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Optimistisch sind laut AMB-Mitteilung die Verbandsvertreter auch für die Automobilindustrie, für die ein weltweites Produktionswachstum von 3 % erwartet wird. Erfreulich auch hier, dass die Sorgenkinder der europäischen Automobilindustrie wohl wieder Fuß fassen würden. Horns Folgerung: „Deshalb dürfte sich die Investitionszurückhaltung, die 2013 viele Unternehmen an den Tag legten und die in unserer Branche besonders die Spannzeughersteller betraf, in 2014 spürbar legen.“
Rohstoffversorgung für Präzisionswerkzeuge in Gefahr
Gefahrenpotenzial sieht man beim Fachverband jedoch in punkto Materialversorgung. Horn nennt hier als Beispiel den Hartmetallgrundstoff Ammoniumparawolframat (APT): „Er hat sich seit dem Jahresbeginn 2013 bis zur Jahresmitte um ein Drittel auf rund 400 US-Dollar/t verteuert.“
Nun bestünden Vollhartmetallwerkzeuge und Wendeschneidplatten meist zu über 90 % aus Wolframkarbid. Auch die besonders hitze- und verschleißfesten HSS-Werkzeuge hätten einen hohen Wolframanteil. So komme die Deutsche Rohstoffagentur (DERA) in einer aktuellen Studie speziell zur Lage der Werkzeugindustrie zu einem kritischen Ergebnis: Die Analysen zeigten, dass auch in naher Zukunft ein Angebotsdefizit zu erhöhten Preis- und Lieferrisiken führen könnte.
Abhängig seien die Werkzeughersteller vor allem von China als größtem Produzenten von Wolframzwischenprodukten. Horn erläutert: „Chinesische Exportquoten und steuern schränken den freien Handel ein.“ Er hofft deshalb auf die marktregulierende Wirkung einiger neuer Minenprojekte außerhalb Chinas, die derzeit im Bau oder in der Planung sind.
Das sei auch dringend nötig, denn schon heute sei klar, dass derzeit in Abbau befindliche Vorkommen in Kanada in den kommenden Jahren erschöpft sein würden. Horns Fazit: „Daher wird sich zwar zukünftig die Abhängigkeit von China etwas verringern, aber unter dem Strich wird Wolfram auch in den nächsten Jahren knapp bleiben.“
Alternativen zu Wolfram für Präzisionswerkzeuge nicht in Sicht
Leider seien auch keine Werkstoffsubstitutionen in Aussicht. Ansätze aus den Anfängen der 1990er-Jahre seien im Sande verlaufen. Die Werkzeugindustrie müsse sich deshalb in Zukunft stärker um effiziente Werkzeugkonzepte bemühen. Ein Ansatz sei die VDMA-Initiative Blue Competence, die auf ihrer Internetplattform nachhaltige, ressourcenschonende Lösungen auch im Werkzeugebereich sammle und darstelle.
Effizienzsteigerung in allen Bereichen laute deshalb die Forderung. Ein Mittel dazu sei Industrie 4.0, die nächste industrielle Revolution. Zwar habe sich der anfängliche Hype bereits wieder gelegt, aber trotzdem dürfte die dahinter steckende Technik der Vernetzung aller Ressourcen im Produktentstehungsprozess das dominierende Thema auf der kommenden AMB sein.
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