Laser-Historie Teil 1

Zeitzeugen berichten, wie der Laser „zoom“ gemacht hat

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Eine neue Zeit bricht an – auch für die Anzeiger derselben...

Der erste Schub nach vorne kam für den jungen Ingenieur mit einem weiteren Kunden, dem Feinwerkspezialist Carl Haas aus Schramberg. Denn er war auf der Suche nach einem Fertigungsverfahren, mit dem sich Unruhfedern von Uhren zuverlässig schweißen lassen. Seilers Laserlaborgerät schnitt bei den Versuchen so gut ab, dass Haas ihm 1971 einen Posten anbot. Weil Seiler sich bei Zeiss als Einzelkämpfer sah, wechselte er nach Schramberg, wo er mit einem kleinen Team einen industrietauglichen Festkörperlaser entwickelte. Der Laser löste damit den bisherigen Klebeprozess ab und fixierte die Unruhfedern in einem Zehntel der Zeit. Der Durchbruch kam dann Ende der 1970er Jahre bei der Fertigung von Teilen für die Bildröhre der neuen Farbfernseher (siehe Aufmacherbild). Denn erst mit dem Laser ließ sich das Schweißen automatisieren. Das gab auch kräftigen Rückenwind für das Team um Seiler, der später zum Geschäftsführer der eigenständigen Haas Laser GmbH aufsteigt und seit 1992 zum Unternehmen Trumpf gehört.

Gas- oder lieber Festkörperlaser?

Bei Trumpf war die Lasertechnik damals Chefsache. Berthold Leibinger, erst Konstrukteur und ab 1966 technischer Geschäftsführer, flog 1978 nach Amerika und schaute sich mehrere Laserhersteller an. Was er dort sah, war aber alles andere als industrietauglich. Dennoch kaufte er einen ersten CO2-Laser. Nach einem Jahr intensivster Entwicklungsarbeit präsentierte er darauf basierend die erste Laserschneidmaschine.

Interessant war dabei der Unterschied zwischen Gas- und Festkörperlaser. „Der CO2 Laser war eigentlich der erste Laser, der hohe Leistungen im Dauerstrichbetrieb liefern konnte“, so Christian Schmitz, der heutige CEO Lasertechnik von Trumpf. „Der Festkörperlaser konnte mit hoher Pulsspitzenleistung damals kleine Schweißpunkte in der Elektronik setzen, führt Schmitz weiter aus. Das Schneiden und Schweißen von Blechteilen sollte dann für 20 Jahre eine Domäne der CO2-Laser bleiben. Erst zur Jahrtausendwende kam mit effizienteren Diodenlasern die „Morgendämmerung“ für den Festkörperlaser.

Auch Licht lässt sich nach Maß anfertigen!

Die 80er Jahre brachten dann eine neue Generation von Wissenschaftlern und eine Reihe von Institutsgründungen. Mit dabei war Reinhart Poprawe. Fasziniert vom Besuch des Lawrence Livermore National Laboratory in Kalifornien studierte und promovierte er bei Professor Gerd Herziger an der TH Darmstadt. 1985 startete er mit ihm das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT in Aachen. Dort wurde er Direktor, nachdem er noch ein paar Jahre als Geschäftsführer bei der Thyssen Laser Technik GmbH gearbeitet hatte. Das Unternehmen machte sich vor allem einen Namen mit den ersten Großanlagen zum Laserschneiden von dicken Blechen und der Entwicklung der nächsten Generation der Tailored Blanks, der maßgeschneiderten Automobilbleche.

Prof. Reinhart Poprawe, ehemaliger Leiter des Fraunhofer ILT in Aachen: „Im Moment wird sehr viel Forschung rund um die Wechselwirkungen von Photonen mit Biomaterie betrieben. Das geht dann auch in Richtung Biomaterialien, bei denen sich irgendwann auch Organe, sprich Zellgewebe, additiv fertigen lassen.“ (Bild:  Fraunhofer-ILT / A. Steindl)
Prof. Reinhart Poprawe, ehemaliger Leiter des Fraunhofer ILT in Aachen: „Im Moment wird sehr viel Forschung rund um die Wechselwirkungen von Photonen mit Biomaterie betrieben. Das geht dann auch in Richtung Biomaterialien, bei denen sich irgendwann auch Organe, sprich Zellgewebe, additiv fertigen lassen.“
(Bild: Fraunhofer-ILT / A. Steindl)

Zurück am ILT durfte Poprawe miterleben, wie der Laser in immer neuen Varianten die Werkhallen eroberte. Rückblickend zählt er unter anderem die Ultrakurzpulstechnik, der Innoslab-Laser und letztendlich das Konzept „Tailored Light“ zu den Highlights. Dabei liefert die Lasertechnologie maßgeschneidertes Licht, das nur durch die Anwendung definiert wird. (Hier geht es übrigens noch zu einem passenden Interview mit Prof. Poprawe in Sachen Lasergeschichte).

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