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Unternehmen beschäftigen sich noch zu wenig mit Industrie 4.0
Auch wenn Industrie 4.0 in den Fabrikhallen noch nicht so recht angekommen zu sein scheint, wie kürzlich eine Umfrage des Saarbrücker IT-Beratungsunternehmens Fistec unter Maschinen- und Anlagenbauern sowie Komponentenfertigern ergeben habe. Danach schätzten Führungskräfte die Relevanz von Industrie 4.0 aktuell als, so wörtlich: „moderat“ ein. Man sehe die Chancen, befinde sich aber noch in der Orientierungsphase. Deutlich ändern werde sich das in den nächsten fünf Jahren. Anders ausgedrückt: Alle stünden in den Startlöchern.
Ein weiteres Ergebnis, das bisherige Vermutungen bestätige: Die Relevanz von Industrie 4.0 steige mit der Komplexität des Produktspektrums. So beschäftige sich nur ein Viertel der Komponentenfertiger mit dem Thema. Bei den Maschinenbauern sei es bereits die Hälfte aller befragten Unternehmen und bei den Anlagenbauern befassten sich alle damit.
Vertikale Integration bietet größtes Potenzial für Industrie 4.0
Vor allem die Anbindung der Shopfloorebene (vertikale Integration) habe - neben dem Produktengineering - das größte Potenzial. Dabei stehe für viele die Optimierung der Fertigung, weniger die Integration im Vordergrund.
Fistec-Vorstand Karl Friedrich Schmidt, Mitglied im Vorstand des VDMA-Fachverbandes Software, ideeller Träger der AMB Stuttgart, erläutert: „Die größten Effekte erhoffen sich die Unternehmen bei der Verbesserung der Reaktionsgeschwindigkeit. Transparenz und Anwenderfreundlichkeit stehen eher als notwendige Bedingung für die erhofften Verbesserungseffekte. Andere Handlungsfelder wie Sicherheit, Mitarbeiterqualifizierung oder Forschung werden als notwendige Voraussetzung gesehen.“
Nolting sieht eine wirklich funktionierende Kommunikation als Voraussetzung für weitere Einsparpotenziale, da der Kostenanteil von Zerspanungswerkzeugen selbst, bezogen auf einen kompletten Bearbeitungsprozess, lediglich 3 bis 5 % der gesamten Prozess- oder Bauteilkosten ausmache. Verbesserungen allein bei den Werkzeugkosten würden unterm Strich also nicht viel bringen.
Optimierung des gesamten Prozesses gefordert
Der Diebold-Manager sagt: „Es gilt vielmehr, den gesamten Prozess zu optimieren. In Bezug auf Präzisionswerkzeuge und Spannmittel gehören hierzu unter anderem geänderte Zerspanungsabläufe, optimierte Werkzeuge mit höherer Zerspanungsleistung sowie intelligente Werkzeuge und Spannmittel, die mit Werkzeugvoreinstellung, Maschine und Lager kommunizieren.“ Da sei man in der Vergangenheit nicht recht vorangekommen, konstatiert der Praktiker: „Alle in diesem Bereich seit mehr als einem Jahrzehnt existierenden Kommunikationswege wie Datenträger oder Barcodes haben sich in der Praxis als nicht praktikabel oder nicht ausreichend in ihrer Kommunikationsweise erwiesen.“ Seine Schlussfolgerung: „Für die vollwertige Intelligenz im Werkzeug besteht nach wie vor großer Handlungsbedarf.“
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