Neue EU-Normungsverordnung

Der Maschinenbau braucht ein starkes Normungssystem!

< zurück

Seite: 3/4

Diese fünf Tipps sollte die EU-Normungsverordnung berücksichtigen:

1. Die Prozesse müssen transparenter und planbarer sein

Prüfverfahren müssen früher im Prozess ansetzen und nachvollziehbarer gestaltet werden. Wenn Consultants als unabhängige Prüfer eingesetzt werden, braucht es für die Arbeit der HAS-Consultants klare und einheitliche Kriterien. Ziel muss stets sein, Verzögerungen zu reduzieren und Planungssicherheit für Unternehmen zu erhöhen. Die Normungsorganisationen brauchen dafür auch dauerhaft eine ausreichende Finanzierung – etwa für die Erarbeitung und Aktualisierung von Schlüsselnormen wie der EN ISO 12100 zur Risikobeurteilung und Risikominderung von Maschinen. Gleichzeitig muss diese Finanzierung auf die Bedürfnisse der europäischen Unternehmen und Wirtschaftsverbände zur Beteiligung in Gremien ausgerichtet sein. Rein eigenfinanzierte Gremienarbeit stößt etwa an Grenzen – für die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und Europas ist folglich ein Umdenken notwendig. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen sind im Maschinenbau stark vertreten! Ihre Einbindung ist also entscheidend für Praxisnähe und Akzeptanz von Normen. Der VDMA schlägt deshalb einen Delegationsfonds vor, der die aktive Teilnahme fachlich qualifizierter Expertinnen und Experten insbesondere aus KMU gezielt fördert.

2. Die Digitalisierung sollte viel stärker genutzt werden

Ein wichtiger Hebel liegt in der Digitalisierung der Normung. Über eine digitale Qualitätsinfrastruktur können Normen künftig maschinenlesbar über „SMART Services“ direkt in Entwicklungsprozesse integriert werden. Das verändert den Ablauf grundlegend: Anforderungen werden nicht mehr nachgelagert geprüft, sondern begleiten die Entwicklung von Anfang an. Fehler werden früher erkannt, Abstimmungen reduziert, Entwicklungszeiten verkürzt. Normung wird so noch stärker zu einem integralen Bestandteil von Innovation.

3. Die internationale Anschlussfähigkeit ist dabei zu sichern

Normen haben insbesondere dann einen Nutzen für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und Europas, wenn sie international anschlussfähig sind. Für den exportorientierten Maschinenbau ist das von zentraler Bedeutung. Europäische Normung muss daher eng mit globalen Entwicklungen verzahnt bleiben. Europäische Normungsorganisationen sollten ihre Präsenz in internationalen Gremien gezielt weiter ausbauen – etwa durch stärkere finanzielle Unterstützung, Wissensaustausch, bessere Befähigung nationaler Expertinnen und Experten und die Übernahme von Schlüsselpositionen in den Komitees.

4. Den Ausbau von Kooperationen und die Vernetzung stärken

Gleichzeitig gewinnt die Zusammenarbeit mit Industriekonsortien und Organisationen wie mit der OPC Foundation, IEEE oder W3C an Bedeutung. Viele technologische Standards entstehen heute außerhalb klassischer Normungsstrukturen. Eine stärkere Vernetzung, gepaart mit der Möglichkeit, die Arbeitsergebnisse dieser Organisationen direkt in den entsprechenden Normungsgremien zu verwenden, kann dazu beitragen, Innovationen schneller in die Normung zu integrieren. Zugleich müssen klare und transparente Anforderungen gelten, damit die Qualität und Kohärenz des europäischen Normenwerks erhalten bleibt. Dies gilt auch für Common Specifications, technische Vorgaben, die außerhalb des Normungssystems von der EU-Kommission erarbeitet werden, wenn harmonisierte Normen nicht zur Verfügung stehen. Common Specifications sollten ausschließlich in begründeten Ausnahmefällen zeitlich begrenzt eingesetzt und später in reguläre Normen überführt werden.

5. Die Verfahren durch bessere Koordination pushen

Für eine verlässlichere und schnellere Verfügbarkeit harmonisierter Normen braucht es auch bessere Abstimmungen innerhalb der EU-Kommission. Sie spielt im europäischen Normungssystem eine zentrale Rolle – von Normungsaufträgen über das HAS-System bis hin zur Veröffentlichung der Normenfundstellen im Amtsblatt der EU. Bisher fehlt jedoch eine zentrale Stelle innerhalb der EU-Kommission, die die Prozesse an der Schnittstelle zur Normung koordiniert und verantwortet. Ihre Aufgabe sollte sich darauf beschränken, Anforderungen aus EU-Richtlinien und EU-Verordnungen zu validieren, Normungsaufträge innerhalb der EU-Kommission sowie mit den Europäischen Normungsorganisationen zu koordinieren und die Erarbeitung sowie regelmäßige Überprüfung möglicher Common Specifications zu begleiten.

(ID:50884255)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung