Blasses Licht am Ende des Tunnels der Stahllogistik
Trotzdem gibt es einen Hoffnungsschimmer, wirft Hergarten ein. Denn Hergarten hat jüngst zu einem Expertennetzwerk eingeladen, durch strategische Partnerschaften konkrete Abhilfen auf den Weg zu bringen. Die Resonanz, erinnert sich Hergarten, war zunächst sehr gut und hat die Branche aufgerüttelt. Das rundum aufgeschlossene Feedback erreichte das Unternehmen sowohl aus der eigenen Kundschaft, also den Stahlherstellern und -händlern als auch von Wettbewerbern – also potenziellen, strategischen Logistikpartnern. Er freue sich außerdem sehr darüber, dass auch einige Vertreter der Stahlbranche Verständnis mit der in der Einladung aufgezeigten Zukunftsentwicklungen entwickeln.
Stahllogistik ist heute mehr als Ware von A nach B zu bringen
Full-Service-Logistikdienstleister wie die Hergarten-Gruppe bieten ihren Geschäftspartnern heutzutage nicht nur den reinen Transport an. Sie unterstützen die Industrie auch dabei, ihre Logistikprozesse effizienter zu machen und bauen die dafür nötigen, übergreifenden Organisationsstrukturen auf. Ein echter Mehrwert, der aber seinen Preis hat, so Hergarten.
Und die Hergarten-Gruppe selbst hat bereits damit begonnen, ihre Aktivitäten bei gewissen Teilaspekten konsequent zu verstärken. So ist sie etwa dabei, das Recruiting von Fachkräften systematisch zu professionalisieren. Der Ansatz, die Kosten für Logistikdienstleistungen anzuheben, dafür aber kürzere Preisbindungszyklen zu vereinbaren, stehe auch zur Debatte, weil damit auf Seite der Stahlbranche Kostenoptimierungsprozesse stabilisiert werden könnten.
Dass es viel zu tun gibt und alle ihre Komfortzone verlassen müssen, ist für Hergarten klar. Aber jetzt müsse es auch noch sehr schnell gehen, denn der Ukrainerieg wirke wie ein Brandbeschleuniger für die herausfordernde Situation der Stahl- und Logistikbranche. Denkweise und Methodik hätten sich auch bisher im Logistikmanagement der Branche noch nicht konsequent genug weg von Kostensenkungsprogrammen hin zu nachhaltiger Versorgungssicherheit und Stabilität in puncto Transport und Logistik entwickelt.
Konzerngebundene Stahlhandelsunternehmen reagieren nur zäh
Hergarten beobachte vor allem in konzerngebundenen Handelsunternehmen diesbezüglich wenig Bewegung. Der Mittelstand im Logistik- und Stahlsektor zeige sich aber derzeit besonders aufgeschlossen und flexibel. Und der gesamte Stahlhandel poche nach wie vor sehr auf seine Führungsrolle als Treiber der Volkswirtschaft. Das liegt nahe, denn letztes Jahr erzielte der Stahlhandel enorme Gewinnsteigerungen. Damit wurden die akuten und die absehbaren Probleme in der rollenden Logistik aber quasi überschminkt.
Wer in der Logistik nicht kooperiert, ist aus dem Spiel
Diese vernebelte Sicht auf die akuten Schwierigkeiten der Transportlogistik behindere aber an einigen Stellen bisher den absoluten Willen zur Entwicklung von strategischen Alternativen, die mittel- und langfristig nicht nur die Lieferketten für Stahl auf der letzten Meile der Distribution sichern, macht Hergarten klar. Aus seiner Sicht werden am Ende jene Unternehmen erfolgreicher sein, denen es bereits jetzt gelingt, die knappen Ressourcen für Stahltransporte und -distribution frühzeitig zu sichern und strategische Partnerschaften zu forcieren. Kooperation sei die entscheidende Zutat im Erfolgsrezept für die Zukunftssicherung der Stahllogistik, wenn es in der Welt derartige Probleme gibt, wie jetzt.
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