblich verringert werden. „Im Durchschnitt wird ein insolventes Unternehmen nach 144 Tagen verkauft. Der Insolvenzplan benötigt rund zwei Monate mehr“, so die Erfahrung von Peeters. Trotz der Schwierigkeiten durch Corona konnte die Zeit zwischen Antragstellung und Verfahrensende im Vergleich zum Vorjahr sogar noch verkürzt werden. Der Verkauf dauerte damals 185 Tage und die Planlösung 271 Tage.
Zahl der Insolvenzen wird zunehmen
„Wir haben eine eingefrorene Krise, denn der Staat die Unternehmen mit Liquidität überschüttet. Wenn diese Hilfen auslaufen und die Rückzahlungen der Kredite anstehen, werden viele Unternehmen die finanzielle Belastung nicht leisten können“, blickt Peeters in die Zukunft. Dann werden sich die Insolvenzen häufen und die Distressed-M&A-Deals zunehmen. Für die staatlichen Hebel wie Kurzarbeitergeld, KfW-Kredite und Überbrückungshilfen hat der Bund seit Beginn der Pandemie im Februar 2020 übrigens bereits über 153 Milliarden Euro ausgeschüttet.
Tappen Sie nicht in die Liquiditätsfalle
Doch die Maschinenbauer stehen nun vor der Herausforderung, die Liquiditätsfalle zu umgehen. Überraschender Weise nehmen die Insolvenzen nicht in, sondern erst nach einer Krise zu. So stiegen die Pleiten erst zwei Jahre nach der Finanzkrise 2008 und der Dotcom-Blase um 10 respektive 16 Prozent. Die Zeichen lassen vermuten, dass es wieder so kommt. Denn die Umsätze sind stark eingebrochen, die Reserven aufgebraucht und die Banken halten sich bei der Neuvergabe von Krediten zurück. Damit fehlt den meisten Unternehmen die Liquidität, um Rohstoffe vorzufinanzieren, zusätzliche Mitarbeiter einzustellen und die laufenden staatlichen Krisenkredite zu bedienen.
„Darüber hinaus dürften aufgrund der Rohstoffknappheit und des mit Sicherheit noch länger andauernden Chip-Mangels einerseits die Preise steigen und anderseits kommt es zu längeren Lieferzeiten der bestellten Maschinen. Somit wird auch die Bezahlung weiter nach hinten geschoben und die Vorfinanzierungskosten stark zunehmen“, erklärt Peeters dazu. Die Unternehmen müssen deshalb ihre Hausaufgaben machen und ihre Schuldensituation restrukturieren. Zuallererst sollte das Working-Capital-Management optimiert werden“, rät der Sanierungsexperte.
Stand: 08.12.2025
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KMUs trifft es momentan am stärksten
Die Zeit drängt, denn die Liquiditätsfalle scheint sich im Maschinenbau bereits auszuwirken. Denn trotz guter Auftragslage der Unternehmen haben sich die Insolvenzen im ersten Halbjahr 2021 mit 17 Pleiten auf dem Vorjahresniveau gehalten. Über alle Branchen hinweg sanken dagegen die Pleitefälle bei den Großunternehmen von 174 (1. Halbjahr 2020) auf 72 – einem Minus von 59 Prozent, so die Analyse von Falkensteg.