Konstruktion

Korrekte Anwendung bestimmter SI-Einheiten

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Institutionen sollten SI-Einheiten korrekt übernehmen

Zum Anfang des Exkurses zurückkommend, sollte mehr als 50 Jahre nach Einführung der SI-Einheiten, beziehungsweise nach 40 Jahren des gesetzlichen Inkrafttretens, die Änderungsresistenz der Technik und der richtlinien- und normenerstellenden Institutionen endlich ein Ende haben und zu den korrekten physikalischen Begriffen finden. Definitionen wie in der Norm DIN 15003, bei denen es sich mehr um Zugeständnisse an beziehungsweise Gefälligkeitsbezeichnungen für bestimmte Berufsgruppen handelt, sollten korrigiert werden.

Es ist nicht beabsichtigt den „Ottonormalverbraucher zu bekehren, wohl aber die Institutionen, die weltweit gültige Regelwerke und Normen erstellen, oder Wissensvermittlung für den Nachwuchs betreiben, zu bitten, naturwissenschaftlich korrekt zu sein. Außerdem sollten die diversen Regelwerke und Normen kritischer auf Aktualität hin überprüft werden. Es kann nicht sein, dass etwa in der DIN 1305 ein Bezug auf DIN 8120 Teil 2, genommen wird obwohl diese bereits zweifach als ungültig gestempelt wurde.

Gleiches gilt für ISO 1000-1992, die 2009 durch ISO/IEC 80000-1 ersetzt wurde. Feste Aktualisierungsintervalle im Abstand von 5 bis 10 Jahren wären daher sinnvoll. Diskussionen über Anpassungsnotwendigkeiten sollten offener geführt werden. Die Reputation langjähriger Mitarbeiter darf nicht die naturwissenschaftliche Präzision ersetzen. Es soll dabei nur sichergestellt werden, dass technische Normen und Regelwerke absolut korrekte Inhalte aufweisen – gerade wegen ihrer weltweiten Verbreitung. Wenn man hier eine ähnliche Konsequenz besäße, wie bei der Umstellung vom Links- auf Rechtsverkehr in Schweden oder vom zwölfer auf das dekadische System des Bankenwesens in England, würden in relativ kurzer Zeit die neuen Einheiten zur Gewohnheit werden und zum normalen Sprachgebrauch gehören.

Es ist schon bemerkenswert, mit welcher Selbstverständlichkeit mechanisch erzeugte Vertikalkräfte (siehe Pressenbau) bereits in kN oder MN angegeben werden, während vertikal wirkende Gewichtskräfte (siehe Kranbau) in den Richtlinien und Normen mit großer Selbstverständlichkeit in kg oder t angegeben werden, obwohl entsprechende Lehrbücher korrekt abgefasst sind.

Wer liefert dazu eine passende Logik?

Frei nach Newton gefragt: „Hätte er den Menschen nicht in sein erstes Axiom mit einbeziehen müssen?“

P.S..: Der Verfasser ist für jede Antwort dankbar, aber auch zu jeder Diskussion bereit.

Themenbezogene Bücher

  • [1] Lehrbuch der Physik (Oskar Höfling), Oberstufe, Ausgabe A (1959), Dümmler Verlag Bonn
  • [2] Lehrbuch der Physik
  • (Oskar Höfling), Mittelstufe Ausgabe A (1959), Dümmler Verlag Bonn
  • [3] Die Sorgenkinder der Technik-Kraft-Masse-Gewicht (Dr. W. Haeder; N. Ludwig; R. Muschalla), Sinnvolle Anwendung ihrer Einheiten (1965), Beuth–Vertrieb GmbH, Köln
  • [4] Hebemaschinen 3, Kran im Stahlbau, Ewald Strathausen (1963), Georg Westermann Verlag, Braunschweig

Normen und Richtlinien

  • [5] DIN 15003 Lastaufnahmeeinrichtungen, Lasten und Kräfte – Begriffe (Febr. 1970) S. 1 und 3
  • [6] DIN 1305 Masse, Wägewert, Kraft, Gewichtskraft, Gewicht, Last – Begriffe (Jan.1988) S. 1 und 2
  • [7] DIN 1305 Masse, Kraft, Gewichtskraft, Last – Begriffe (Mai 1977) S. 1
  • [8] DIN 685 Teil 5 Geprüfte Rundstahlketten (Nov. 1981) S. 2 und Teil 1 S. 3
  • [9] DIN 695 Anschlagketten Güteklasse 2, (Juli1986) S. 3, 6 und 7
  • [10] DIN 1301 Teil 1 Einheitennamen, Einheitenzeichen (Okt. 2010)
  • [11] DIN 8120 Teil 2 Begriffe im Waagenbau (Juli 1981) ungültig gesetzt
  • [12] DIN 1313 Größen (Dez. 1998) S. 1 und 2

* Helmut Borkowski war von 1966 bis 2002 Konstruktionsleiter bei der Thyssen Umformtechnik in Brackwede und 15 Jahre lang Ausschussvorsitzender im VDI

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