Die Industrie in Deutschland investiert verstärkt in Klimaschutz. Gut 4,15 Milliarden Euro wandten produzierende Unternehmen (ohne Baugewerbe) im Jahr 2021 auf, so Destatis.
Produzierende Unternehmen in Deutschland gaben von 2011 bis 2021 über 70 Prozent mehr Geld für den Klimaschutz aus, wie Destatis analysiert hat. Damit wird der Klimaschutz aber auch zum Wirtschaftsfaktor. Lesen Sie hier, wie sich die Investitionen auswirken.
(Bild: Bundesumweltmininsterium)
Für Anlagen zur Vermeidung von Emissionen oder für eine schonenderen Nutzung von Ressourcen gaben produzierende Unternehmen in Deutschland viel Geld aus. Damit sind die Investitionen in diesem Bereich binnen 10 Jahren um 74,3 Prozent gestiegen, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) vor dem Start der Weltklimakonferenz am 30. November mitteilt. Im Jahr 2011 hatten die Klimaschutzinvestitionen noch bei etwa 2,38 Milliarden Euro gelegen. Gründe für den Anstieg dürften sowohl gesetzliche Regelungen als auch die staatliche Förderung sein. Der Staat fördert bekanntlich seit Jahren die Umstellung auf Produktionsprozesse, die weniger Energie verbrauchen und deshalb das Klima schonen sollen.
Löwenanteil geht in erneuerbare Energien
Im Rahmen der Energiewende ist die Dekarbonisierung der Industrie, also die Abkehr von kohlenstoffbasierten Energieträgern, seit Längerem ein Ziel der Klimaschutzpolitik. Das spiegle sich auch in den Klimaschutzinvestitionen der Unternehmen wider. Denn Knapp 49,2 Prozent der Investitionen flossen 2021 in Maßnahmen zur Nutzung erneuerbarer Energien (2,04 Milliarden Euro). Dazu zählen vor allem Windkraft- und Photovoltaik. Weitere knapp 1,63 Milliarden Euro (39,2 Prozent) wurden ausgegeben, um die Energieeffizienz zu steigern und den Energiebedarf damit zu senken, heißt es weiter. Dazu gehören die Wärmedämmung von Gebäuden oder Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung. Investitionen in Maßnahmen zur Vermeidung von Treibhausgasen gemäß des Kyoto-Protokolls waren mit gut 480 Millionen Euro (11,6 Prozent) zwar vergleichsweise gering, aber klimabezogen genauso wichtig. Das betrifft zum Beispiel den Austausch herkömmlicher Klima- und Kälteanlagen gegen Anlagen, die mit halogenfreien und damit klimafreundlicheren Kältemitteln arbeiten.
Kassen klingeln bei Klimaschutzprodukten
Dass Klimaschutz zunehmend zum Wirtschaftsfaktor geworden ist, zeigt sich auch in den Umsätzen, die mit entsprechenden Systemen und Leistungen erzielt werden, führt Destatis weiter aus. Die Betriebe des Produzierenden Gewerbes und des Dienstleistungssektors in Deutschland erwirtschafteten nämlich im Jahr 2021 einen Umsatz von gut 52,8 Milliarden Euro mit Klimaschutzprodukten. Das entspricht im Vergleich zum Vorjahr einem Anstieg von 11,9 Prozent. Dabei gab es das größte Plus (24 Prozent beziehungsweise 920 Millionen Euro auf insgesamt 4,8 Milliarden Euro) im Jahr 2021 im Bereich Solarenergie, so die Analyse. Im Vergleich zu 2011 sind die Umsätze mit Klimaschutzprodukten insgesamt um 16 Prozent gestiegen.
Mit gut 28,6 Milliarden Euro entfiel über die Hälfte (54,2 Prozent) des Umsatzes im Jahr 2021 wieder auf Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz und zur Senkung des Energiebedarfs. Viel davon hat die Wärmedämmung von Gebäuden mit knapp 10,2 Milliarden Euro Umsatz generiert. Weitere 42,3 Prozent (22,4 Milliarden Euro) des Umsatzes entfielen auf Maßnahmen, die es erlauben, auf erneuerbare Energien zu setzen. Besonders bedeutend ist hier dabei die Herstellung und Installation von Windkraftanlagen (11,8 Milliarden Euro).
Klimaschutztrend fördert green Jobs
Die wachsende Bedeutung von Umweltschutz im Allgemeinen und der Klimaschutz im Besonderen wirkt sich offensichtlich auch auf die Arbeitsplatzstruktur aus. In Deutschland arbeiteten im Jahr 2021 rund 341.200 Beschäftigte (gemessen in Vollzeitäquivalenten) in sogenannten green Jobs, also für die Produktion von Gütern und Leistungen für den Umweltschutz, zu dem der Klimaschutz ja gehört. Das bedeutet eine Steigerung von 9,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im 10-Jahres-Vergleich ist die Zahl der Beschäftigten im Umweltschutz dabei um 44,3 Prozent gestiegen.
Knapp zwei Drittel (65,6 Prozent) der green Jobs fand man im Jahr 2021 im verarbeitenden Gewerbe, beispielsweise im Rahmen der Herstellung von Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien. Knapp ein Fünftel (19,1 Prozent) der Beschäftigten im Bereich Umweltschutz arbeitete im Baugewerbe. Zum Beispiel im Bereich der Wärmedämmung von Gebäuden. Auf den Dienstleistungssektor, in den etwa die Planung und Projektentwicklung zur Nutzung erneuerbarer Energien in Architektur- und Ingenieurbüros fällt, entfielen 13,6 Prozent der green Jobs.
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