Instandhaltung Ein entscheidender Wirtschaftsfaktor

Autor / Redakteur: Walter Frick / Jürgen Schreier

Instandhaltung zählt zu den volkswirtschaftlich stärksten Industriezweigen und ist einer der stärksten Wachstumsmotoren. Der Aufwand für Instandhaltung wird allein für Deutschland auf mindestens 250 Mrd. Euro geschätzt. Neue Geschäftsmodelle, die über die reine Ersatzteilversorgung und produktbegleitende Dienstleistungen hinausgehen, sind notwendige Überlebenssicherung für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau.

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Harald Neuhaus, Vorsitzender des Forums Vision Instandhaltung e.V. (FVI): „Instandhaltung muss als Teil der Wertschöpfungskette des Unternehmens akzeptiert werden.“
Harald Neuhaus, Vorsitzender des Forums Vision Instandhaltung e.V. (FVI): „Instandhaltung muss als Teil der Wertschöpfungskette des Unternehmens akzeptiert werden.“
( Archiv: Vogel Business Media )

Die Beherrschung einer zunehmend vernetzten, hoch komplexen und weitgehend automatisierten Produktion erfordert eine ebenso ausgerichtete und hochqualifizierte Instandhaltung. Nur so können Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit wahren und Arbeitsplätze sichern“, brachte Harald Neuhaus, Vorsitzender des Forum Vision Instandhaltung e.V. (FVI), Dortmund, die Anforderungen an moderne Instandhaltung während der Maintain 2006 in München auf den Punkt.

Die Instandhaltung gehört zu den betrieblichen Prozessen, die in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen haben. Sie zählt zu den volkswirtschaftlich stärksten Industriezweigen und ist einer der stärksten Wachstumsmotoren. Der Aufwand für Instandhaltung wird allein für Deutschland auf mindestens 250 Mrd. Euro geschätzt. Mit rund 40 Prozent Anteil an den Unternehmenskosten ist damit die Instandhaltung ein maßgeblicher Wettbewerbsfaktor.

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Moderne Instandhaltung zielt auf höhere Produktionserträge und bessere Verfügbarkeiten der Anlagen, Einhaltung der Liefertreue, Vermeidung von Produktionsausfällen, geringerer Ressourcenverbrauch, deutlicher Einfluss auf die Arbeitssicherheit sowie aktiver Umweltschutz. Instandhaltung muss, so Neuhaus, „als Teil der Wertschöpfungskette des Unternehmens akzeptiert werden, sie trägt deutlich zum Erfolg des Unternehmens bei“.

Instandhaltung kann mittels Zustandserfassung (Condition Monitoring) zum Beispiel durch Thermografie, Schmierstoffanalysen, Schwingungsmessungen oder Ultraschall wesentlich verbessert werden. Der Einsatz neuer Technologien wie RFID (Radio-Frequenz-Identifikation) und konsequente Nutzung der Informationstechnik zur schnellen Beschaffung und Weiterleitung von Wissen sind zwingende Voraussetzung.

Neuhaus belegt seine Aussagen mit Beispielen aus seinem Unternehmen, dem größten Aluminiumschmelz- und -walzwerk der Welt: Dort werde seit Jahren an den wichtigsten Anlagen vorausschauende Instandhaltung praktiziert und die Methoden der Zustandserfassung in verschiedensten Ausprägungen intensiv genutzt. Schwerpunkte sind Schwingungsmessung, Schmierstofftechnik und Thermografie.

Thermografie lokalisiert Schwachstellen

So werden zum Beispiel mittels Thermografie temperaturabhängige Schwachstellen lokalisiert, wie etwa im Bereich der Hochspannung. Mit Schwingungsmessung werden rotierende Bauteile überwacht, etwa an einer hochautomatisierten Fräsanlage. Schmierstoffanalysen und Ultraschallmessungen tragen dazu bei, Laufzeiten zu optimieren.

Immer komplexere technische Anlagen, steigende Ersatzteilvielfalt sowie die Forderungen nach Rückverfolgbarkeit und Optimierung von Instandhaltungsprozessen zur Gewährleistung eines sicheren und wirtschaftlichen Anlagenbetriebs stellen immer höhere Anforderungen an die Organisation der Instandhaltung und den zugehörigen Informationsfluss.

Gesicherte und jederzeit aktuelle Daten und Informationen sind Voraussetzung zur Gestaltung effektiver und effizienter Prozesse. Hierzu ist eine dezentrale Erfassung, Bereitstellung und Speicherung erforderlich. Mit RFID steht die entsprechende Technik zur Verfügung. Damit ist es möglich, technische Objekte mit Intelligenz auszustatten und mit internen und externen Informationssystemen zu verknüpfen. Mit RFID lassen sich so Prozesse in der Instandhaltung transparenter und effizienter gestalten.

