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Digitales Büro Wie Corona für einen Digitalisierungsschub sorgt

Autor: Katharina Juschkat

Kaum verwunderlich: Der Lockdown aufgrund der Covid-19-Pandemie in diesem Frühjahr sorgte für einen Digitalisierungsschub. Wie enorm dieser war und wie der Maschinen- und Anlagenbau dabei abschneidet, zeigen jetzt aktuelle Zahlen einer Bitkom-Studie.

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Digitales Büro: Zukünftig wollen fast neun von zehn Unternehme auf Briefpost verzichten. Die Covid-19-Pandemie hat diesen Wert enorm vorangetrieben.
Digitales Büro: Zukünftig wollen fast neun von zehn Unternehme auf Briefpost verzichten. Die Covid-19-Pandemie hat diesen Wert enorm vorangetrieben.
(Bild: ©BillionPhotos.com - stock.adobe.com)

Im Frühjahr 2020 wurde es ruhig in Deutschland: Büros wurden geschlossen, die Infrastruktur auf Systemrelevantes heruntergefahren, und wo möglich, arbeitete man im Homeoffice. Das setzte viele Unternehmen unter Druck, die Digitalisierung schneller als geplant voranzutreiben. Eine aktuelle Studie des Digitalverbands Bitkom zeigt, wie stark das Büro inzwischen digitalisiert ist, und welchen Effekt der Lockdown hatte.

Wie weit ist die Digitalisierung in Deutschland?

Bitkom errechnet anhand des „Digital Office Index“, wie weit die Digitalisierung in Unternehmen fortgeschritten ist (Details im Kastentext). Unter allen befragten Unternehmen ergibt sich hier ein Digitalisierungsindex von 55. Die Grade der Digitalisierung unterscheiden sich je nach Branche und Unternehmensgröße teilweise sehr. So sind Großunternehmen mit über 500 Mitarbeitern digital weit vorn und erreichen einen Indexwert von 67 – und je kleiner das Unternehmen, desto weiter hinten liegt es bei der Digitalisierung.

Hintergrund: Der „Digital Office Index“

Der „Digital Office Index“ ist eine Skala von 0 (nicht digitalisiert) bis 100 (voll digitalisiert) und errechnet sich anhand von 58 ausgewählten Indikatoren aus den drei Bereichen:

1. Digitalisierungsvoraussetzungen (z.B. Aufgeschlossenheit, Strategie, mobiles Arbeiten)
2. Digitalisierungsfortschritt (z.B. Digital-Office-Lösungen, Automatisierung, Archivierung)
3. Digitalisierungsperspektive (z.B. Positive Effekte, Hürden, Investitionsabsichten)

Schon 2016 und 2018 führte Bitkom eine Umfrage zum digitalen Büro durch, auf die im Artikel Bezug genommen wird.

Zum kompletten „Digital Office Index“

Im Vergleich der Branchen sind Banken und Finanzdienstleister mit einem Wert von 59 an der Spitze. Die Automobilindustrie, der Maschinen- und Anlagenbau sowie die Chemie- und Pharmaindustrie liegen etwa im Durchschnitt, die Logistikbranche ist mit 53 Punkten etwas stärker abgehängt.

Corona-Effekt: Dreiviertel aller Unternehmen haben eine Digitalisierungsstrategie

Die Pandemie zwang viele Unternehmen, sich mit der Digitalisierung vermehrt zu beschäftigen. Das zeigt sich auch in den Strategien: Dreiviertel aller befragten Unternehmen haben inzwischen eine Strategie für die Digitalisierung – das ist ein Anstieg von 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Vor allem Großunternehmen sind hier vorn dabei: Mit 96 Prozent hat fast jedes Unternehmen mit über 500 Mitarbeitern eine Strategie. Weit vorn ist auch die Chemie- und Pharmabranche mit 84 Prozent. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau sowie der Automobilindustrie haben mit 86 Prozent auch überdurchschnittlich oft eine Strategie für die Digitalisierung. Nur die Logistikbranche ist mit 67 Prozent wieder Schlusslicht.

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Deutlich angestiegen ist auch die Ausstattung der Mitarbeiter mit mobilen Geräten mit Internetzugang, also Smartphone, Tablet oder Notebook: Besaßen von allen befragten Unternehmen 2018 noch 48 Prozent der Festangestellten ein mobiles Gerät, waren es dieses Jahr 55 Prozent.

Ein auffälliger Unterschied zum Vorjahr zeigt sich auch bei der Investitionsbereitschaft, die von 57 auf 70 Prozent anstieg – wohingegen der Anstieg von 2016 auf 2018 bei gerade einmal 2 Prozentpunkten lag.

Die Kommunikation wird digital

Vor allem bei der Kommunikation zeigen sich große Unterschiede zur Untersuchung 2018: Um 30 Prozent stieg dabei die berufliche Nutzung von Smartphones – 81 Prozent aller Unternehmen nutzen das Smartphone beruflich sehr häufig oder häufig. Auch wenig verwunderlich: Onlinemeetings und Videokonferenzen stiegen auch überdurchschnittlich stark um 13 Prozent an.

Dagegen sank die Kommunikation per Brief (-15 %) und Fax (-13 %). Langfristig wollen fast neun von zehn Unternehmen auf Briefpost verzichten – 2018 wollten das noch nicht einmal die Hälfte aller Unternehmen.

In einem Jahr, in dem vieles in die digitale Welt verlagert werden musste, haben sich auch die Websites der Firmen verändert: Die Unternehmens-Homepage wurde von der reinen Produktplattform zur interaktiven Plattform. Auffällig stark stiegen die Funktionen, die mehr bieten als reine Produktinformationen. Über 20 Prozent der Unternehmen stockten dieses Jahr ihre Homepage um ein passwortgeschütztes Kundenportal auf. Auch stieg der Einsatz von Online-Bestellungen, Online-Bewerbungen und die Elektronische Entgegennahme von Beschwerden.

Welche Hürden bleiben

Auch wenn die Investitionsbereitschaft immens stieg: Für 70 Prozent ist der notwendige hohe Investitionsbedarf eine große Hürde bei der Digitalisierung. Auch der Mangel an qualifiziertem Personal (62 %) und rechtliche Bestimmungen (53 %) bremsen die Digitalisierung aus.

Hintergrund

Für den aktuellen „Digital Office Index“ von Bitkom wurden mehr als 1.100 Unternehmen aller Branchen mit mehr als 20 Mitarbeiter befragt und ist damit repräsentativ für die Gesamtwirtschaft. Die Befragung fand zwischen Mai und Juni 2020 statt. Schon 2016 und 2018 führte Bitkom eine Umfrage zum digitalen Büro durch.

Zum kompletten „Digital Office Index“

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Über den Autor

 Katharina Juschkat

Katharina Juschkat

Redakteurin, Vogel Communications Group