Tag der Industrie BDI: Industrieproduktion steigt um 8 Prozent

Redakteur: Katharina Juschkat

Positive Nachrichten am Tag der Industrie: Der BDI rechnet mit einem achtprozentigen Anstieg der Industrieproduktion in diesem Jahr. Der BIP soll im vierten Quartal wieder auf Vorkrisenniveau zurückkehren. Gewisse Risiken bleiben jedoch.

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Der BDI rechnet dieses mit einem BIP-Anstieg von 3,5 Prozent - im vierten Quartal soll das Vorkrisenniveau wieder erreicht sein.
Der BDI rechnet dieses mit einem BIP-Anstieg von 3,5 Prozent - im vierten Quartal soll das Vorkrisenniveau wieder erreicht sein.
(Bild: ©nikkytok - stock.adobe.com)

Auf dem Tag der Industrie zieht der Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (BDI) positive Bilanz: Für das gesamte Jahr 2021 rechnet der Verband mit einem Anstieg des realen Bruttoinlandsproduktes um 3,5 Prozent. Im April prognostizierte der BDI noch drei Prozent Wachstum.

BIP soll im vierten Quartal auf Vorkrisenniveau zurückkehren

Grund für die positiven Zahlen ist vor allem die steigenden Impfzahlen, aber auch die erwartete Belebung der Binnenkonjunktur aufgrund von Nachholeffekten im privaten Konsum sowie deutlich steigender Investitionen. Auch das Auslandsgeschäft wächst: Hier erwartet der BDI eine starke Erholung in Asien und rechnet mit einem positiven Effekt durch die Konjunkturpakete in den USA.

Insgesamt rechnet der BDI in diesem Jahr mit einem Anstieg der Industrieproduktion um acht Prozent. Mit der Rückkehr auf Vorkrisenniveau des BIP rechnet der BDI im vierten Quartal dieses Jahres.

Risiko Pandemie, Lieferengpässe und Rohstoffknappheit

Zwar ist Deutschland mit den Impfungen auf einem guten Weg - doch der BDI-Präsident Siegfried Russwurm warnt, dass der weitere Verlauf der Pandemie ein entscheidender Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung ist. Als eine weitere Gefahr für die konjunkturelle Erholung nannte der BDI-Präsident zunehmende Lieferengpässe und Rohstoffknappheiten: „Chipmangel führt in der Automobilindustrie bereits zu teils weitreichenden Produktionseinschränkungen.“

Die Probleme betreffen die gesamte Lieferkette. „Lieferengpässe gibt es aber nicht nur bei Halbleiterchips“, erklärte Russwurm. Es mangele auch an Kunststoffen, Verpackungsmaterial, Stahl und Metallen. „Wie stark dieses Thema die Konjunkturkennzahlen letztlich negativ beeinflussen wird, das wird sich noch zeigen“, sagte Russwurm. „Ich bin aber zuversichtlich, dass es der deutschen Industrie zumindest nicht langfristig Probleme bereiten wird.“

Deutliche Digitalisierungsdefizite müssen beseitigt werden

Der Druck auf die zukünftige Bundesregierung, grundlegende Standortschwächen zu beseitigen und die Effizienz in den Behörden zu steigern, ist nach Ansicht des BDI-Präsidenten aufgrund der Herausforderungen der Corona-Pandemie noch einmal deutlich gewachsen. „Die Pandemie hat die teils haarsträubenden Digitalisierungsdefizite der öffentlichen Verwaltung offengelegt. Diese Erkenntnis erhöht den Druck, endlich grundlegende Standortschwächen zu beseitigen“, forderte Russwurm.

Fortschritt forderte der BDI-Präsident auch in der Steuerpolitik: „Es sollte uns zu denken geben, dass die Diskussion um eine globale Mindeststeuer auf den halben hiesigen Unternehmenssteuersatz hinausläuft.“

Klimaneutralität. Politik muss Industrie unterstützen

Der BDI-Präsident kritisierte in der Klimaschutzpolitik die fehlende Planungssicherheit für die Industrie, weil dringend notwendige Richtungsentscheidungen bislang ausgeblieben seien: „Es reicht nicht, Klimaneutralität per Gesetz vorzuschreiben. Die Politik muss auch dringend etwas dafür tun, dass das Ziel erreicht werden kann und politische Entscheidungen treffen“, sagte Russwurm.

Über einen Großteil der Produktionsanlagen des Jahres 2045 werde bereits heute entschieden. „Wichtig sind realistische Übergangspfade, ein ausreichender und international plausibel zu vertretender Carbon-Leakage-Schutz, Motivation für möglichst umfangreiche private Investitionen in den Transformationsprozess und schnellere Umsetzung öffentlicher Investitionen insbesondere in die Infrastruktur“, forderte Russwurm. Detaillierten Technologievorgaben oder konkreten Technologieverboten erteilte der BDI-Präsident eine Absage. „Die Entscheidung darüber, welche Innovationen auch wirtschaftlich sinnvoll sind, können nur die Unternehmen treffen.“

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