Verbindungstechnik Mehr Qualität durch Inspektionssysteme in Schweißanlagen

Autor / Redakteur: Bernhard Foitzik / Dietmar Kuhn

Die Lewa Attendorn GmbH gilt als Komplettlieferant für anspruchsvollen Sondermaschinenbau und wegweisende Robotersystemtechnik. Innerhalb der Prozesskette Blech sieht man bei dort die Kernkompetenz zwischen Stanzteil und Beschichtung, genauer in der Fügetechnik. Schwerpunkt sind vor allem Schweißaufgaben.

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Andreas Volprecht, Geschäftsführer des Unternehmens, sieht im modularen Aufbau die Zukunft. Denn wo OEM ganze Fabriken an Zulieferer verlagern, braucht es flexible Konzepte und eine integrationsfähige Technik, wie sie künftig verstärkt von Fanuc Robotics kommen soll.

Blechnet: Herr Volprecht, wie viel hat die Lewa zur aktuellen Roboterstatistik, die ja ein deutliches Plus in Europa aufweist, beigetragen?

Volprecht: Im laufenden Jahr werden wir insgesamt etwa 80 Roboter verbaut haben. Ob und wie unsere Roboter in die Statistik eingehen, ist für uns, sagen wir es so, unerheblich. Wir arbeiten als Systemhaus, das kundenspezifische Lösungen erarbeitet und realisiert.

Blechnet: Welche Vorgaben machen Ihnen Ihre Kunden?

Volprecht: Unsere Kunden kaufen in der Regel schlüsselfertige Anlagen, sie können schön neudeutsch auch Turn-Key-Solutions dazu sagen. Die Kunden haben dabei ein Bauteil oder eine Baugruppe, womöglich vorgegebene Stückzahlen, die pro Jahr produziert werden müssen, außerdem meist noch ein paar Randbedingungen, wie Standort und mit wie vielen Werkern die Anlage betrieben werden soll. Auf dieser Basis erarbeiten wir eine Lösung.

Blechnet: Wie nahe sind Sie, konzeptionell gesehen, mit Ihren Anlagen am Rohbau der Automobilhersteller?

Volprecht: Da unterscheidet unsere Anlagen eine ganze Menge von den Body-Shops. Während im Rohbau die Fertigungsstraßen meist linienförmig aufgebaut sind, bestehen unsere Fertigungslinien meist aus kleineren Zellen oder Gruppen von Zellen.

Da bekommen unsere Kunden einen echten Mehrwert, wenn im Fall eines Re-Toolings oder im Fall einer weitergehenden Fertigung die Anlagen mit möglichst wenig Aufwand für die Fertigung anderer Produkte genutzt werden sollen. Unsere Anlagen sind so konzipiert, dass sie sich in einzelne Module zerlegen lassen, die dann in einer neuen Konfiguration für andere Produktionsaufgaben genutzt werden können.

Blechnet: Diese Wiederverwendbarkeit wird oft als Argument für eine flexible Fertigung angeführt. Aber wird sie auch genutzt – oder dient sie vor der Bestellung nur als KO-Kriterium?

Volprecht: Unsere Kunden sind in erster Linie die Automobil-Zulieferer. Da ist das Thema seit Jahren gang und gäbe. Zum einen laufen kaum noch Produkte über mehrere Jahre unverändert. Zum anderen erfordern die Anlagen ja auch eine Investition, die über mehrere Jahre abgeschrieben werden muss.

Blechnet: Wie kommen Sie raus aus der Zwickmühle: Flexibel gestalten, aber viele Jahre zu wettbewerbsfähigen Kosten betriebsbereit halten?

Volprecht: Wir entwickeln für das Layout einer Linie mit dem Kunden einen Standard. Bei einem Wechsel müssen in vielen Fällen dann nur noch die bauteilspezifischen Werkzeuge und Vorrichtungen ausgetauscht werden. Die Flexibilität besteht darin, mehrere Baugruppen nacheinander mit wenig Umrüst-Aufwand auf einer Linie fertigen zu können.

Blechnet: Und dann wird mit dem Schweißbrenner gebraten, was das Zeug hält?

Volprecht: Wir sehen unsere Kernkompetenz in der Fügetechnik. Das umfasst sehr viel mehr als nur Schweißen, wenn auch Widerstands- und Schutzgasschweißen die Schwerpunkte sind. Aber wir sind auch stark, wenn es um Kleben, Dichtkleben, Dichtschäumen oder Strukturkleben geht und das schließt auch Clinchen oder Stanzniete nicht aus. Dabei sind wir nicht auf bestimmte Materialpaarungen fixiert.

