Oberflächentechnik

Mit Gleitschleifen zu reproduzierbarem Hochglanz bei Gelenkimplantaten

Seite: 2/4

Anbieter zum Thema

Diese automatische Anpassungsfähigkeit vereinfacht die Prozesssteuerung. So entfallen komplexe, zeilengesteuerte Werkzeug- oder Werkstückbewegungen, wie sie bei der Bearbeitung mit Robotern oder CNC-Maschinen erforderlich sind. Das Ergebnis ist ein Schliff- oder Polierbild ohne Absätze. Im Gegensatz zum konventionellen maschinellen oder robotergestützten Zeilenschleifen komme es bei komplex geformten Teilen zu keinen Konturveränderungen, berichtet Rüdiger Böhm, Prokurist und Leiter Verfahrenstechnik/Testzentrum Gleitschleifen bei der Rösler Oberflächentechnik GmbH, Untermerzbach. „Absolute Formtreue“ sei garantiert.

Gleitschleifen reduziert Programmieraufwand

Außerdem entfällt das Umprogrammieren der Steuerung bei Teilen mit unterschiedlichen Oberflächenkonturen. Dieser Vorteil zahle sich besonders bei der Bearbeitung von Freiformflächen aus, berichtet Helmut Gegenheimer, Geschäftsführer der Otec Oberflächenfinish GmbH, Straubenhardt. Die Einsparung liegt dabei in einem deutlich reduzierten Programmieraufwand. Das zeigt sich bei der Prozesssteuerung in Schleppschleifanlagen. Bearbeitungsdauer, Eintauchtiefe, Rotations- und Schleppgeschwindigkeit sind die Steuerungsparameter. Sie basieren auf der Auswahl der Schleifkörper und Zusatzstoffe. Anders als bei Maschinenwerkzeugen arbeiten diese Verfahrensmittel ungeführt.

Mit diesem Vorteil können die Anlagenhersteller bei der Bearbeitung von Implantaten punkten. Das war anfangs nicht der Fall. Seit über 30 Jahren baut Rösler Anlagen für die Medizintechnikbranche: zunächst für medizinische Instrumente, später für Knochenplatten und -nägel, in den neunziger Jahren kam die Bearbeitung von Gelenkimplantaten dazu. „Lange Zeit“, erinnert sich Böhm, „wurde das Gleitschleifen oftmals nur als universelles, kostengünstiges Verfahren zum Entgraten und Verrunden von Kanten wahrgenommen.“ Daher gebe es noch immer Handarbeitsplätze zum Schleifen und Polieren von Hüft- und Kniegelenkimplantaten.

Anwender erwartet absolute Verfahrenstransparenz

So fand die Kombination von Schleif- und Poliertechnik über viele Jahre in der Branche wenig Beachtung. Das hat sich inzwischen geändert. „Wir beobachten eine deutliche Trendwende in der Gleitschlifftechnik“, berichtet der Rösler-Prokurist und verfahrenstechnische Leiter. Diese gesteigerte Aufmerksamkeit hat jedoch nicht nur Qualitätsgründe. „Man erwartet eine absolute Verfahrenstransparenz“, bemerkt Böhm. „Sämtliche Schleifkörper und Hilfsstoffe wie Compounds und Poliermedien müssen unter Verträglichkeits- und Umweltgesichtspunkten geprüft und freigegeben werden“ – einschließlich der dem Gleitschleifen nachgeschalteten Prozesswasserbehandlung.

Artikelfiles und Artikellinks

(ID:328457)