Kantige Revolution Vor 60 Jahren dämmerte in Deutschland die Zeit der Container herauf

Quelle: dpa 4 min Lesedauer

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Die logistische Revolution kam mit dem Schiff nach Bremen. Denn am 5. Mai 1966 machte mit der „Fairland“ erstmals ein Vollcontainerschiff in Deutschland fest ...

Das war die Ankunft des ersten Containerschiffes MS „Fairland“ in Deutschland am 5. Mai 1966. Genauer gesagt, im Überseehafen von Bremen. Damit begann in Deutschland und Europa der Siegeszug der kantigen Transportriesen. Doch brachte das auch Nachteile – wie immer halt ...(Bild:  H. Brockmöller)
Das war die Ankunft des ersten Containerschiffes MS „Fairland“ in Deutschland am 5. Mai 1966. Genauer gesagt, im Überseehafen von Bremen. Damit begann in Deutschland und Europa der Siegeszug der kantigen Transportriesen. Doch brachte das auch Nachteile – wie immer halt ...
(Bild: H. Brockmöller)

Bordkräne hievten bei dieser Container-Premiere noch die Container von der „Fairland“ auf Lastwagen. Denn eine Containerbrücke gab es im Bremer Überseehafen noch nicht. Containerbrücken bewegen speziell Container zwischen Schiff und Kai. Der Forscher Burkhard Lemper, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik in Bremen, zu diesem Ereignis: „Das war der Start der internationalen Containerschifffahrt und damit der Beginn einer Revolution der Schifffahrt und einer unglaublichen Erfolgsgeschichte.“ In Nordamerika begann das Containerzeitalter übrigens rund zehn Jahre früher als in Europa. Denn schon 1956 schickte der Unternehmer Malcolm McLean (auch nur Malcom) ein Containerschiff auf Testfahrt. Der umgebaute Weltkriegstanker absolvierte diese ohne Zwischenfälle und die zuständige US-Behörde gab anschließend bestehende Vorbehalte gegen den neuen Schiffstyp auf. Das kann man im Buch „The Box“ von Marc Levinson nachlesen. Als das Containerzeitalter dann sozusagen anbrach, waren Container eigentlich nichts Neues. Denn schon in früheren Jahrhunderten wurden Transportboxen in verschiedenen Varianten genutzt. Die standardisierten – quasi amerikanischen – Kisten hatten im Vergleich zu früheren Boxen aber mehrere Vorzüge. Denn sie waren stapelbar und ließen sich gleichermaßen auf Schiffen, Zugwaggons und Lastwagen transportieren. Nicht zuletzt gab es dann für Schweißfachleute und Blechverarbeiter immer mehr zu tun!

Container-Siegeszug brachte Gewinner und Verlierer

In Bremen und Rotterdam ließen Hafenbetreiber bald nach Ankunft der „Fairland“ auch die hilfreichen Containerbrücken montieren. In Bremen begann der Aufbau der ersten Containerbrücke 1967, wie die heutige BLG Logistics Group mitteilt. Bevor die ersten Containerbrücken die Arbeit aufnahmen, mussten Hafenarbeiter Säcke, Kisten und Fässer noch einzeln an Bord bringen und verstauen. Dass der Container nach 1966 allmählich zum Standard wurde, bedrohte jedoch die Existenz städtischer Häfen. Vorhandene alte Hafenbecken waren für die Containerschiffe nämlich nicht tief genug und es fehlten Freiflächen und staufreie Straßen. Zu den Gewinnern der sogenannten Containerisierung zählten folglich Hafenstandorte, die genug Platz boten. In Deutschland war das unter anderem Bremerhaven. Die Containerbrücken in den neuen Häfen verkürzten die Umschlagzeiten dann also deutlich. Einem Forschungspapier zufolge konnten in Containerhäfen Waren damit rund achtzehnmal schneller als zuvor umgeschlagen werden. Sie fertigen Schiffe sozusagen in Tagen statt in Wochen ab. Das führte dazu, dass die Nachfrage nach Hafenarbeitern abnahm und viele ihre Anstellung verloren. Auch Seeleute waren vom Wandel betroffen: Ihnen blieb weniger Zeit an Land, was das Leben in Hafenvierteln veränderte. In den Städten wurden die nicht länger benötigten Hafenbecken aufgegeben. Wo Hafenarbeiter einst schufteten, entstanden dann etwa in Hamburg, London und New York Wohngebäude mit attraktivem Blick aufs Wasser. In Hamburg verlor die sogenannte Speicherstadt als Lagerort an Bedeutung und wurde 1991 schließlich unter Denkmalschutz gestellt.

Kein Vergleich zur MS „Fairland“ sind die heutigen Containerschiffgiganten. Hier sind auch die sogenannten Containerbrücken über dem Schiff zu sehen, die die großen Transportbehälter lässig bewegen können.(Bild:  CMA)
Kein Vergleich zur MS „Fairland“ sind die heutigen Containerschiffgiganten. Hier sind auch die sogenannten Containerbrücken über dem Schiff zu sehen, die die großen Transportbehälter lässig bewegen können.
(Bild: CMA)

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