Konstruktion

Neue Dächer für den Sport entstehen durch Profile

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Die einzige Abweichung vom herkömmlichen Speichenrad-Prinzip besteht darin, dass beim Bay-Arena-Dachtragwerk die „Speichen“ aus Stahlseilen nicht an der Nabe, sondern an der äußeren Felge kreuzweise angeschlossen sind.

Erfahrene Unternehmen errichten Stahlkonstruktion

Die Ausführung der Stahlkonstruktion übernahm die Firmengruppe Max Bögl auf Grundlage des Entwurfs vom Architekturbüro HPP Hentrich-Petschnigg & Partner aus Düsseldorf und der Tragwerkplanung von Schlaich Bergermann und Partner aus Stuttgart. Diese Allianz von Stahlbauexperten hatte sich bereits bei der Erstellung des konstruktiv verwandten Daches der Commerzbank-Arena Frankfurt bewährt.

Seitens des Stahlbaus war nun auch in Leverkusen eine Menge an Material zu bewegen: Es galt, eine Konstruktion mit einem Gesamtgewicht von über 2800 t im Rahmen engster Terminplanung zu erstellen, gehalten von fast 10 km Stahlseilen, die für Einsätze in Konstruktionsbereichen mit hoher Zugbelastung Dicken von bis zu 70 mm erreichen.

Ein Drittel der Stahlkonstruktion für das Stadiondach aus MSH-Profilen

Fast ein Drittel der Stahlkonstruktion für das 28000 m2 große Stadiondach – genau 870 t – besteht aus MSH-Profilen von V & M Tubes. Die Hohlprofile mit weitgehend quadratischen Querschnitten kamen als Sprossen zur Auflage der Eindeckung aus Makrolon-Platten zum Einsatz, darüber hinaus bilden sie die Fachwerkpfetten und – in kreisförmiger Variante – die Diagonalen zwischen Druck- und Zugring am äußeren Rand der Tragkonstruktion aus.

Die Architekten hatten in ihrem Entwurf besonderen Wert auf ein schlankes, filigranes Erscheinungsbild der Gesamtkonstruktion gelegt und wollten mit dem Ziel möglichst homogener konstruktiver Ansichten die Profilvarianten im Querschnitt letztlich auf ein Minimum reduzieren. Durchgängig einheitliche Profilbreiten von 80 mm konnten in Verbindung mit Profilhöhen von 120, 140 und 160 mm allen spezifischen statischen Anforderungen gerecht werden, vor allem durch die mögliche Variation bei den Wanddicken.

Italienischer Stahlbauspezialist entdeckt Hohlprofile

Dass hinter spektakulären Stadionbauten immer auch spezialisierte Stahlbau-Unternehmen stecken, beweist auf internationaler Ebene der norditalienische Stahlbauer Cimolai S.p.A. aus Pordenone. Die MSH-bezogene Kooperation zwischen Cimolai und Vallourec Italiana S.r.l. ist noch keine Dekade alt, weist aber bereits mehrere bemerkenswerte Projekte auf. Rund 1200 t der Profile gingen in die Dachkonstruktion der im Juli dieses Jahres fertiggestellten Fußball- und Rugby-Arena in Dublin, etwa 1000 t wurden bei der kürbisartigen Tragkonstruktion für das Fußball-WM-Stadion in Johannesburg verbaut, das anlässlich der Fußball-WM 2010 eingeweiht wird.

Übrigens hat der italienische Stahlbauspezialist Cimolai das Hohlprofil auch für andere, gänzlich unsportliche Konstruktionsanwendungen entdeckt: 240 t MSH-Profile wurden jüngst in einem Service-Hangar am New Doha International Airport in Qatar verbaut, und weitere 30 t Hohlprofile bilden konstruktive Elemente der von Stararchitekt Calatrava entworfenen Woodall Rodgers Extension Bridge in Dallas, Texas. So trifft die Bezeichnung „Sportprofil“ letztlich doch nur auf einen Teil des Anwendungsspektrums von MSH zu, wenn auch auf einen sehr wesentlichen.

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