Während Harald Steiner, Geschäftsführer der BVS Gruppe, auf der einen Seite dank Corona die Vorteile des Homeoffice für Verwaltungsmitarbeiter schätzen gelernt hat und dieses Arbeitsmodell über die Pandemie hinaus im Unternehmen implementieren wird, ist ihm auf der anderen Seite das Fehlen des persönlichen Kontakts schmerzlich bewusst. „Besonders mit Kunden ist das Shaking-Hands durch nichts zu ersetzen!“
Harald Steiner ist Geschäftsführer der BVS Gruppe.
(Bild: BVS)
Beschreiben Sie das allgemeine Stimmungsbild in Ihrem Unternehmen.
Die BVS Gruppe besteht aus drei Standorten: Böblingen, Schwerin und Jinan in China. Wir sind Auftragsfertiger für Produkte aus Feinblech für die technische Industrie oder auch zum Beispiel Medizintechnik, elektrotechnische Industrie, Messtechnik und Luftfahrt. Das führt dazu, dass wir in abwechslungsreiche Projekte mit spannenden Kunden involviert sind. Wir sind oft an der Entwicklung neuester Technologien und Produkten beteiligt. Dabei blicken wir auf über 30 Jahre Erfahrung zurück. Doch so etwas haben wir noch nicht erlebt.
Ich hoffe auf ein baldiges Ende der Pandemie und eine Normalisierung des täglichen Lebens. Wir haben verschiedene betriebsinterne Corona-Regeln eingeführt, auf die wir sehr bedacht sind. Uns ist ein vorsichtiger Umgang miteinander wichtig. So haben wir auch im Büro ein Schichtsystem implementiert, um die Anzahl der Personen im selben Raum zu reduzieren. Doch dadurch geht auch der schnelle Kontakt zu Kollegen verloren, die Kommunikation ist aufwendiger. Es fehlen zum Beispiel auch Möglichkeiten sich außerhalb des Betriebs auszutauschen, was meiner Meinung nach wichtig für die Stimmung und den Zusammenhalt unter den Mitarbeitern ist – so hatten wir in diesem Jahr keine gemeinsame Neujahrsfeier, was wir alle sehr bedauert haben.
Aber natürlich fehlt vor allem auch der persönliche Kontakt, also Besuche und Präsenztermine, zu unseren Kunden. Ich merke, Videokonferenzen ersetzen einfach nicht das Shaking-Hands!
Welche Probleme/Herausforderungen treten(/traten?) in Ihrem Unternehmen während der Covid-19-Krise auf?
Wir beliefern viele Branchen. Herausforderungen hatten wir aber naheliegenderweise besonders mit Kundenaufträgen aus dank Corona kriselnden Branchen.
Aber nicht nur in der Produktion, sondern auch in unseren internen Betriebsabläufen mussten und müssen wir viel Agilität an den Tag legen: Beispielsweise bei der schnellen Anpassung an wechselnde, aktuelle politischen Pandemie-Vorschriften. Es müssen immer wieder neu Regeln für die Produktionsmitarbeiter und Regeln für die Verwaltungsmitarbeiter abgestimmt werden. Hier gilt mein Dank auch ausdrücklich unserer Belegschaft, denn die Mitarbeiter müssen aktuell ein hohes Maß an Flexibilität beweisen.
Harald Steiner
„Zur Person“
2017 Gründung Tochtergesellschaft BVS Systemtechnik in Schwerin
2008 Gründung des Joint Ventures BVS Chenghua in China
1995 Übernahme der Blechfertigung von Hewlett Packard in Böblingen
1989 Gründung der BVS Blechtechnik in Böblingen
Werden wir wieder zu einem „Normalzustand“ wie vor der Krise zurückkehren oder werden sich Prozesse und Abläufe künftig dauerhaft ändern? Wenn ja, mit welchen Änderungen rechnen Sie?
Ich glaube nicht. Ich glaube, dass es einen Bereich gibt, auf den sich diese Pandemie dauerhaft auswirken wird. Oben haben ich erwähnt, dass für mich ein Shaking-Hands durch nichts zu ersetzen ist. Ich denke aber, dass generell betrachtet, die Bedeutung von Dienstreisen und Messen nachhaltig reduziert bleiben wird. Ich bin mir sicher, es wird zukünftig weniger persönliche Treffen und weniger Messebesuche geben.
Welche Lerneffekte haben Sie aus der Krisensituation mitgenommen und fühlen Sie sich für die Zukunft gewappnet?
Das kann ich kurz und bündig beantworten: Gemeinsam sind wir stark!
Gibt es positive Aspekte, die Sie für Ihren Arbeitsalltag aus der Covid-19-Krise mitnehmen?
Tatsächlich haben wir festgestellt, dass Homeoffice eine gute Alternative für Mitarbeiter in der Verwaltung ist, um auch in Zukunft flexibel von zu Hause arbeiten zu können. Das sind für mein Unternehmen neue Arbeitsmodelle, die sich jetzt bewährt haben.
Welchen Herausforderungen abseits von der Covid-19-Krise sehen Sie sich in Ihrem Arbeitsalltag derzeit ausgesetzt?
Die Versorgung mit Rohmaterial ist aktuell wirklich besorgniserregend. Wir sehen uns einer Situation ausgesetzt, in der es praktisch keine Verfügbarkeit gibt. Was natürlich parallel von einem extremen Preisanstieg für Stahlbleche begleitet wird.
Wie hat sich Ihre Arbeit in den vergangenen Jahren verändert?
Mit einem Satz: schneller, höher, weiter. Die Erwartungen an kurze Reaktionszeiten sind deutlich gestiegen, die technischen Anforderungen wachsen rasant und nicht zuletzt nehmen die Anforderungen an Mitarbeiter und an Prozesse stetig zu.
Welche persönlichen Worte möchten Sie Kolleg*innen in Ihrer Branche und Ihrem Unternehmen mit auf den Weg geben?
Ich bedanke mich ausdrücklich bei allen Mitarbeiter*innen für die schnelle Umsetzung der wechselnden Arbeitsregeln und für ihren Einsatz während der Kurzarbeit und dem Schichtbetrieb in allen Bereichen. Wir wollen jetzt gemeinsam zuversichtlich sein und nach vorne schauen! Wir haben die Zeit nach der Pandemie vor Augen und hoffen, im Sommer wieder in einen normalen Arbeitsalltag zurück zu kehren!
Gemeinsam aus der Krise
Durchstarten 2021
In dieser Interviewreihe geben unsere Leser*innen Einblicke in die Herausforderungen und Chancen der Corona-Pandemie. Sie verraten, was sie aus dem Krisenjahr 2020 gelernt haben. Sämtliche Interviews finden Sie unter www.blechnet.com/durchstarten
Stand: 08.12.2025
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