Der Vorstand von Thyssenkrupp Steel Europe hat dem Strategieausschuss des Aufsichtsrats in einem Eckpunktepapier die Pläne für ein weitgreifendes Zukunftskonzept vorgestellt. Hier die Details ...
Die Zeiten für Stahlkocher sind nicht besonders gut. Thyssenkrupp Steel Europe will sich deshalb für die Zukunft besser wappnen. Das soll mithilfe von vier Maßnahmen geschehen, die man jetzt dem Aufsichtsrat vorgelegt hat. Eins ist klar: es wird kein Zuckerschlecken!
(Bild: Thyssenkrupp Steel Europe)
Thyssenkrupp Steel Europe reagiert auf die sich weiter verfestigenden fundamentalen und strukturellen Veränderungen auf dem europäischen Stahlmarkt und in entscheidenden Kunden- und Zielmärkten mit einem zielesetzenden Eckpunktepapier. Denn immer stärker belasteten Überkapazitäten und daraus resultierend steigende Billigimporte, die insbesondere aus Asien kämen, die Wettbewerbsfähigkeit erheblich. Auch sind dringende Maßnahmen erforderlich, um die eigene Produktivität und betriebliche Effizienz zu verbessern. Daraus soll sich dann ein wettbewerbsfähigeres Kostenniveau herauskristallisieren. Das Eckpunktepapier wird in den kommenden Wochen im Dialog mit den Aufsichtsgremien und Arbeitnehmervertretungen konkretisiert, heißt es weiter. Die Thyssenkrupp AG sowie die mit 20 Prozent an Thyssenkrupp Steel beteiligte EP Group unterstützten das Konzept. Kommen wir nun zu den vier wichtigsten Punkten im Schriftstück:
1. Verkauf und Werksschließung
So ist offensichtlich beabsichtigt, die Produktionskapazitäten marktbedingt von gegenwärtig 11,5 auf ein zukünftiges Versandzielniveau von 8,7 bis 9 Millionen Tonnen zu senken, um sie an die zukünftigen Markterwartungen anpassen zu können. Das entspriche in etwa dem Versandergebnis des vergangenen Geschäftsjahres. Auch nach diesem Schritt blieben die Vorteile des integrierten Hüttenverbundes erhalten. Ein wesentliches Element zur notwendigen Kapazitätsreduzierung bleibt weiterhin die Trennung von den Hüttenwerken Krupp Mannesmann (HKM). Das vorrangige Ziel ist es dabei, die Unternehmensanteile an der HKM zu verkaufen. Scheitere der Verkauf, werde Thyssenkrupp Steel mit den weiteren Gesellschaftern Gespräche über einvernehmliche Schließungsszenarien führen. Auf jeden Fall wird der Weiterverarbeitungsstandort in Kreuztal-Eichen geschlossen.
2. Grüne Transformation im Fokus
Thyssenkrupp Steel stehe unverändert zur grünen Transformation und zur klimaneutralen Stahlproduktion. Das Unternehmen hält plant weiterhin, die bereits im Bau befindliche Direktreduktionsanlage (DR) fertigzustellen und führt gleichzeitig konstruktive Gespräche mit den zuständigen Stellen, um die Wirtschaftlichkeit dieses großen Investitionsprojekts unter den sich schnell verändernden Rahmenbedingungen sicherzustellen. Bis 2030 sollen die beiden Hochöfen 8 und 9 in Duisburg durch die DR-Anlage und die zwei geplanten innovativen Einschmelzer mit einer Versandkapazität von insgesamt 2,2 Millionen Tonnen pro Jahr ersetzt werden. Perspektivisch könnte ein weiterer Hochofen – etwa durch einen modernen Elektrolichtbogenofen – ausgetauscht werden. Die Entscheidung dafür steht aber noch aus.
3. Runter mit den Personalkosten
Die Umsetzung des jetzt Papiers wird zum einen leider auch mit einem deutlichen Abbau von Arbeitsplätzen sowie mit weiteren personalseitigen Kostensenkungen einhergehen, wie Thyssenkrupp Steel zugibt. So sollen durch die geplante Anpassung des konzernweiten Produktionsnetzwerkes und eine deutliche Straffung der Verwaltungen bis 2030 rund 5.000 Arbeitsplätze entfallen. Außerdem will man dann nochmals um die 6.000 Arbeitsplätze durch Ausgliederungen auf externe Dienstleister oder den Verkauf von Geschäftstätigkeiten einsparen. Darüber hinaus sollen die Personalkosten in den kommenden Jahren im Durchschnitt um zehn Prozent reduziert werden, damit das Kostenniveau auf einem wettbewerbsfähigerem Level zum liegen kommt. Trotz allem will man betriebsbedingte Kündigungen vermeiden.
4. Verselbstständigung läuft weiter
Parallel zur Umsetzung des Konzepts treibt die Thyssenkrupp AG die Verselbständigung des Stahlbereichs weiter an. In einem ersten Schritt wurden bereits 20 Prozent der Anteile von Thyssenkrupp Steel an die tschechische EP Group veräußert, um deren Anteile auf 50 Prozent zu erhöhen. Das aktuell erarbeitete Eckpunktepapier sei gleichzeitig die Grundvoraussetzung für einen tragfähigen und belastbaren Businessplan und das IDW-S6-Gutachten. Alle laufenden Investitionen und Performancemaßnahmen würden wie geplant weiter umgesetzt, um bereits jetzt die Hebel zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit zu nutzen. Das Ziel ist es, Thyssenkrupp Steel langfristig profitabel, wettbewerbsfähig und klimaneutral aufzustellen.
Stand: 08.12.2025
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