Neue EU-Normungsverordnung Der Maschinenbau braucht ein starkes Normungssystem!

Von Christoph Winterhalter und Hartmut Rauen 8 min Lesedauer

Ein Mix aus Problemen setzt den Maschinen- und Anlagenbau heutzutage bekanntlich unter Druck. Deshalb entscheide nicht nur technische Stärke über den Erfolg, wie VDMA und DIN sagen ...

Normen sind vor allem für die Industrie wichtig, weil sie etwa die Markteinführung neuer Produkte beschleunigen helfen. Oft genug gibt es aber auch Bremseffekte. Deshalb soll die Normungsverordnung überarbeitet werden. VDMA und DIN geben hier Tipps, wie am besten ...(Bild: ©  DOC RABE Medie - stock.adobe.com)
Normen sind vor allem für die Industrie wichtig, weil sie etwa die Markteinführung neuer Produkte beschleunigen helfen. Oft genug gibt es aber auch Bremseffekte. Deshalb soll die Normungsverordnung überarbeitet werden. VDMA und DIN geben hier Tipps, wie am besten ...
(Bild: © DOC RABE Medie - stock.adobe.com)

Weniger Aufträge, geopolitische Unsicherheiten und intensiver internationaler Wettbewerb machen dem Maschinen- und Anlagenbau zu schaffen. In diesem problematischen Umfeld entscheidet nicht nur die technologische Stärke über das Wohl oder Wehe, sondern auch, welche bürokratischen Hürden vor den Unternehmen liegen, welche Mehraufwände Unternehmen betreiben müssen und wie schnell Innovationen in den Markt kommen. Genau hier wird Normung zum kritischen Faktor. Ein Beispiel: Ein Maschinenbauer bringt in der EU ein neues Produkt auf den Markt. Dafür braucht es eine aktuelle harmonisierte Norm – also einen technischen Standard, der die gesetzlichen Anforderungen konkretisiert. Doch deren Veröffentlichung verzögert sich. Die Folge: Zusätzliche Prüfberichte, neue Zertifikate und nicht zuletzt verschobene Markteintritte.

Normen geben Orientierung, müssen aber gewisse Kriterien erfüllen

Das kostet Zeit, Geld und im Zweifel Marktanteile. Die Lage im Maschinen- und Anlagenbau ist ohnehin angespannt. Denn nach einem schwachen Jahresstart 2026 mit einem prognostizierten Produktionsplus von nur einem Prozent und anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten bleibt offen, ob sich die Branche schnell erholen wird. Gerade jetzt brauchen exportorientierte Unternehmen, wie sie für Deutschland typisch sind, verlässliche Rahmenbedingungen und Prozesse, die funktionieren. Und Normen leisten genau das! Sie schaffen Klarheit, sichern den freien Warenverkehr und erleichtern Innovation. Gleichzeitig geben sie Unternehmen eine Orientierung und reduzieren Aufwand. Ihr Nutzen entfaltet sich jedoch nur dann vollständig, wenn sie rechtzeitig verfügbar und verlässlich anwendbar sind. Genau bei diesen Aspekten kommen die aktuellen Herausforderungen ins Spiel. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Überarbeitung der EU-Normungsverordnung besondere Bedeutung. Die EU-Normungsverordnung bildet den rechtlichen Rahmen dafür, wie harmonisierte Europäische Normen entstehen und wie sie mit der europäischen Gesetzgebung zusammenwirken.

Drei berechtigte Ziele verfolgt die Reform der EU-Normungsverordnung

Sie sorgt dafür, dass technische Standards im Einklang mit den gesetzlichen Anforderungen entwickelt werden und diese dem Markt entsprechend gerecht gestaltet werden können – eine zentrale Voraussetzung für den Marktzugang zum europäischen Binnenmarkt. Aber nicht nur für den Maschinenbau ist das entscheidend! Denn nur wenn die Fundstelle einer Norm im Amtsblatt der EU veröffentlicht ist, entfaltet die Norm ihre volle Wirkung – insbesondere durch die Konformitätsvermutung. Hersteller können dann nämlich davon ausgehen, dass ihre Produkte die gesetzlichen Anforderungen erfüllen, ohne zusätzliche Nachweise erbringen zu müssen. Dieses Prinzip hat sich über Jahrzehnte bewährt. Nun haben sich aber die Rahmenbedingungen verändert: Digitalisierung, neue Technologien und globaler Wettbewerb stellen neue Anforderungen an Geschwindigkeit, Flexibilität und internationale Anschlussfähigkeit der Normung. Die EU-Kommission hat deshalb eine Revision angestoßen, die gleich mehrere Ziele verfolgt: Die Normungsprozesse zu beschleunigen, neue Technologien besser abzubilden und den Zugang zu Normen zu erleichtern. Oder anders gesagt: Die Überarbeitung der EU-Normungsverordnung soll Europas Normungssystem fit für die Zukunft machen. DIN und VDMA sehen darin eine Chance, das System weiterzuentwickeln und an neue Anforderungen anzupassen.

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