Halbzeuge

Walzplattierte Bänder erfüllen höchste Ansprüche in hochsensibler Elektronik

Seite: 2/2

Anbieter zum Thema

„Die Oberflächentopografie der aufgerauten Bänder zeigt sich in der Vergrößerung wie ein Gebirge von oben“, erklärt Schmidt. Während des Plattierprozesses wird damit eine mechanische Verhakung erzielt, die letztlich für einen optimierten Haftungsmechanismus der einzelnen Schichten sorgt. Experten sprechen in diesem Zusammenhang vom Kaltschweißverfahren. Dabei werden die Banddicken oft um bis zu 50 % der Ausgangsdicke verringert.

Walzplattierte Bänder zusammen mit Oberflächenveredelungsverfahren herstellbar

Als Plattierwerkstoffe kommen insbesondere Edelmetalle oder Legierungen auf Basis von Gold, Palladium, Silber oder Kupfer- und Aluminiumlegierungen zur Anwendung. „Dafür sind wir völlig offen“, sagt Schmidt und ergänzt: „Wir walzen all das, was unsere Kunden für ihre besonderen Anwendungsfälle wünschen und benötigen.“

Darüber hinaus können die walzplattierten Bänder durch zusätzliche Oberflächenveredlungsverfahren und in Kombination mit diesen hergestellt werden. Ist der Plattierprozess abgeschlossen, wird das Band in einem Wärmeprozess weiterbehandelt und wenn notwendig noch einmal gewalzt. „In diesem Prozess“, so Schmidt, „stellen wir die vom Kunden gewünschten Festigkeiten und Banddicken ein.“

Wie bereits erwähnt geht das Gros der walzplattierten Bänder an die Zulieferer von elektronischen Bauteilen der Automobilindustrie. Dort stellt man an das Material die höchsten Ansprüche, die insbesondere von den dort herrschenden Sicherheitsstandards herrühren.

Walzplattierte Bänder in einer Vielzahl von Werkstoff- und Verfahrenskombinationen

Heraeus stanzt und biegt aber auch selbst einen Teil seiner walzplattierten Bänder. So entsteht in Stanz-Biege-Prozessen eine Vielzahl variantenreicher,dreidimensionaler Stanzgitter, die dann ebenso im Automobilbereich oder auch in anderen Bereichen der Kontakttechnik ihre Anwendung finden. Dabei muss in erster Linie sichergestellt sein, dass die Kriterien für die thermische Stabilität, das Wärmeleitvermögen und die elektrische Leitfähigkeit absolut erfüllt werden.

Insgesamt sind walzplattierte Bänder, die bei Heraeus in einer Vielzahl von Werkstoff- und Verfahrenskombinationen produziert werden, immer dort einzusetzen, wo herkömmliche Werkstoffe nicht ausreichen.

Die Experten der Heraeus-Forschungs-, Fertigungs- und Vertriebsbereiche sind demnach permanent auf der Suche nach neuen Anwendungen, auch außerhalb der Automobilanwendungen. Die zunehmende Welt der Elektronik, die damit auch einen steigenden Bedarf an zuverlässigem Kontaktmaterial hat, ist für den hessischen Edelmetallspezialisten eine tägliche Herausforderung.

Dass die Heraeus-Walzexperten aber mehr können, zeigt sich in einem Exklusivprojekt, das für das europäische Kernforschungszentrum CERN realisiert wurde:

Ergänzendes zum Thema
Spezielle walzplattierte Bänder helfen, den Urknall zu erforschen

Das Kernforschungszentrum CERN in der Schweiz führt physikalische Grundlagenforschungen durch. Eine wichtige Anlage dafür ist der größte und schnellste Teilchenbeschleuniger der Welt mit dem Namen LHC (Large Hadron Collider). Mit ihm untersuchen die Forscher unter anderem den Aufbau von Materie und den Ursprung des Universums.

Bereits 2005 lieferte Heraeus für den LHC speziell walzplattierte Bänder mit Sägezahnprofil. Diese verwendeten die Wissenschaftler für die Teilchenstrahlführung der Beschleunigungsröhrchen des technisch anspruchsvollen Systems.

Nach mehreren Ausfällen, unter anderem durch eine Beschädigung des Kühlsystems, drohte ein weiterer Stillstand durch fehlende Ersatzteile. Deshalb erhielt der Geschäftsbereich Heraeus Materials Technology in Hanau den Auftrag, gemeinsam mit anderen deutschen und britischen Firmen entsprechende Teile zu fertigen.

In einem langwierigen und von zahlreichen Versuchen begleiteten Prozess, stellte Heraeus die Beschleunigungsröhrchen innerhalb von zwei Jahren her.

Die Produktionsphase bei Heraeus umfasste das Walzplattieren und hochgenaue Einbringen eines Sägezahnprofils in die Bänder. Abschließend wurden die Bänder in speziellen Fertigungsschritten zu Rohren verarbeitet.

Walzplattierung und Sägezahnprofil forderten die Experten in der Fertigung

Dabei war die Walzplattierung des Bandes nur eine der Besonderheiten, die die Fertigung bei Heraeus mit sich brachte. Auch das Sägezahnprofil ist laut Joachim-Franz Schmidt, Fertigungsleiter Walzwerk bei Heraeus, „recht exotisch und lässt sich nicht auf jeder x-beliebigen Maschine herstellen.“ Er ergänzt: „Das Sägezahnprofil wird durch Rollen hergestellt. Zwar wäre es auch möglich, das Profil zu stanzen, aber das dafür benötigte Werkzeug wäre nicht nur sehr komplex im Aufbau, sondern auch sehr teuer. Die stattdessen eingesetzte Rolle hat eine vergleichsweise einfache Struktur, bei der es nur darauf ankommt, das Profil hoch- und toleranzgenau zu schleifen, aber gerade die Fertigung sehr komplexer Strukturen und Formen ist Teil unserer täglichen Arbeit.“

Die besonderen Anforderungen galten dem Material und seiner Verarbeitung

Der speziell hergestellte Sonderstahl wurde von Heraeus mit einer nur wenige Mikrometer dicken Kupferschicht plattiert und gleichzeitig mithilfe einer Profilanlage mit dem Sägezahn-Spezialprofil versehen. „Eine große Herausforderung ist die Qualitätssicherung. Jeder der Bandabschnitte muss eine absolut identische Qualität und Verarbeitung haben. Dies gilt vor allem für die profilierten Sägezähne auf der Kupferschicht“, erklärt Schmidt.

Die Sägezähne dienen der Reflexion der bei den Experimenten im LHC aus der Teilchenkollision freigesetzten Strahlung. Jede winzigste Abweichung in der Sägezahngeometrie könnte den Reflexionswinkel verändern und damit zu fehlerhaften Messergebnissen führen.

Um die Teilchen in den 27 km langen Beschleunigungsröhren des LHC in die richtige Spur zu lenken, werden sie im Vakuum bei Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt von zahllosen supraleitenden Magneten gelenkt. Diese extremen Bedingungen stellen besondere Anforderungen an die Materialien. Die walzplattierten Bänder müssen auch bei –270 °C, der Betriebstemperatur des LHC, ihre besonderen magnetischen Eigenschaften und mechanische Stabilität beibehalten.

(ID:32823250)