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Drei Drahterodiermaschinen im Vergleich

| Autor: Simone Käfer

Der gewalzte Rohling mit erodierter Kontur – der anfallende Materialabtrag wird in der Filterpatrone der Maschine gesammelt.
Der gewalzte Rohling mit erodierter Kontur – der anfallende Materialabtrag wird in der Filterpatrone der Maschine gesammelt. (Bild: EXPERT; GF; Niessing)

Unser Produkttester gehört diese Woche in die Endverbraucherwelt. Denn auch dort werden zur Metallbearbeitung Drahterodiermaschinen eingesetzt.

  • Die Agie-Charmilles CUT E 350 von GF Machining Solutions erkennt zertifizierte Drähte des Herstellers per RFID-Chip.
  • Mit der UP6 von Makino können Anwender zwischen einer trockenen Einfädelung und einer mit Wasserstrahl wählen.
  • Sieben Achsen gleichzeitig steuern kann die CNC der AV 100 von ONA EDM.

Für das Bearbeiten von leitenden Materialien bieten sich Drahterodiermaschinen an. Sie verarbeiten Metalle unabhängig von ihrer Dicke und Härte, erzeugen scharfkantige Konturen und stehen für hohe Maßhaltigkeit und Formgenauigkeit. So ist es nicht verwunderlich, dass auch ein Schmuckhersteller sich der Leistung dieser Maschinen bedient. Die Niessing Manufaktur gestaltet seit 1873 hochwertige Trauringe und Schmuckstücke mit klarer Formensprache; komplexe Konturen entstehen auf Drahterodiermaschinen. In der eigenen Schmiede gießt das Unternehmen um die 80 verschiedene Legierungen in zwölf Farben – vom weichen 750er Gold bis zum zähharten 950er Platin mit Anteilen von Kupfer, Palladium und Wolfram.

Wertvollen Abfall auffangen

Seit Kurzem ersetzt bei Niessing die Drahterodiermaschine Agie-Charmilles CUT E 350 von GF Machining Solutions eine Anlage aus den 1990er-Jahren. Erste Vorteile sind mit bloßem Auge zu erkennen: Die Neue benötigt weniger Platz. Außerdem soll ihr Stand-by-Modus „Econowatt-Modul“ Energie einsparen. Der integrierte Kollisionsschutz bewahrt sowohl Werkstück als auch Maschine vor Schäden. Mit Taper Expert können Koniken bis 30° erodiert werden. So weit die offiziellen Daten. Für Produktionsleiter Jens Klein-Günnewyck und Abteilungsleiter Walbert Depenbrock zählen jedoch die Ergebnisse in der Praxis. Die Maschine kann sich bei der scharfkantigen Kontur des Spannrings „High End“ beweisen, der aus einem Stück gefertigt wird.

Ergänzendes zum Thema
 
Drei Fragen an die Anwender

Die Agie-Charmilles Drahterodiermaschine CUT E 350 von GF Machining Solutions erodiert bei Niessing komplexe Formen und benötigt mit ihren kompakten Abmessungen weniger Platz als ihr Vorgänger.
Die Agie-Charmilles Drahterodiermaschine CUT E 350 von GF Machining Solutions erodiert bei Niessing komplexe Formen und benötigt mit ihren kompakten Abmessungen weniger Platz als ihr Vorgänger. (Bild: EXPERT; GF; Niessing)

Mit der Agie-Charmilles CUT E 350 gelingt das funkenerosive Heraustrennen des Rings wirtschaftlich und extrem materialsparend. Besonders bei Gold und Platin will Niessing den Materialverlust so gering wie möglich halten, also fangen spezielle Filterpatronen den kostbaren Abtrag auf. Eine weitere Herausforderung ist die Stückzahl: Jeder Spannring ist ein Unikat. Bei Losgröße 1 definiert die Zeichnung die speziellen Maße und Eigenschaften des Rings. Die Kontur erhält die Drahterodiermaschine direkt als NC-Programm vom CAM-­System. In den gewalzten Rohling setzt Depenbrock zunächst die Anfangsbohrung und spannt ihn auf den Maschinentisch. Ein Wasserstrahl fädelt den Draht problemlos ein. Auf Wunsch erkennt die Maschine zertifizierte Drähte von GF Machining Solutions per RFID-Chip, sodass das manuelle Eingeben der Daten entfällt. Die präzise Bearbeitung ermöglicht die ausgereifte Agie-Charmilles Fun­kenerosionstechnik in Verbindung mit dem neuen, effizienten IPG-Generator. Der erodierte Rohling geht danach zu den Goldschmieden, die ihn versäubern, schleifen, polieren und den Ring mit handwerklichem Können zu einem ganz persönlichen Wertobjekt fertigstellen.

Makino hat bei seiner UP6 das Drahtlaufsystem samt Drahteinfädelung überarbeitet.
Makino hat bei seiner UP6 das Drahtlaufsystem samt Drahteinfädelung überarbeitet. (Bild: Makino)

Für eine trockene oder nasse Einfädelung

Kürzlich hat Makino seine Drahterodiermaschine UP6 überarbeitet. Das Problem der thermischen Ausdehnung wurden dadurch behoben, dass mit einem gleichmäßig temperierten Dielektrikum durchgespült wird. Auch die X-Achse soll sich nun störungsfrei bewegen. Dafür verantwortlich ist eine kontinuierliche Reinigung der Schiebeplatten der Tankdichtung über einen Wasservorhang. Extralange Rollenführungen für maximale Präzision verringern laut Makino Schwingungen und verbessern die Steifigkeit der Maschine zusätzlich. Zur Verlängerung der Standzeit sollen die Kugelumlauftriebe beitragen, die durch eine Komplettabdeckung vor Schmutz geschützt sind. Außerdem hat Makino das Drahtlaufsystem neu entwickelt. Hier soll eine verbesserte Konturtreue bei Innen- und Außenradien eine zuverlässigere Drahteinfädelung bei anspruchsvollen Geometrien und kleinen Startbohrungen gewährleisten. Zur Verbesserung der Drahteinfädelung wurde auch noch das Drahteinfädelsystem so ausgerüstet, dass es entweder trocken oder mit Wasserstrahl arbeitet.

Die Drahterodiermaschine AV100 von ONA EDM wurde zur Herstellung großer Räder für die Turbinenindustrie entwickelt.
Die Drahterodiermaschine AV100 von ONA EDM wurde zur Herstellung großer Räder für die Turbinenindustrie entwickelt. (Bild: paulgari.com)

Drahterodieren für große Größen

Vergangenes Jahr stellte das spanische Unternehmen ONA EDM eine Erodiermaschine vor, die zur Herstellung großer Räder für die Turbinenindustrie entwickelt wurde. Bei der Drahterodiermaschine AV100 soll der neu entwickelte Generator im Herz der Anlage die Feinbearbeitung mit einer Oberflächengüte bis Ra = 0,1 µm ermöglichen. Mehr Leistungsfähigkeit erreicht die Maschine dadurch, dass die CNC mit 23"-Touchscreen bis zu acht Achsen steuert, sieben davon gleichzeitig.

Einen Draht von 0,33 mm im Durchmesser schneidet die ONA AV mit 450 mm2/min. Ihr digitaler Generator ONA Easycut soll laut Hersteller einen Schnitt ohne elektrolytisches Korrosionsrisiko, ohne Geschwindigkeitseinschränkung und mit vollständiger Oberflächenintegrität des geschnittenen Materials ausführen. Außerdem braucht das Filtersystem Aqua-Prima keine austauschbaren Filterkartuschen.

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