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Umformtechnik Betagte Presse macht Beschlagtechnik immer noch präzise

| Autor / Redakteur: Dietmar Kuhn / Stéphane Itasse

Auf der Suche nach den ältesten, noch im Einsatz befindlichen Pressen hatte die Walter Neff GmbH Maschinenbau einen Wettbewerb ausgeschrieben und Unternehmen mit einer Auszeichnung bedacht. Unter anderem wurden die Karlsruher bei der Anuba AG in Vöhrenbach fündig.

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Anuba (Heine & Sohn GmbH) in Vöhrenbach ist bekannt für Bänder und Beschläge für Möbel, Türen, Tore und Fenster in allen Variationen.
Anuba (Heine & Sohn GmbH) in Vöhrenbach ist bekannt für Bänder und Beschläge für Möbel, Türen, Tore und Fenster in allen Variationen.
(Bild: Kuhn )

Der Name Anuba steht für Beschlagtechnik bei Möbeln, Türen, Toren und Fenstern. Zu den Produkten gehören Einbohrbänder, Spezial- und Sicherheitstürbänder und Scharniere aus Stahl, Edelstahl, Zinkdruckguss und Aluminium. Über 300 verschiedene Produkte bietet das Schwarzwälder Unternehmen derzeit an – zu 85 % handelt es sich dabei um Katalogware, der Rest sind Sonderanfertigungen.

Spezial-Einbohrbänder der Marke Anuba seit 1953 im Programm

Im Jahr 1852 hat Xaver Heine den Betrieb in Vöhrenbach gegründet und gilt somit als einer der Väter und Förderer der Industrialisierung im Schwarzwald schlechthin. Begonnen hat er mit gefrästen Volltrieben für die Uhrenindustrie. Seine Maschinen und Vorrichtungen für die Produktion dieser filigranen und komplizierten Zahnräder stellte er in der eigenen Werkstatt her.

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Parallel dazu entwickelte sich das Unternehmen auch zu einem Hersteller von Schrauben und Fassondrehteilen für Armaturen und den Maschinenbau. Die Triebe- & Schraubenfabrik X. Heine & Sohn wuchs bis 1888 auf 90 Mitarbeiter, während des zweiten Weltkrieges sogar bis auf 550 Beschäftigte.

Im Jahre 1953 tauchte zum ersten Mal der Name Anuba im Produktionsprogramm auf. Unter dem Markennamen Anuba-Bänder produziert das Unternehmen bis heute Spezial-Einbohrbänder. Auf der Grundlage zahlreicher Patente und Schutzrechte entwickelte sich die X. Heine & Sohn GmbH zu einem hochspezialisierten Unternehmen der Beschlagtechnik.

Zahlreiche Maschinen für viele Verfahren in der Produktion

Für die Produktion setzt man in Vöhrenbach auf einen Maschinenpark namhafter Hersteller. Kaltfließpressen, Mehrstufenpressen, Maschinen zum Gewindewalzen, Bohrtechnik, Umformpressen, Kunststoff-Spritzgießmaschinen, Laserschweißtechnik und Montageanlagen sowie Oberflächentechnik finden sich der hoch automatisierten Produktion. „Zahlreiche Maschinen und Anlagen haben wir unseren Bedürfnissen entsprechend modifiziert und an den Materialfluss angepasst. Das machen wir hier in Vöhrenbach selbst“, erläutert Willy A, Rombach, Geschäftsführer und Technischer Leiter der Anuba AG.

Stolz ist man insbesondere auf den eigenen Werkzeug- und Vorrichtungsbau und darauf, dass Anuba bereits 1996 als der erste deutsche Einbohrband-Hersteller nach ISO 9001 für sein betriebsübergreifendes und einheitliches Qualitätsmanagementsystem zertifiziert wurde.

„Eine Besonderheit unserer Produktion sind die Montagepressen“, sagt Rombach. „Die ersten haben wir bereits in den 50er Jahren angeschafft.“ Rombach erinnert sich, dass es wohl 1956 war, als die erste dieser Neff-Pressen bei Anuba installiert wurde. Insgesamt waren es etwa 20 Maschinen. Die ersten Originalbänder – jeweils Stift und Rollenkörper – wurden bei der Montage mithilfe dieser Neff-Pressen miteinander verpresst. Millionen von Anuba-Bändern wurden so gefertigt. Erst später wurden sie verschweißt. Die Installation war wohl nicht sehr komplex, denn die Pressen mit der Typenbezeichnung 2S 12 wurden steckerfertig geliefert und konnten sofort in Betrieb genommen werden. Es sind ölhydraulische Einständerpressen mit 2 t Presskraft und sie wiegen selbst nur 250 kg.

Alte Neff-Pressen noch im württembergischen Urach gebaut

„Einige der Neff-Pressen, damals noch im württembergischen Urach von Walter Neff gebaut, wurden permanent für unterschiedliche Aufgaben fit gehalten“, sagt Valentin Lesar, Anwendungstechniker bei Anuba und für den Maschinenpark verantwortlich. Mehrere der damals installierten Neff-Pressen sind heute noch, nach über 60 Jahren in Betrieb. Sie werden vorwiegend für Montagearbeiten der Bänder und Beschläge eingesetzt. Je nach Aufgabe, werden sie mit unterschiedlichen Werkzeugen bestückt.

Seit der Investition der letzten Uracher Neff-Presse hatte Anuba keinen Kontakt mehr zum Hersteller Neff. „Jetzt wurde dieser nach über 40 Jahren wieder belebt“, sagt Rombach. Für Oliver Dörmann, Geschäftsführer der Walter Neff GmbH Maschinenbau dürfte dies zu einem Glücksfall werden. Wie Rombach andeutete, ist er derzeit an der Investition in eine neue Neff-Kaltfließpresse interessiert. Die ersten Gespräche laufen bereits.

* Dietmar Kuhn ist freier Fachjournalist in 97922 Lauda-Königshofen

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