Ein praktisches Beispiel verdeutlicht die erfolgreiche RFID-Anwendung, wie etwa bei der Rhein Papier GmbH in Hürth: Bei der Herstellung von Zeitungspapier stützt sich die Instandhaltung auf Mobile Asset Management von SAP und nutzt RFID zur Optimierung von Inspektion und Wartung. Bisher wurden etwa 15000 Inspektions- und Wartungspunkte codiert, um möglichst papierlos eine Verbesserung der Planbarkeit von Instandhaltungsmaßnahmen herbeizuführen. Zukünftig sollen auch Messwerte direkt am Bauteil gespeichert werden.

Voith Industrial Services Paper setzt RFID zur Optimierung von Wartung und Inspektion mittels mobiler Systeme als Bindeglied zur systemgestützten Instandhaltung ein. Und die Aluminium Norf GmbH in Neuss testet derzeit in einem Feldversuch den Einsatz von RFID zur Identifizierung und Rückverfolgung von Bauteilen und Baugruppen, Identifizierung von Messteilen und Speicherung von technischen Informationen an den Anlagen unter Einbindung in SAP/R3-PM.

Renaissance als Wertschöpfungsfaktor

„Die Instandhaltung erlebt gerade eine Renaissance als Wertschöpfungsfaktor“, meint Mark A. Wider, Marketing- und Personalleiter der DL Con – Dynamic Logistics Consulting GmbH & Co. KG in Mannheim: „Der Kundenservice wird von immer mehr Herstellern als lukratives Geschäft entdeckt.“ Gleichzeitig werde die Abwicklung dieser Bereiche oft stiefmütterlich behandelt. So kämpfen viele Anwender mit unzureichend ausgeprägten Systemen und Prozessen sowie mangelhaft gepflegten Stammdaten.

Seit 2003 hat sich DL Con auf Servicemanagement unter SAP spezialisiert. Durch die Integration der Kundendienst- sowie Instandhaltungsprozesse in vorhandene SAP-Welten werden diese transparent und kalkulierbar. Die Software des Mannheimer Servicespezialisten zeigt die Servicepotentiale einer vorhandenen SAP-Installation auf und gibt dem Anwender konkrete Handlungsempfehlungen.

Um dem zunehmenden Wettbewerb begegnen zu können, bedienen sich viele Unternehmen sogenannter Verbesserungsprogramme. Eine Voraussetzung zur effizienten und effektiven Unterstützung dieser Programme ist eine bedarfsgerechte Verfügbarkeit der Maschinen und Anlagen, was üblicherweise mit Total Productive Maintenance (TPM) erreicht wird.

Zur Beschleunigung des TPM-Einführungsprozesses entwickelte die Step-Consult GmbH, Maikammer, die Vorgehensweise TPM-Kompakt, die aus vier Bausteinen besteht: Teilautonome Instandhaltung, vorausgeplante Instandhaltung, spezifische Verbesserungen von Anlagen und Maschinen sowie qualitätsanalytische Methoden.

Auch bei der Bruchsaler SEW-Eurodrive GmbH & Co. KG ist das Dienstleistungs- und Serviceangebot seit jeher ein wichtiger strategischer Bestandteil. Das Dienstleistungsprogramm beinhaltet einen maßgeschneiderten Service für das gesamte Produktspektrum über den kompletten Produktlebenszyklus bis zur eventuell erforderlichen Optimierung und Modernisierung. Mit dem Complete Drive Management (CDM) bietet der Service von SEW-Eurodrive für die gesamte Antriebstechnik und Regelelektronik ein Paket umfassender Dienstleistungen für alle Anforderungen im Produktlebenszyklus.

Eine wichtige Zusatzfunktion für den wirtschaftlichen Betrieb von Produktionsanlagen kann für Hersteller die Fernwartung sein. Erstmalig zertifizierte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie eine Fernwartungslösung, die von der Trumpf Laser GmbH + Co. KG, Schramberg, und der DS Data systems GmbH, Braunschweig, gemeinsam entwickelt wurde. Das neue „Trumpf Tele-Presence Portal“ erfüllt auch sehr hohe Sicherheitsanforderungen von Kunden an den Zugriff auf Produktionsnetzwerke.

Anders als bisher greifen Servicetechniker gesichert und standort-unabhängig auf eine zentrale Plattform zu. Die kundenspezifischen Sicherheitsanforderungen und Zugangsdaten verwaltet zentral speziell autorisiertes Personal. Verschiedene kundengerechte Einwahlverfahren sind gleichzeitig verfügbar. Das system protokolliert alle Zugriffe. Dieser neuartige Zugang für die Fernwartung berücksichtigt gleichzeitig individuelle Kundenwünsche und reduziert den Serviceaufwand.

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