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Schwenkbiegen

Große Fassadenelemente lassen sich einfach kanten

| Autor: Willy Stahl

Große Teile, kleine Losgrößen und Wettbewerbsdruck – der französische Lohnfertiger Les Ateliers de Yèbles stieß mit Gesenkbiegepressen an seine Grenzen. Abhilfe schuf nicht nur ein Biegezentrum, sondern auch die Software des Maschinenbauers.

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Mit einer Arbeitslänge von 3200 mm und seinen bis zu 300 mm hohen Werkzeugen kann das Biegezentrum Up-Down-Center große Blechteile schnell bearbeiten.
Mit einer Arbeitslänge von 3200 mm und seinen bis zu 300 mm hohen Werkzeugen kann das Biegezentrum Up-Down-Center große Blechteile schnell bearbeiten.
(Bild: RAS Reinhardt)

Yèbles hat seinen Firmensitz südöstlich von Paris. Der Lohnfertiger hat sich auf die Herstellung von Fassadenelementen spezialisiert. Die Wünsche der Architekten sind vielfältig und fordern von der technischen Abteilung bei Yèbles ständig neue Gestaltungsvarianten der Biegeteile. Flexibilität ist auch in der Produktion erforderlich, denn die auftragsbezogenen Fertigungsmengen bewegen sich häufig nur zwischen zehn und vierzig Gleichteilen.

Schwenkbiegezentrum kantet bis zu 2,5 mm starke Bleche

Das Unternehmen setzt dafür ein Up-Down-Center von RAS Reinhardt Maschinenbau ein. Das halbautomatische Biegezentrum hat eine Arbeitslänge von 3200 mm und kann mit seinen 300 mm hohen Werkzeugen Stahlblech bis zu 2,5 mm Dicke bearbeiten. Die Maschine biegt die Bleche nach oben und unten, wodurch die oft großen Fassadenkassetten bei einem Wechsel der Biegerichtung nicht mehr gewendet werden müssen. Firmenchef Fabien Delaplace erläutert: „Auf den Gesenkbiegepressen waren immer zwei, manchmal sogar drei Bediener beim Biegen notwendig. Beim Up-Down-Center kann ein Mitarbeiter die Maschine alleine bedienen und ist zudem noch zwei- bis dreimal schneller.“ Durch die kurzen Biegezeiten und die hohe Produktivität des Biegezentrums ist ein Mitarbeiter ständig damit beschäftigt, die Maschine mit neuen Platinen zu versorgen und gebogene Teile zu den nachfolgenden Arbeitsprozessen zu transportieren.

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Auf die Frage, wie lange denn das Programmieren eines Biegeteils dauert, lacht Konstrukteur und Programmierer Cyril Payet nur und stellt die Gegenfrage: „Wie lange dauert ein Mausklick?“ Yèbles erstellt seine Konstruktionen auf einem 3D-CAD-System und speichert sie im Step-Format ab. Die Bendex-Office-Software importiert die Step-Datei und programmiert das Biegeteil mit einem Mausklick. Gibt es mehrere Möglichkeiten, ein Fassadenelement zu biegen, wählt die Software die beste Variante aus und zeigt die geeignete Programmalternative mit einer 5-Sterne-Skala an. Der Programmierer kann sich anhand einer 3D-Simulation den Ablauf ansehen und das gewählte Biegeprogramm in einer Jobliste für die Maschine bereitstellen. Mit dieser Verkürzung der Zeiten in der Arbeitsvorbereitung hat das Up-Down-Center schon vieles umgesetzt, was heute in der Fachwelt als Industrie 4.0 diskutiert wird. Payet sagt: „Unsere Pressen programmieren wir in der Werkstatt, da wir dort meist nur einfachere Profile biegen.“ Die Programme für die komplexeren vierseitigen Biegeteile erstellt Yèbles auf der Bendex-Software im Büro.

Werkzeugwechsel dank Automation in weniger als 1 min

Kleine Fertigungslose erfordern einen häufigen Wechsel der Werkzeuge. Das Rüsten der Maschine erledigt ein automatischer Werkzeugwechsler meist in weniger als 1 min. Die Software berechnet die schnellste Wechselfolge. Dabei hat sie nicht nur das nächste Programm aus der Jobliste im Blick, sondern optimiert sogar danach, welche Rüstzustände für die danach folgenden Biegeteile benötigt werden. Die beiden Greiferarme des Werkzeugwechslers holen sich die Werkzeuge aus dem Magazin und positionieren sie exakt und wiederholgenau in der Oberwange. „Die schnellen Rüstzeiten führen zu hoher Produktivität und geringen Stückkosten“, bestätigt Geschäftsführer Delaplace.

Für den halbautomatischen Biegeablauf richtet der Bediener die Platine an zwei Anschlägen aus. Danach übernehmen die Sauger des Pos-Lift-Anschlagsystems die Platine und positionieren sie für jede Biegung. Das Fassadenelement bleibt im gesamten Biegeablauf auf dem Tisch liegen. „Ein kräftezehrendes Hochführen und Halten der Biegeteile, wie wir es auf den Pressen gewohnt waren, entfällt komplett“, ist Maschinenbediener David Del Rey erleichtert. Ein einziger Mitarbeiter kann große und schwere Kassetten oder auch dünne und labile Fassadenelemente alleine biegen. Auch Biegeteile mit einem negativen letzten Schenkel stellen für das Up-Down-Center kein Problem dar. Die Biegewange fährt nach dem Biegen auf ihre obere Homeposition, sodass der Bediener das fertige Biegeteil einfach entnehmen kann.

Das Up-Down-Center stellt eine Seite des Biegeteils automatisch fertig. Danach dreht der Bediener das Werkstück auf die nächste Seite und schlägt es erneut an. Maschinenbediener David Veret bestätigt: „Das Up-Down-Center positioniert die Biegeteile so exakt, dass bereits das erste Biegeteil ein Gutteil ist.“ Zusammen mit den hinterlegten Materialtabellen für die Winkelkorrekturen eignet sich das Biegezentrum daher für die kleinen Fertigungslose, die Yèbles tagtäglich verarbeitet. Die Präzision der Biegeteile führt in den nachfolgenden Arbeitsprozessen zu einem verringerten Schweiß- und Verschleifaufwand.

* Willy Stahl ist Geschäftsführer der RAS Reinhardt Maschinenbau GmbH in 71065 Sindelfingen

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