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Ein gravierendes Beispiel findet sich etwa in der DIN 15003. Abgesehen vom Alter der Norm (seit 1970 nicht geändert) beruft man sich darin bei der Definition von Lasten oder Kräften immer noch auf Werke wie das mit dem Titel: Die Sorgenkinder der Technik, Kraft-Masse-Gewicht von Dr. Haeder, R. Muschalla und N. Ludwig. (siehe Anhang der Norm 15003, Bild 1).
Diese Broschüre versucht die Berechtigung zu untermauern, dass die übertragbaren Kräfte in Seilen, Ketten oder Haken von den Ingenieuren logischerweise zwar in kN zu berechnen seien, dass aber die maximale Last für die jeweiligen Elemente, durchaus als Tragfähigkeit in kg oder t für den Lastanschläger benannt werden dürften. Den Verfassern ist es offensichtlich ohne Bedeutung, die skalare, also ungerichtete Masse, mit einer vektoriellen, also gerichteten Kraft, gleich zu setzen.
Schwachpunkt: physikalisch-naturwissenschaftliches Verstehen
Den Verfassern ging es offensichtlich darum, die vor der Reform von 1970 übliche Denkweise aufrecht zu erhalten, weil man dem Lastanschläger auf dem Hallenflur anscheinend nicht zumuten kann, in Kräften zu denken. Durch diese Handlungsweise schufen sie erst die Sorgenkinder der Technik.
Welche fatalen Kettenreaktionen aus der Übernahme der Missinterpretationen entstehen können, zeigt die ungeprüfte Übernahme der Begriffe aus der DIN 15003 für die Normen der Rundstahlketten DIN685/695. Die Seite 1 DIN 15003 bedarf in den Positionen 2.1-2.9 dringend einer Richtigstellung in der Form, dass alle Pos. auf Krafteinheiten umgestellt werden. Gleiches gilt für die Hinweise im Anhang. An dieser Stelle soll ergänzend darauf hingewiesen werden, dass der Fehler nicht auf der technisch fachlichen Seite zu suchen ist, sondern nur das physikalisch naturwissenschaftliche Verstehen zu beanstanden ist.
Mangelnde Sorgfalt und dogmatische Mentalität
Wie sensibel, bis in die heutige Zeit, die Einheiten Kraft und Masse in den überarbeiteten Ausgaben (1977; 1988 und 2002) der DIN 1305 definitorisch angesprochen werden, zeigt ein Vergleich dieser Ausgaben: Warum man sich nicht auf diese einzig und allein zuständige und aktuelle Norm bezieht, statt auf die Norm 15003, bleibt dabei unverständlich. Etwas mehr Sorgfalt bei der Recherche wäre sicherlich angebracht gewesen.
Die Jahrzehnte währende Verweigerung der Korrekturen und die bis heute so gezeigte Unkenntnis (Ingenieurstudium 1. bis 3. Semester) der beteiligten Ausschüsse, gepaart mit einer gewissen dogmatischen Mentalität, führte dazu, dass Begriffe wie Tragkraft oder Gewichtskraft einfach als nicht zutreffend oder sogar als nicht existent bezeichnet wurden. Die Stellungnahmen wurden daher ungefiltert von der Leitung des DIN-Normenfachbereiches 085 als korrekte Aussage des Arbeitsausschusses der DIN685 uns 695 nach außen gegeben. Hinweise des Verfassers wurden mit Verweis auf die DIN 1301-1304 abgewiesen.
Dort finden sich jedoch keinerlei Hinweise, ob den Begriffen wie Last, Tragfähigkeit, Traglast oder Hubkraft eine Massenbezeichnung oder eine Krafteinheit wie kN zugeordnet werden muss. Die Konsensbildung mit der Industrie, als oberste Maxime der Institution DIN, darf aber hier keine Blockade für berechtigte Einwände Außenstehender bilden.
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