Trumpf auf der Blechexpo 2007 Hightech und Handarbeit aus einem Haus

Autor / Redakteur: Ralph Schiffler / Annedore Munde

Wer zur Blechexpo einen Messestand sucht, an dessen Beispiel sich die Vorteile des neuen Stuttgarter Messegeländes gegenüber den beengten Verhältnissen in Sinsheim exemplarisch und offensichtlich darstellen lassen, sollte einen Besuch bei Trumpf in Halle 4 nicht versäumen. Denn die Ditzinger präsentieren sich diesmal auf immerhin fast 1100 m² und damit weit großzügiger (Trumpf selbst würde wahrscheinlich „adäquater“ sagen) als vor zwei Jahren unweit in der Provinz. Wobei die Ambition zum Besuch des Marktführers wohl so oder so bei jedem „Blechpilgerer“ gegeben sein dürfte. Dabei wird sich der Abstecher zu den „Blauen“ nicht nur der imposanten Standmaße wegen lohnen.

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Auf der neuen Arbeitsstation für den TKA 500-0 lassen sich Kleinteile schnell und sicher bearbeiten. Kantenfräser von Trumpf ermöglichen das Herstellen von Abschlusskanten an Blechen – ohne Funkenflug und Staub sowie grat- und oxidfrei. Bilder: Trumpf
Auf der neuen Arbeitsstation für den TKA 500-0 lassen sich Kleinteile schnell und sicher bearbeiten. Kantenfräser von Trumpf ermöglichen das Herstellen von Abschlusskanten an Blechen – ohne Funkenflug und Staub sowie grat- und oxidfrei. Bilder: Trumpf
( Archiv: Vogel Business Media )

Eigenen Angaben zufolge zeigt Trumpf zur Blechexpo in Stuttgart seine „ganze Kompetenz als Komplettanbieter für die Blechbearbeitung“ – und ordentlich Platz haben die Ditzinger ja. Dabei stehen Premierenmaschinen ebenso auf dem Programm wie Evolutionen des einen oder anderen Modells. Und das wiederum gilt sowohl für die großen Maschinen und Roboter für den Lasereinsatz, für das Stanzen und Biegen als auch für die Elektrowerkzeuge. Softwareprodukte wie die Tru-Tops-Programmiersysteme, die unter dem neuen Namen Tru-Services zusammengefassten Dienstleistungen sowie die Handwerkzeuge bilden weitere Schwerpunkte.

Schnelle, automatische Bearbeitung von Dünnblech

Maschinenseitig steht die Europa-Premiere der „Tru-Laser 2030 Neu“ im Fokus. Diese Flachbett-Laserschneidmaschine ist für die schnelle, automatisierte Bearbeitung von Dünnblech konzipiert und soll das Hochgeschwindigkeits-Laserschneiden mit den Vorteilen einer integrierten Be- und Entladeeinheit kombinieren. Die Maschine ist jetzt auch als Großformatmaschine erhältlich. Damit reichen die verfügbaren Arbeitsbereiche der Tru-Laser Serie 2000 von 1250 x 2500 mm bis zu 1500 x 3000 mm.

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Darüber hinaus verfügt die „Tru-Laser 2030 Neu“ als erste 2D-Lasermaschine von Trumpf über einen mitfahrenden Strahlenschutz. Durch das neue und offene Design der beweglichen Schutzkabine mit großzügiger Makrolon-Verglasung hat der Bediener zudem den Bearbeitungsprozess stets im Blick. Zusätzliches Plus des neuen Maschinendesigns ist die verbesserte Zugänglichkeit des Bearbeitungsraums.

Die „Tru-Laser 2030 Neu“ be- und entlädt Bleche serienmäßig automatisiert. Als Option sind zusätzliche Palettenwagen nachrüstbar, mit denen unterschiedliche Materialien bearbeitet werden können, ohne den Bearbeitungsprozess zu unterbrechen. Mit 90 m² benötigt die Maschine nur wenig Aufstellfläche, da sie einen linearen Materialfluss umsetzt. Dabei sind Materialdicken von 0,8 bis 12 mm Baustahl respektive bis zu 6 mm bei Edelstahl und 5 mm bei Aluminiumblechen effizient schneidbar. Dafür sorgt der eingesetzte CO2-Laser Tru-Coax, der die Hochfrequenztechnik mit Diffusionskühlung vereint. Dieses Resonatorkonzept sorgt bei extrem steifer und kompakter Konstruktion für eine sehr gute Strahlqualität, die wiederum hohe Bearbeitungsgeschwindigkeiten erlaubt.

Schweißkantenformer für Schweißnahtvorbereitung

Am anderen Ende der Hightech-Skala (und damit wollen wir dem Produkt keineswegs Unrecht tun) wartet auf die Besucher der Blechexpo mit dem TKF 1101-0 ein neuer Schweißkantenformer, der speziell für die Schweißnahtvorbereitung an Baustahl und Aluminium ausgelegt ist. Er kann Fasenlängen von 11 mm in einem Arbeitsgang abtragen; dabei darf das zu bearbeitende Blech bis zu 25 mm dick sein. Damit ergänzt der TKF 1101-0 das Einsatzgebiet seines „Zwillingsbruders“ TKF 1100-0, der seit gut zwei Jahren erfolgreich eingeführt ist und seine Stärken hauptsächlich bei der Bearbeitung von Edelstahl und anderen hochfesten Materialien ausspielt.

