Suchen

Prozesssicherheit

Bakterien erfolgreich die Grundlage entziehen

| Autor/ Redakteur: Constanze Mollard / Stéphane Itasse

Feuchte Umgebungen wie Spülzonen oder Prozessbäder bieten Bakterien den perfekten Nährboden. Chemische Keulen wirken nur bedingt, weil sich die Keime im Laufe der Zeit daran anpassen. Beschichter sollten deshalb auch auf physikalische Verfahren setzen.

Firmen zum Thema

Überall, wo es feucht und gerne auch warm ist, siedeln sich Bakterien in größerer Zahl an.
Überall, wo es feucht und gerne auch warm ist, siedeln sich Bakterien in größerer Zahl an.
(Bild: Emil Frei Lacke)

Während der Elektrotauchlackierung (ETL) durchlaufen Bauteile verschiedene Prozesse, die als Hauptbestandteil vollentsalztes Wasser (VE-Wasser) enthalten. Auch in den Spülzonen der Vor- und Nachbehandlung herrscht eine hohe Luftfeuchtigkeit, die besonders in den warmen Sommermonaten Bakterien eine regelrechte Wohlfühloase bietet. Nicht von ungefähr entpuppen sich diese Spülzonen bei Hygieneaudits immer wieder als Bakterienherde: Zum einen erfolgt hier ein Eintrag von den Spülzonen nach der Vorbehandlung in das Lackbecken, zum anderen wird über eine Kaskadenführung das festkörperhaltige Ultrafiltrat aus den Spülzonen in das Lackbecken zurückgeführt. Besonders die Vorratstanks der VE-Wasser- und UF-Kreisläufe sind oft Auslöser einer Verkeimung. Unternehmen sollten von unnötigen Puffertanks absehen. Runde Behälter mit großen Öffnungen können zudem die regelmäßige Reinigung deutlich erleichtern.

Bakterienbefall nachweisen

Aufgrund der Kreislaufführung verunreinigen und verkeimen die Bäder immer mehr. Konnte dies in der Vergangenheit durch den Einsatz von chemischen Zusatzstoffen im Lack abgepuffert werden, so sind die Lackformulierungen heute immer umweltverträglicher und die Bäder damit mikrobiologisch immer anfälliger. Ob ein Bakterienbefall vorliegt und welches Ausmaß dieser hat, lässt sich über den Eintauchnährboden ermitteln. In der anodischen Tauchlackierung ist dies eine gängige Methode, bei kathodischen Tauchlacken sind die Ergebnisse jedoch nicht immer aussagekräftig, sodass hier auch andere Analysemethoden zur Anwendung kommen.

Bildergalerie

Jede Anlage reagiert anders auf einen Bakterienbefall: Kommt es bei einem Kunden bereits bei 10³ KBE (koloniebildende Einheiten) zu Beschichtungsproblemen, so können andere noch bis zu einem Befall von 107 KBE produzieren. Durch das Ausscheiden von Stoffwechselprodukten bei einem Bakterienbefall verschiebt sich auch der pH-Wert, der einen erheblichen Einfluss auf die Badstabilität hat. Außerdem führt ein mikrobielles Wachstum zum Zusetzen von Filtern und UF-Modulen sowie Beschichtungsstörungen in Form einer rauen, ungleichmäßigen Oberfläche, die bei hellen Farbtönen oft einen Rotstich aufweist.

Ergänzendes zum Thema
Biofilme
Pseudomonaden: Anpassungsfähig und beständig

Diese bilden, wie der Name schon sagt, Schleim, der unter dem Namen Biofilm geläufig ist. Der Biofilm fungiert ab einer bestimmten Dicke als Schutzschild und schützt die Bakterien vor chemischen Wirkstoffen, den Bakteriziden. Wird ein Bakterizid zugegeben, so greift dieses nur die obere Schicht an, während die Vermehrung unvermindert weitergeht. Im Laufe der Zeit entsteht eine Beständigkeit gegen das Bakterizid; man spricht von Adaption.

Immer größere Mengen derselben Chemie sind nötig, um die Schleimbildung zu verhindern, was langfristig gesehen unwirtschaftlich ist. Eine weitere Möglichkeit, der Adaption der Keime entgegenzuwirken, ist die Konfrontation der Mikroorganismen mit einer anderen Biozidchemie.

Durch die Biozidverordnung, die zum 1. September 2013 in Kraft trat, sind biozide Wirkstoffe und Produkte bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua) anzumelden. Für Unternehmen bringt das einen hohen administrativen Aufwand sowie hohe Kosten mit sich. Aus diesem Grund wird in Zukunft nicht mit bahnbrechenden Neuerungen vonseiten der Biozidhersteller zu rechnen sein. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass andere Möglichkeiten gefunden werden müssen, um das Bakterienwachstum im ETL-Prozess zu bekämpfen.

Die Taktik ändern

Ein langfristiger Erfolg lässt sich nur durch eine Kombination aus physikalischer und chemischer Reinigung erzielen: Physikalische Verfahren wie UV-Lampen, die Einspeisung von Ozon, eine Elektroimpulsbehandlung oder Ähnliches sind in Zukunft unterstützend notwendig, um das Bakterienwachstum in Schach zu halten. Ein Nachteil der meisten physikalischen Verfahren liegt darin, dass sie nur für klare Flüssigkeiten geeignet sind. Deshalb müssen Beschichter von Zeit zu Zeit mit sorgfältig ausgewählten Bioziden die chemische Keule auspacken.

* Constanze Mollard ist Leiterin Anwendungstechnik und Kundenservice ETL bei der Emil Frei GmbH & Co. KG in 78199 Bräunlingen

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 45516061)