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Leistungsfaktoren in Kombination mit den Vibrationen betrachten
Eines wird dabei häufig missverstanden: Es gibt keinen generellen Vibrationsgrenzwert für Werkzeuge. Je nach Werkzeug kann auch ein Wert über 5 m/s² gut sein. „Eines unserer Highlights ist unser vibrationsgedämpfter 2-kg-SDS-Plus-Bohrhammer mit 11 m/s²“, sagt Mathias Huth, der bei der Robert Bosch GmbH in Leinfelden das Produktmanagement der gewerblichen Bohr- und Schlaghämmer verantwortet.
Bei solchen Werkzeugen müsse man die Leistungsfaktoren in Kombination mit den Vibrationen betrachten. Kurz gesagt: „Was nutzt ein extrem vibrationsarmes Werkzeug, mit dem man viel länger arbeiten muss, um mit der Arbeit fertig zu werden?“
Um herauszufinden, mit welchem Werkzeug wie lange gefahrlos gearbeitet werden kann, bietet die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin auf ihren Internetseiten eine Hilfe für die Praxis (siehe Kasten).
In einer Tabelle, die frei abgerufen werden kann, sind Orientierungswerte zur Gefährdungsbeurteilung hinterlegt. Ersichtlich ist nach einem Ampelprinzip, welche Einsatzzeit bei welchem Schwingungsgesamtwert unkritisch ist (grün hinterlegtes Feld), wann der Auslösewert erreicht ist (gelbes Feld) und ab welcher Einsatzzeit sofort Schutzmaßnahmen ergriffen werden müssen (rotes Feld). Wem für Werkzeuge keine genaueren Informationen vorliegen, dem liefert diese Tabelle Anhaltspunkte.
Hilti liefert Anwendern neue Anhaltspunkte für die Vibrationsbelastung
Vor allem sogenannte Heavy User, also Anwender, die länger als 30 Minuten zum Beispiel mit 16-kg-Hämmern oder großen Winkelschleifern im Druckgussputzbereich arbeiten, müssen Einsatzzeit und Vibrationswert genau im Blick behalten, meint Bosch-Experte Mathias Huth. „Auch beim Bau großflächiger Sanitäranlagen, wo gelegentlich 800 Löcher am Tag gebohrt werden müssen, kann die Vibrationsbelastung leicht zu hoch werden.“
In England kontrollieren einige Unternehmen aufgrund von Klagen früherer Arbeitnehmer die Einschaltzeiten von Handwerkzeugen mit hohen Vibrationswerten über kleine Messgeräte, die am Werkzeug montiert sind. Hierzulande hat sich diese Maßnahme nicht durchgesetzt. „Zu umständlich“, befinden die deutschen Hersteller, die der MM Maschinenmarkt zu diesem Thema befragt hat. Für jedes Werkzeug müsse nicht nur die Einschaltzeit kontrolliert werden, sondern auch der jeweilige Werkzeugführer, um dessen Vibrationsbelastungen über den Tag verteilt zusammenrechnen zu können.
Mit einer pfiffigen Idee unterstützt Hilti seine Kunden bei der Einschätzung der Vibrationsbelastung je Werker. „Für Arbeitgeber und Anwender ist es oft schwierig abzuschätzen, wann zum Beispiel 45 Minuten Einschaltzeit erreicht sind“, erklärt Verena Bossert, Produktmanagerin für Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz bei der Hilti Deuschland AG. Die Beschleunigungswerte seien für einige Anwender außerdem sehr abstrakt. „Daher versuchen wir andere Anhaltspunkte zu liefern.“
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