Aber was im Zulieferbereich geschweißt werden soll, das schweißen wir auch, beziehungsweise wir bauen die Anlagen dafür. Das können Komponenten aus Aluminium sein oder Stahlbleche, wobei hier die Tendenz zu hochfesten Materialien und verzinkten Oberflächen geht.

Im Übrigen: Auch wenn der Fügeprozess mit Robotern augenscheinlich im Vordergrund steht, nehmen logistische Aufgaben für einen Roboter immer mehr zu – zumindest wenn die Anlagen in Hochlohnländern eingesetzt werden. Dinge, die früher manuell erledigt wurden, müssen heute in einer Schweißanlage automatisiert abgebildet werden.

Blechnet: Da das Stichwort Roboter schon gefallen ist: Wo sehen Sie die Robotertechnik heute? Wo könnte sie weiter sein?

Volprecht: Stand der Technik im Schweißbereich ist heute sicherlich, mehrere Roboter koordiniert miteinander programmieren und verfahren zu können, auch unter Einbeziehung externer Achsen. Also für Bahnschweißaufgaben ist das eine unabdingbare Technik.

Was Handlingaufgaben betrifft, sehen wir sicher Ansätze, die von der Automobilindustrie getrieben werden, die aber oftmals Prozesszeiten in Anspruch nehmen, die unsere Kunden für ihre Aufgaben nicht haben. Ansprüche an Roboterhersteller werden vor allem dort noch wachsen, wo Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine entstehen, also dort, wo Werker eventuell in den Prozess eingreifen müssen.

Ein weiteres Entwicklungsthema ist der sensorische Bereich mit Schwerpunkt Bildverarbeitung. Die Visionstechnik wird auf jeden Fall in Zukunft noch größeren Raum einnehmen, sei es in der Teileaufnahme, in der Teileerkennung oder in der Qualitätssicherung.

Blechnet: Nun hat sich Lewa vor kurzem entschieden, mit Fanuc Robotics eine Zusammenarbeit einzugehen und im After-Sales-Service für diesen Hersteller eine starke Rolle im Norden Deutschlands zu spielen. Inwiefern waren dabei die eben genannten technischen Argumente ausschlaggebend?

Volprecht: Nun, die Verbindung zwischen Fanuc und Lewa besteht schon zirka eineinhalb Jahre. Fanuc hat uns dabei ganz klar signalisiert, dass man Wert auf Partnerschaften legt, die über ein Projekt hinaus laufen und dass man eine langfristige Zusammenarbeit anstrebt.

Unser Unternehmen ist ja ähnlich gestrickt. Wir fokussieren uns bei der Auswahl unserer Lieferanten auf die Leistung, die hinter einem Unternehmen steckt. Da beurteilen wir Lieferanten nicht nur nach dem Preis.

Und Fanuc Robotics tritt eben nicht als Anlagenbauer und damit als einer unserer Konkurrenten auf. Eine Technologieführerschaft wie beispielsweise bei der Integration des Visionssystems hat zusätzlich eine wichtige Rolle gespielt.

Blechnet: Weshalb ist die Bildverarbeitung, bei Fanuc Robotics also das integrierte Visionssystem IR-Vision, von so großer Bedeutung?

Blechnet: Wenn man sieht, welchen Aufwand wir teilweise treiben müssen, um einzelne Bauteile in eine Anlage zu bringen und so zu positionieren, dass sie von einem Roboter aufgenommen werden können, liegt auf der Hand, dass hier Rationalisierungsbedarf besteht. Denn das wird die Zukunft sein: Mechanische Komponenten einzusparen und durch einen intelligenten Roboter zu ersetzen. Und Fanuc hat da mit der integrierten Visualisierung ein Alleinstellungsmerkmal.

Blechnet: In einer Anlage, die Lewa gerade realisiert, sind fast vierzig Roboter eingesetzt. An welchen Punkten haben Sie neue Technik ins Spiel gebracht?

Volprecht: Wir haben im Zuge der Anlagentechnik ein Programm an Positionierern entwickelt, die mit den Fanuc-Robotern sehr gut harmonieren. Außerdem haben wir zum ersten Mal Dual- und Triple-Arm-Technik integriert. Lediglich Handlanger sind die Roboter dagegen an einem weiteren Punkt, der einen Technologieschritt bedeutet. Denn es gibt in der Anlage sowohl optische Lehren und Vermessungssysteme als auch robotergeführte Nahtinspektionssysteme, mit denen wir inline 100% der hergestellten Baugruppen prüfen und messen.

Das Interview führte Bernhard Foitzik, Freier Journalist.

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