Den Hauptgrund für die Neuentwicklung nennt Werner Cloos, Vertriebsleiter des Geschäftsfeldes Elektrowerkzeuge bei Trumpf: „Wir haben festgestellt, dass in der Praxis häufig Baustahl und Aluminium bearbeitet werden. Genau für diese Einsätze haben wir unseren Schweißkantenformer technisch optimiert, so dass die Bearbeitungsqualität noch besser wird und die Arbeitsproduktivität um bis zu 20% steigt.“

Der TKF 1101 ist mit einem schnellen Getriebe ausgestattet, wodurch sich die Hubzahl um etwa 30% auf 440 Stöße pro Minute steigert. Daraus resultiert die hohe Arbeitsgeschwindigkeit von etwa 2,5 m/min. Dieser Vorteil lässt sich jedoch nur in weicheren Materialien wie Aluminium oder Baustahl St37 ausspielen.Der sonstige technische Aufbau des TKF 1101 entspricht dem des TKF 1100 – er ist kompakt und ergonomisch. Dadurch sind die Werkzeuge vielseitig einsetzbar und wendig. In Sekundenschnelle lässt sich die Schneidrichtung ändern, kurvenförmige Kanten mit engen Radien ab 40 mm, Innenkonturen sowie Rohre ab einem Innendurchmesser von 80 mm sind kein Problem. Es entstehen stets gleichmäßige oxydfreie und metallisch blanke K-, V-, X- oder Y-Kanten.

Praktischer Nutzen steht im Vordergrund der Entwicklungsambitionen

Weil bei Trumpf bekanntlich der praktische Nutzen im Vordergrund der Entwicklungsambitionen steht, haben die Entwickler ihre Schweißkantenformer TKF 1101 und TKF 1100 mit einem werkzeuglosen Stoßstahlwechsel und einer ebenso werkzeuglosen Blechdickeneinstellung ausgestattet. Die gewünschte Fasenhöhe lässt sich demnach einfach über ein Stellrad justieren, der gewünschte Schrägungswinkel (30, 37,5 oder 45°) über ein modulares Werkzeugsystem einstellen. Ist das Stoßwerkzeug abgenutzt, kann es mehrmals nachgeschliffen werden und muss nicht sofort durch ein neues ersetzt werden.

Während des Bearbeitungsprozesses mit Schweißkantenformern entstehen weder Staub noch Dämpfe oder Gase, wie bei anderen Bearbeitungsverfahren der Fall ist. Auch die Wärmeentwicklung ist sehr gering, wodurch Gefügeänderungen im Metall vermieden werden. Geringe Rautiefen und oxidfreie sowie metallisch blanke Oberflächen garantieren ohne Nacharbeit optimale Schweißbedingungen und sind somit die Grundlage für hochbeanspruchbare Verbindungen.

Ebenfalls den Kanten widmet sich der Kantenfräser TKA 500-0, der auch zur Blechexpo dem breiten Fachpublikum vorgestellt wird und dabei insbesondere mit einer komfortablen Arbeitsstation um Anerkennung wirbt. Ihren Einsatzbereich findet diese Innovation überall dort, wo es darum geht, an großen Blechen, Trägern und anderen zugänglichen Metallteilen saubere, grat- und oxidfreie Abschlusskanten zu erstellen.

Neue Arbeitsstation für Kleinteile

Dazu nimmt der Handwerker den 3,5 kg leichten Kantenfräser TKA 500-0, führt ihn am Werkstück entlang und verrundet die Kanten oder bringt eine Fase an. Soll die gleiche Arbeit an kleinen und leichten Blechen ausgeführt werden, ist es besser, das Werkstück zum fest verankerten Werkzeug zu bringen. Diesen Anwenderwunsch griff Trumpf auf und entwickelte speziell für den TKA 500-0 eine neue Arbeitsstation. Damit lassen sich Kleinteile mit Abmessungen von 50 x 50 mm bis 300 x 300 mm und einem Maximalgewicht von 3 kg schnell und sicher bearbeiten. Es können gerade Außenkanten, R2- und R3-Radien angebracht werden.

Die Anwendung wird noch dadurch erleichtert, dass sich der TKA 500-0 ohne Demontage des Laufrades in die Arbeitsstation einbauen lässt. Und die Fasenhöhe ist – ohne Demontage aus der Station – problemlos einstellbar. Ein weiteres Feature liegt in der durchgehenden Führungsfläche, die den Sicherheitsaspekt erhöht. Die Späne werden durch eine Schutzabdeckung definiert abgeführt.

Der Einsatz des TKA 500-0 und der Arbeitsstation ist in vielen Branchen von Vorteil. Metall- und Stahlbearbeiter nutzen solche Tools ebenso wie Kessel-, Behälter- und Apparatebauer. Darüber hinaus werden Kantenfräser in Kunststoff verarbeitenden Betrieben für Entgratarbeiten angewendet. Dabei gilt auch ohne Arbeitsstation: Gegenüber Winkelschleifern haben die Kantenfräser enorme Vorteile. Es genügt, sie nur einmal an der Kante entlangzuführen, um einwandfreie Qualität zu erzielen. Sowohl bei geraden als auch gerundeten Kanten ist keine weitere Nachbearbeitung erforderlich. In der Regel führt dieser grundsätzliche Unterschied zu einer fünf- bis zehnfach kürzeren Arbeitszeit.

Das waren jetzt nur drei kleine Auszüge aus dem umfassenden Exponateprogramm von Trumpf zur Blechexpo. Aber zumindest neugierig sollten wir Sie damit gemacht haben. Und zumindest haben Sie jetzt einen Ansatzpunkt, mit einer konkreten Frage an den Trumpf-Stand zu gehen, was bei dem zu erwartenden Andrang dabei helfen mag, einen der begehrten Ansprechpartner für sich zu gewinnen.

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